Corona-Virus
Die Schule kommt ins Wohnzimmer

Mindestens bis nach den Frühlingsferien bleiben die Basler Schulen geschlossen, der Unterricht wird fortgeführt. Doch das «Distance Learning» ist mit vielen Herausforderungen verbunden.

Samanta Siegfried
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Mehrere Meter Abstand: Medienkonferenzen in Corona-Zeiten.

Mehrere Meter Abstand: Medienkonferenzen in Corona-Zeiten.

Nicole Nars-Zimmer

Rund 200 Kinder sind am Montag, Tag eins der Schulschliessung, im Kanton Basel-Stadt noch in die Schule gekommen. Mittlerweile sei es nur noch ein Bruchteil davon, die meisten Eltern hätten bereits ein Betreuungsangebot gefunden. Das sagte Regierungsrat Conradin Cramer (LDP) an der gestrigen Medienkonferenz des Erziehungsdepartements Basel-Stadt auf die Frage, wie es weitergehe mit dem Schulbetrieb im Kanton.

Seit vier Tagen sind die Schulen geschlossen. Die früheste Wiedereröffnung ist für den 19. April, am Tag nach den Frühlingsferien, geplant. Damit der Unterricht in der Zwischenzeit dennoch fortgeführt werden kann, setze man auf «Distance Learning», also Lernen auf Distanz. Für die oberen Stufen bedeutet das vor allem digitales Lernen, etwa mit Online-Programmen oder Live-Streaming-Plattformen.

Lehrabschlussprüfungen finden statt

«Es haben sich schon ganze Klassenzimmer vor einem Bildschirm versammelt», sagte Dieter Baur, Leiter der Volksschulen des Stadtkantons. Manche Lehrpersonen übermitteln die Aufgaben telefonisch, schicken das Unterrichtsmaterial nach Hause oder bringen es vorbei. «Eine Kindergärtnerin hat zum Beispiel Bastelmaterial in die Briefkästen der Familien gelegt», so Baur. Neue Formen und Ideen würden laufend entwickelt.

«Unsere Lehrpersonen arbeiten gerade auf Hochtouren daran, kreative Lösungen zu finden», sagte Regierungsrat Cramer und betonte wiederholt, dass sich die Schulschliessung nicht negativ auf die Schülerinnen und Schüler auswirken dürfe. «Es darf keine Bildungsverlierer geben.» Zwar verzichte man bis zu den Frühlingsferien auf Noten und Prüfungen. Sollte der Schulbetrieb jedoch darüber hinaus eingestellt bleiben, und das sei zu erwarten, würden Prüfungsmöglichkeiten gesucht, damit es zu keinem verlorenen Jahr komme. Der Bund arbeite derzeit an einer einheitlichen Lösung. Ausnahmen gibt es derzeit in den Berufsschulen. Die bevorstehenden Lehrabschlussprüfungen sollen durchgeführt werden, betonte der Leiter der Mittelschulen und der Berufsbildung, Ueli Maier, zum Beispiel in leeren Schulen oder online.

«Niemand ist auf dauerhaftes ‹Distance Learning› eingestellt»

«Viele Lernende stehen vor der Frage, ob es ihren Betrieb in Zukunft überhaupt noch geben wird», so Maier. Unterstützung erhalten betroffene Lehrbetriebe derzeit aus dem Krisenfonds des Kantons, der um fünf Millionen Franken aufgestockt werden soll.

Es fehlt der soziale Austausch, es fehlt der Schulweg und es fehlt die Schule als Integrationsort.

(Quelle: Conradin Cramer, Erziehungsdirektor Basel-Stadt)

Ueli Maier resümiert: «Niemand, weder Lehrpersonen, noch Eltern, noch Kinder, sind auf einen dauerhaften ‹Distance Learning›-Prozess eingerichtet.» Das sieht auch Erziehungsdirektor Cramer so: «Es ist nicht das Gleiche. Es fehlt der soziale Austausch, es fehlt der Schulweg, es fehlt die Schule als Integrationsort schlechthin.»

Besonders gefordert sind bildungsferne Familien

Eine besondere Herausforderung bleiben Kinder aus sogenannten bildungsfernen Familien. «Es hat eine komplizierte Situation noch komplizierter gemacht», betont Cramer. Lehrpersonen würden die betroffenen Familien jedoch eng betreuen und die Schulsozialarbeiter seien für die Kinder und Jugendlichen weiterhin im Einsatz. Dasselbe gelte für Schülerinnen und Schüler, die spezielle Betreuung bedürften.

Gefordert sei jedoch ausnahmslos jede Familie. So wie die Eltern, die nun von zu Hause arbeiten, müssten auch die Kinder lernen, ihren Tag selber zu strukturieren. In diesem Sinne schliesst der Erziehungsdirektor mit einem Appell: «Wir alle hoffen, dass die Schulen sobald wie möglich wieder aufmachen können. Deshalb meine Bitte an alle: Haltet euch an die Regeln, damit sich das Virus nicht weiter ausbreiten kann.»

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