Solodebüt

Die Rückkehr eines Tüftlers: Jakob K. präsentiert «Your Great Imagination»

Seine Grundidee sei gewesen, eine Platte zu produzieren, welche ihn als Jugendlichen in den frühen 1970er-Jahren selbst berührt und begeistert hätte.

Seine Grundidee sei gewesen, eine Platte zu produzieren, welche ihn als Jugendlichen in den frühen 1970er-Jahren selbst berührt und begeistert hätte.

Nach dem Ende seiner Band Popmonster hatte Jakob Künzel mit der Musik abgeschlossen. Jetzt legt der Basler sein Solodebüt vor.

Wer um die Jahrtausendwende das Glück hatte, ein Konzert von Popmonster mitzuverfolgen, bekam nicht nur vielschichtige Songs und einprägsame Melodien, sondern auch eine Band mit dem gewissen Etwas zu hören. Doch 2006 brach das Trio aus Nadia Leonti, Dino Tereh und Jakob Künzel auseinander – ohne den Durchbruch geschafft zu haben.

«Nach 25 Jahren Rockmusik mit über 1000 Live-Auftritten und dem damit verbundenen ständigen Überlebenskampf hatte ich ein massives Burnout», erinnert sich Künzel. Mit der Folge, dass sich das frühere Mitglied von Lazy Poker lange Zeit nicht mehr vorstellen konnte, nochmals Musik zu kreieren.
Im Popbusiness sind 13 Jahre eine halbe Ewigkeit. Eine solche hat Künzel in Anspruch genommen, um sich jetzt unter dem Namen Jakob K. und dem Album «Your Great Imagination» zurückzumelden. Dass er damit zugleich sein Solodebüt gibt, war nicht geplant. Dieser Schritt sei eher eine Art Notwehr gewesen, so der Musiker. «Ich konnte keine geeignete Band finden.» Seine Grundidee sei es gewesen, eine Platte zu produzieren, welche ihn als Jugendlichen in den frühen 1970er-Jahren selbst berührt und begeistert hätte.

Das Albumcover «Your Great Imagination» von Jakob Künzel.

Das Albumcover «Your Great Imagination» von Jakob Künzel.

Zehn Lieder geprägt von Neugier und Spielfreude

Diese Vorgabe sei nicht etwa aus nostalgischen Gründen erfolgt, sondern hatte anderes zum Ziel. «Das Ansinnen half mir dabei, zu meiner ursprünglichen Musikbegeisterung zurückzufinden und mich gleichzeitig nicht in den vielen musikalischen und technischen Möglichkeiten zu verlieren, die mir mittlerweile zur Verfügung stehen.»

Das Ergebnis sind zehn Lieder, die sich von Neugier, der Lust am Tüfteln und einer wieder gewonnenen Spielfreude geprägt zeigen. Das vielleicht offensichtlichste Beispiel dafür ist «Wuthering Heights», ein Kate-Bush-Cover. Obschon er die Vorlage für einen fantastischen Popsong halte, sei ihm persönlich das Original viel zu pathetisch und irgendwie auch zu hysterisch. Weshalb er sich auf Anraten seiner früheren Bandgefährtin Nadia Leonti, die bei «My Great Imagination» als Co-Produzentin, Sängerin und Multi-Instrumentalistin mitwirkt, selbst an der bekannten Nummer versucht habe. Durchaus mit Erfolg: Künzels Version entpuppt sich als trockener und doch betont lustvoller Country-Pop-Song mit keckem Trompetensolo.

Auch die weiteren Tracks, wie der melancholische Opener «Grape», der von Spaziergängen im Park und Gesprächen mit Bäumen erzählt, das eingängige «Something» oder das von Reggae-Rhythmen infizierte Genesis-Cover «Dancing With The Moonlit Knight» wissen zu gefallen. Und das nicht zuletzt mit feinem Timing, durchdachten Arrangements und schier perfektem Popverständnis.

Künzel agiert auf «Your Great Imagination» auch als Produzent, Multiinstrumentalist und Sänger. Seine heisere Stimme mag nicht mit absoluter Durchschlagskraft gesegnet sein, dafür mit viel Gespür und der gebotenen Abgeklärtheit. Letztere nutzt Künzel bei Bedarf auch dazu, sich die passende Unterstützung zu holen – etwa in Form der Lovebugs-Rhythmussektion. Das alles mündet in 34 Minuten Musik, die sich als reif und ergreifend präsentiert – und das durchgängig. Viel mehr noch: Mit dem Album ist Jakob Künzel das Schweizer Comeback des Jahres gelungen.

Jakob K.: «Your Great Imagination»

Sireena Records/Irascible

www.jakob-k-music.com

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1