Tierhandel

Dritte Abfuhr: Immer noch keine Pandas für den Zolli

Der Berliner Zoo hat seit diesem Jahr Pandas – im Bild Panda-Dame Meng Meng.

Der Berliner Zoo hat seit diesem Jahr Pandas – im Bild Panda-Dame Meng Meng.

Der Zoo Basel erhält auf absehbare Zeit keine Pandabären. Dies ist bereits der dritte gescheiterte Versuch. Im Staatsarchiv liegen umfassende Unterlagen, die belegen, dass die Verantwortlichen des Zollis zuvor zweimal versuchten, eigene Pandas zu bekommen.

Schwarz-weiss wie das Basler Kantonswappen ist er, dazu ein Publikumsmagnet – vor allem aber eines: sehr selten. Die Rede ist vom Grossen Panda, von dem in China aktuell rund 2000 Exemplare in gut geschützter Wildnis leben. Und von der Volksrepublik werden sie an ausgewählte Zoos weltweit ausgeliehen – für angeblich eine Million Dollar pro Jahr. Zuletzt kam der Zoo Berlin in den Genuss, nachdem die chinesischen Verantwortlichen die Qualität der neu gebauten Anlage inspiziert hatten.

Auch der Basler Zolli hat jüngst Versuche unternommen, sich chinesische Pandas zu sichern. 2011 kam es zu mehreren Gesprächen zwischen Standortmarketing und Vertretern der chinesischen Partnerstadt Schanghai. Damals war das Ziel, dass die Tiere 2016 in die ausgebaute Sauter-Anlage einziehen könnten – doch davon ist man weit entfernt. «Wir haben diese Absicht kundgetan, momentan sind Pandas aber kein Thema», sagt Zolli-Sprecherin Tanja Dietrich.

Dabei sind die jüngsten Bemühungen um Pandabären weder die ersten, noch die kuriosesten. Im Staatsarchiv liegen umfassende Unterlagen, die belegen, dass die Verantwortlichen des Basler Zoos bereits zuvor zweimal versuchten, eigene Pandas zu bekommen. Und dabei zumindest einmal einem regelrechten Betrüger aufsassen.

Intrige eines indischen Händlers

Es ist der 5. Mai 1953, als beim Zoo Basel ein Telegramm eingeht mit den Worten: «SOFORTIGES ANGEBOT EIN GROSSER PANDA 2500 PFUND SELTENE MÖGLICHKEIT SOFORT BESCHEIDGEBEN = jIGYASOO +». Ein Tag später folgt die Bestätigung des Kaufpreises: 2500 Pound Sterling zum damaligen Kurs von zwölf Franken pro Pfund, was teuerungsbereinigt rund 100 000 Franken entspricht. Weitere Dokumente im Staatsarchiv zeigen: Der Zoo griff zu und beauftragte seine Bank mit der Überweisung des Betrags nach Kalkutta. Ob er tatsächlich ausbezahlt wurde, ist unklar. Sicher ist: Der Basler Zolli sass einem Betrüger auf. Ein Mittelsmann schrieb dazu einen Monat, nachdem das Geschäft bachab gegangen war: «Wir wurden Opfer einer schäbigen Intrige. Auf der Preisliste der Organisation, die unbedingt im Tierhandelsgeschäft Fuss fassen will, figurieren Pandas, welche der Verkäufer in seinem Leben noch nie gesehen hat. Es sind lediglich Köder.»

Klare Absage aus Peking

Der nächste Stapel in den Basler Panda-Akten stammt aus dem Jahr 1979 und belegt Versuch Nummer zwei – diesmal direkt an den Pekinger Zoo gerichtet. Unterstützt wurden die Zolli-Verantwortlichen vom damaligen Generaldirektor der Schweizer Mustermesse sowie einem namentlich nicht genannten Bundesrat. Das Ziel war, die Volksrepublik China, die 1980 als Gastland an der Muba erwartet wurde, zu umgarnen. Auch der damalige Direktor der Ciba-Geigy war involviert. Aus der Korrespondenz des Zolli-Direktors mit ihm geht hervor, was der Basler Zoo zu zahlen, respektive tauschen, bereit war. Ein Indisches Panzernashorn zum Preis von 65 000 US-Dollar wäre als Tauschobjekt ebenso zur Verfügung gestanden wie Somaliwildesel, ein Gorilla oder eine Bongo-Antilope. Auch Bar- bezahlung wäre möglich gewesen. Am 14. Februar 1979 wurde eine chinesische Delegation in den Zoo eingeladen. Von den «positiven Gesprächen in Bezug auf einen Panda-Kauf» inspiriert folgte sogleich die offizielle schriftliche Anfrage. Doch alles nützte nichts, wie auf hauchdünnem chinesischem Flugpostpapier unmissverständlich festgehalten ist: «Der Grosse Panda ist ein seltenes, einheimisches Tier unseres Landes, das wir nicht verkaufen können», schreibt der Pekinger Zoo im April 1979. Und beerdigt damit auch den zweiten Versuch des Basler Zollis, sich ein Exemplar des Schwarz-weissen Publikumsmagneten zu sichern.

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