Engelgasse
Ein historischer Palast im Herzen der Stadt steht frei

An der Engelgasse steht mit einem der ersten Gebäude von Fritz Stehlin eine Rarität zum Verkauf – der Architekt prägte das Basler Stadtbild.

Benjamin Rosch
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Für 8,8 Millionen Franken zu haben: Das Stehlinsche Stadtpalais.

Für 8,8 Millionen Franken zu haben: Das Stehlinsche Stadtpalais.

Roland Schmid

Fritz Stehlin prägte das Bild dieser Stadt. Wie sein Vater und sein Grossvater zuvor, welchen Basel unter anderem das Bernouillanum, die Kaserne oder auch die Kunsthalle zu verdanken hat. Von Ihnen übernahm der in Frankreich studierte Architekt um die Wende zum 20. Jahrhundert die Aufgabe, reichen Familien ein schönes Anwesen zu erbauen. Natürlich nicht nur, einen Namen machte er sich etwa mit dem Bau des De Wette-Schulhaus oder dem Wiederaufbau des Stadttheaters nach einem Brand.

Seine Spezialität aber, das blieben die Residenzen reicher Industrieller, schmucke Stadtpalais, vor allem im noblen Gellertquartier. Das Buch «Villen des Historismus in Basel» nennt Stehlin den «Vollender des späten Villenstils»dieser Stadt. Nur wenige seiner Häuser stehen überhaupt noch, ein Grossteil wurde abgebrochen. Umso seltener gelangen solche Objekte auf den Markt.

Die Villa an der Engelgasse 77 ist Stehlins drittes Werk und steht jetzt zum Verkauf. Er erbaute sie 1894 im Stil des Neobarock, zu einer Zeit, als das heutige Villenviertel noch aus vereinzelten Gutshöfen bestand. 2011 erfolgte die letzte Renovation. Kostenpunkt: 8,8 Millionen. Dafür bietet das Haus 10 Zimmer mit insgesamt 450 Quadratmeter Wohnfläche. Es gibt drei Bäder, im Keller steht ein Hobbyraum und einer für das Weinlager. Der Dachstock wiederum ist zu einer Wohnung ausgebaut; sie hat einen eigenen Liftzugang. Zudem verfügt die Liegenschaft über einen Kachelofen – ganz im Stil jener Tage, in denen sie erbaut wurde. Die Grundstücksfläche beläuft sich auf rund 1000 Quadratmeter.

Mehrere Bäume stehen im grosszügigen Garten. Neben dem Hauptgebäude liegt ein Annex aus dem Jahr 1960 mit Büroräumlichkeiten, direkt erreichbar über das Haupthaus. Natürlich gibt es auch eine Garage.

Bekannter Verkäufer

Wer das Haus zuerst bewohnt hat, ist nicht überliefert. Der aktuelle Eigentümer hingegen ist kein Unbekannter: Olav Noack war von 2009 bis 2012 Schweiz-Chef der Versicherung Bâloise. Vor ziemlich genau einem Jahr sorgte er für Schlagzeilen: Die «Schweiz am Sonntag» hat darüber berichtet, wie er sich einen Bonus von 420 000 Franken von seinem ehemaligen Arbeitgeber vor Bundesgericht erstreiten wollte.

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