Uni Basel
Die Uni Basel lockt im Bologna-Wettbewerb mit Spezialstudiengängen

Die Philosophisch-Historische Fakultät bietet ab dem Herbstsemester 2012 drei neue Masterstudiengänge an. Sie zeugen von zunehmender Spezialisierung der Universitäten. und einem «Wettbewerb mit anderen Universitäten».

Sebastian Moos
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Neue Studiengänge der Philosophisch-Historischen Fakultät: «Literaturwissenschaft», «Kunstgeschichte und Bildtheorie» sowie «Europäische Geschichte».

Neue Studiengänge der Philosophisch-Historischen Fakultät: «Literaturwissenschaft», «Kunstgeschichte und Bildtheorie» sowie «Europäische Geschichte».

Keystone

«Die Fakultäten sind seit der Bolognareform daran, ihre Studiengänge neu zu formieren», erklärt Ulrich Vischer, Präsident des Universitätsrats der Uni Basel. So wird die Philosophisch-Historische Fakultät um drei Masterstudiengänge reicher: Der Universitätsrat hat genehmigt, auf das Herbstsemester 2012 die Studiengänge «Literaturwissenschaft», «Kunstgeschichte und Bildtheorie» sowie «Europäische Geschichte» anzubieten.

Laut Henriette Harich, als Studiendekanin der Fakultät massgeblich an der Ausarbeitung der neuen Studiengänge beteiligt, will die Fakultät ihr Angebot im Rahmen einer breiten Umstellung anpassen, die Masterstudiengänge sollen vermehrt von den Bachelorstudiengängen unabhängig gestaltet werden.

Das Interesse für die neuen Studiengänge sei sehr lebendig. Es brauche aber immer zwei bis drei Jahre, bis sich ein Studiengang etabliere. «Wir sind jedoch durchaus optimistisch, die Erwartungen sind gross.» Zu Beginn rechnet sie mit circa 20 bis 30 Studenten.

Studierende nach Basel locken

Laut Harich wolle die Fakultät Masterstudiengänge etablieren, «für die man nach Basel geht». Die Rede ist von sogenannten Alleinstellungsmerkmalen, sehr spezifisch ausgerichtete Studiengänge, die es so an keiner anderen Schweizer Universität gibt und für die Studenten eigens nach Basel kommen. Harich will dabei die klassischen Phil.-I-Fächer nicht vernachlässigt wissen. «Fächer wie Geschichte, Ethnologie oder Philosophie bilden den Grundstock aller philosophisch-historischen Fächer.»

Grösste Basler Fakultät

Die Philosophisch-Historische Fakultät setzt sich aus den Departementen Altertumswissenschaften, Geschichte, Gesellschaftswissenschaften, Kunstwissenschaften, Philosophie und Medienwissenschaft sowie Sprach- und Literaturwissenschaften zusammen. Sie ist die grösste unter den sieben Fakultäten der Universität Basel. Im Herbstsemester 2011 hatten sich rund 5000 Studierende eingeschrieben. Knapp 1000 folgen einem der derzeit 44 Masterstudiengänge und -fächer. (SMO)

Bestehende Studiengänge durch die neuen zu ersetzen stünde also «nicht prioritär im Raum», vorerst gelte es, zu beobachten, wie sich die neuen Studiengänge entwickelten. Neue Professuren wurden daher bis jetzt nicht geschaffen. Laut Harich «stellt sich aber schon die Frage, ob wir Professuren gewinnen wollen, die sich auf diese Studiengänge ausrichten». Weitere neue Studiengängen könnten an der Philosophisch-Historischen Fakultät hinzukommen. «Wir haben mit drei neuen Masterstudiengängen einen wichtigen Schritt gesetzt, andere sind in Diskussion», präzisiert Harich. In Planung sind zum Beispiel Masterstudiengänge in den Sozial- und Gesellschaftswissenschaften oder in angewandter Ethik.

Laut Universitätsratspräsident Vischer habe der Unirat aber die Fakultäten angewiesen, «nicht zu überborden» mit neuen Studiengängen. Die Abschlüsse müssten immer dazu dienen, dass die Studenten etwas damit anfangen können.

Spezialisieren für den Wettbewerb

Die neuen Studiengänge bestätigen die Tendenz, dass gerade Masterstudiengänge immer spezifischer werden. «Jede Uni kann andere Akzente setzen mit Alleinstellungsmerkmalen», erklärt Harich. Die Universitäten kämpfen um die Studenten, wollen sie an ihre Fakultäten locken. Harich: «Das Kompetitive nimmt generell zu.» Sebastian Gartner, Vorstand der Studierendenvertretung Skuba, sieht eine Tendenz hin zu immer spezifischeren Studiengängen. Also nicht mehr einfach Geschichte, sondern zum Beispiel Europäische Geschichte.

«Und dass eben nur noch diejenigen Studienfächer und -gänge überleben werden, die zu den strategischen Schwerpunkten passen und ‹rentabel› in Bezug auf Arbeitsmarktfähigkeit und Anzahl der Studierenden sind.» Die Vielfalt und Identität der einzelnen Fächer dürfe dabei nicht untergehen, fordert er. «Es muss ein breites Bildungsangebot hier vor Ort sichergestellt sein.»

Skuba kritisiert Wettbewerb

Die drei neuen Masterstudiengänge an der Philosophisch-Historischen Fakultät sieht Gartner «im Licht strategischer Planungen». Die Universität verfolge die Strategie mit Alleinstellungsmerkmalen, damit sie sich im «Wettbewerb mit anderen Universitäten» behaupten könne. «Diesen ‹Wettbewerb› aber muss man meiner Meinung nach grundlegend infrage stellen.» Die Universität habe die Aufgabe, Wissen zutage zu fördern und auf diese Weise den Menschen zu dienen und nicht dem Wettbewerb.

Die Skuba begrüsse aber, dass das Studienangebot auf Masterebene ausgebaut wird. An der Philosophisch-Historischen Fakultät brauche es allerdings keine weiteren Umstrukturierungen mehr.