«BaZ nackt»

Druckerei-Schliessung: Gewerkschaften demonstrieren vor BaZ-Redaktion

Christoph Blochers National Zeitung und Basler Nachrichten AG schliesst die BaZ-Druckerei auf Ende März. 74 Mitarbeiter verlieren ihre Stelle. Künftig wird die Basler Zeitung in Zürich vom Medienunternehmen Tamedia gedruckt.

Wie ein Damoklesschwert schwebte der Begriff «Schliessung» über der BaZ-Druckerei an der Hochbergerstrasse. Schon lange hiess es bei den Basler Zeitung Medien (BZM), dass man sich die defizitäre Druckerei nicht länger leisten könne.

Heute sind nun alle Befürchtungen wahr geworden. Die Belegschaft und die Öffentlichkeit wurden informiert, dass die Druckerei «den Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen per 31. März» einstellt. Zuletzt sei der Umsatz auf 23 Millionen Franken pro Jahr gesunken und ein Verlust von einem «hohen einstelligen Millionenbetrag» geschrieben. Künftig wird die BaZ beim Zürcher Tamedia-Verlag gedruckt, welcher unter anderem den «Tages-Anzeiger» herausgibt. «Wir haben mit allen Schweizer Verlagen verhandelt. Tamedia hat das beste Angebot gemacht», begründet Roger Berger von den BZM.

Spontane Demo vor BaZ-Redaktion

Hart betroffen ist das Personal. 98 Stellen - darunter auch jene des Personalrestaurants «Schwarze Kunst» - fallen weg. 11 von ihnen wird ein Angebot zur vorzeitigen Pensionierung gemacht, 10 kommen im Tamedia-Druckzentrum in Zürich unter. 74 Angestellte erhalten die Kündigung.

Auch drei Lehrlinge sind betroffen. Für sie wurde allerdings eine Lösung gefunden, wie Gabriel Brodmann von der Basler Berufsbildung sagt: «Zwei können ihre Prüfung vorziehen und eine Lernende wechselt die Stelle.» Für alle anderen Drucker dürfte es nun aber schwierig werden. Mit der BaZ-Druckerei schliesst die letzte Zeitungsdruckerei in der Region.

Die Medien und Kommunikationsgewerkschaft syndicom organisierte heute Abend eine spontane Demonstration auf dem Aeschenplatz vor der BaZ-Redaktion. Die «Tageswoche» will in ihrer Online-Ausgabe sogar von einem Notfallplan bei der BaZ wissen: Hätten die Druckerei-Arbeiter gestreikt, wäre die morgige BaZ-Ausgabe in Zürich bei Tamedia produziert worden.

Auch die Regierung bedauert

Mit ihrem Schritt verfolgen die Besitzer der BZM um SVP-Nationalrat Christoph Blocher das Projekt «Basler Zeitung nackt» konsequent weiter: Ausser der eigentlichen Zeitung sollen alle Geschäftsbereiche abgestossen werden. Das stellt kleinere Druckereikunden aus der Region vor Probleme. Zum Beispiel die Sissacher Schaub-Medien, welche die Oberbaselbieter Zeitung «Volksstimme» herausgeben. Sie müssen sich eine neue Druckerei suchen, wie Susi Quinter von der Geschäftsleitung bestätigt. Auch der Inserateverkauf, der bisher die BaZ für die Volksstimme gemacht hat, müssen die Schaub-Medien jetzt selber organisieren.

Und auch politisch wirf die Schliessung Wellen. Für die Basler SP ist die drastische Massnahme der Beweis, dass «es bei der Übernahme der BaZ immer nur darum ging, eine Tageszeitung als Sprachrohr der SVP zu etablieren», anstatt sich «längerfristig zu positionieren».

Sogar die Basler Regierung veröffentlichte heute Abend ein Communiqué, in dem sie die angekündigte Schliessung bedauert. Sie erwartet, dass die Möglichkeit eines «Management Buyouts» - also dass die Firma den Angestellten verkauft wird - seriös geprüft wird. Bis am 22. Januar haben die Angestellten Zeit, Vorschläge zur Rettung der Druckerei zu machen. Laut BZM-Sprecher Roger Berger seien die Chancen dafür aber «sehr klein».

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