Teures Unterfangen
Die Sanierung der MCH Group kommt Basel teuer zu stehen: Bizarre Einblicke in die MCH-Innereien

Nach dem ersten Sanierungsschritt muss Basel-Stadt 5,8 Millionen abschreiben.

Christian Mensch
Merken
Drucken
Teilen
Die börsenrechtlichen Regularien der komplexen Finanztransaktionen sind in einem 270-seitigen Prospekt dargelegt. Darin sind alle möglichen Risiken und Eventualitäten aufgeführt, damit im Nachhinein kein Anleger behaupten kann, er sei über den Zustand der MCH Group getäuscht worden. (Archivbild)

Die börsenrechtlichen Regularien der komplexen Finanztransaktionen sind in einem 270-seitigen Prospekt dargelegt. Darin sind alle möglichen Risiken und Eventualitäten aufgeführt, damit im Nachhinein kein Anleger behaupten kann, er sei über den Zustand der MCH Group getäuscht worden. (Archivbild)

Nicole Nars-Zimmer

Die Sanierung der MCH Group ist für Basel-Stadt ein teures Unterfangen. Nach der mittlerweile abgeschlossenen, ersten Runde der zweistufigen Kapitalerhöhung lässt sich dieser etwas klarer beziffern: So konnte das bestehende Darlehen von 30 Millionen Franken zu gut 24,2 Millionen Franken in Aktien umgewandelt werden. Die restliche Summe – immerhin 5,8 Millionen Franken – soll abgeschrieben und damit in der Staatskasse als Verlust verbucht werden. Kurzfristig hält Basel-Stadt damit 45,34 Prozent des Aktienkapitals.

Die zweite Runde soll 68,6 Millionen Franken frisches Kapital dem Messekonzern zuführen. Zusammen mit städtischen Abschreiber ergeben sich damit ursprünglich anvisierten 74,5 Millionen Franken. Der durch die Zürcher Kantonalbank organisierte Aktienverkauf startet am Mittwoch und dauert bis zum 18. Dezember. Am 22. Dezember sollte die genaue Zusammensetzung des neuen Aktionariats feststehen – und damit auch, wie hoch der Anteil des neuen Ankeraktionärs James Murdoch sein wird.

270-seitiger Prospekt legt Regularien dar

Die börsenrechtlichen Regularien der komplexen Finanztransaktionen sind in einem 270-seitigen Prospekt dargelegt. Darin sind alle möglichen Risiken und Eventualitäten aufgeführt, damit im Nachhinein kein Anleger behaupten kann, er sei über den Zustand der MCH Group getäuscht worden.

Ersichtlich ist daraus, dass die Covid-19-Pandemie bisher zur Absage von 17 Messen geführt hat, wobei nur gerade zwei um ein Jahr verschoben werden konnten. Die Absagen werden voraussichtlich zu Mindererträgen zwischen 230 und 270 Millionen Franken führen. Um über genügend liquide Mittel zu verfügen, bedient sich die Messe spezifischer Covid-Kredite. Die Schweiz sichert dabei 1,5 Millionen Franken ab, die USA gleich 6,3 Millionen Dollar. In Deutschland nahm die MCH Group Covid-Kredite für 750'000 Euro und in England für 900'000 Pfund auf.

Brand verursachte Schaden von 14 Millionen Franken

Der Prospekt enthält auch Informationen, die sonst nicht den Weg an die Öffentlichkeit fänden. Dazu zählt die Tatsache, dass die MCH Group Material in Lagerhallen in Laufen gelagert hatte, das im Juli einem Grossbrand zum Opfer fiel. Der Schaden, wie er bei der Versicherung angemeldet worden ist, beträgt 14,3 Millionen Franken.

Ein möglicher Schadensfall zeichnet sich auch in Zürich ab. Die MCH baute nahe beim Messezentrum auf gemietetem Gelände ein Autoparking und verpflichtete sich zu einem vollständigen Rückbau. Nun hat sich gezeigt, dass «potentiell gefährliches Material» eingesetzt wurde, das beim Abriss wohl zu «extensiven» Reinigungsarbeiten und Kosten führen werde.