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Die Lösung für den Basler Klimastreik: Brave Demonstranten dürfen nachsitzen

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Demonstranten des Klimastreiks auf der Mittleren Brücke in Basel.

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Nach dem Hin und Her über die Absenzen beim Schulunterricht wegen der Teilnahme am Klimastreik legt das Basler Erziehungsdepartement eine Lösung dar: Streikende dürfen in Absprache mit dem Lehrer streiken. Dafür müssen sie nachsitzen.

Die Schweizer Klimastreiks bewegen die Schülerinnen und Schüler des Landes. In Basel gingen vor Kurzem erneut Tausende Demonstranten auf die Strasse, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Nur: Einige der Streiks fanden während der Unterrichtszeit statt, Schüler schwänzten die Schule.

Das stellte das Klimastreikphänomen und die Erziehungsdirektionen vor ein Problem: Wie ist mit den dem Unterricht fernbleibenden Schülern umzugehen? In Basel hat sich das Erziehungsdepartement (ED) nun eine Lösung abgerungen. Schüler dürfen dem Unterricht fehlen, wenn sie streiken wollen – allerdings in Absprache mit dem Lehrer. Dafür müssen sie nachsitzen. Und an Prüfung darf nicht gefehlt werden.

Sogar der Unterricht darf verschoben werden

Die Situation ist paradox. Zum einen handelt es sich um einen Streik, also die Niederlegung einer regulierten Tätigkeit als Kampfhandlung für eine übergeordnete Sache. Zum andern wird nun quasi die Erlaubnis zum Streik erteilt. Dabei geht das ED sogar ziemlich weit: Es erlaubt sogar eine Verschiebung des Unterrichts, «falls die Lehrperson oder allenfalls die Schule eine kostenneutrale Ersatzunterrichtszeit einrichtet, die Vereinbarung von allen Beteiligten beziehungsweise der ganzen Klasse getragen wird und die beteiligte Lehrperson sowie die Schulleitung dieser zustimmt.» Dazu muss die Verschiebung vorgängig und rechtzeitig vereinbart werden.

Statt «Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll» heisst es nun «Kein Fleisch, kein Auto, keine Flugreisen», schrieb diese Zeitung vor Kurzem. Es handle sich um eine der grössten Jugendbewegungen der vergangenen Jahrzehnte. Die Basler Regelung segnet dies nun ab. Wer sich anständig zum Streik abmeldet und das Nachsitzen absolviert, dem drohen beim Einhalten der Regelung keine weiteren disziplinarischen Folgen. Gibt die Lehrperson grünes Licht, darf demonstriert werden.

Klimastreiker stimmen ab, ob sie damit zufrieden sind

Das ED nennt die Lösung «pragmatisch». Dies könne laut der Mitteilung dazu beitragen, den Unterricht bestmöglich zu gewährleisten. Gleichzeitig könnten Schülerinnen und Schüler eine Häufung von unbegründeten Absenzen allenfalls vermeiden. Für Schüler der Volksschule gilt zusätzlich, dass die Eltern vorgängig schriftlich bestätigen müssen, «dass für ihr Kind für die Zeit, in der es allenfalls nicht am Unterricht teilnehmen wird, die Blockzeitenregelung aufgehoben ist und die Eltern die Betreuungspflicht übernehmen.»

Die Organisatoren des Klimastreik Basel nehmen die Mitteilung mit Genugtuung zur Kenntnis. Sie freuen sich, dass sich das ED stark an deren Vorschlag zur Regelung der Absenzen orientiert habe. Das Organisationskomitee werde aber aufgrund der zeitlichen Knappheit, mit der die Mitteilung erfolgte, erst einmal beraten und tags darauf abstimmen müssen, ob ihm der Vorschlag aus dem Haus von Erziehungsdirektor Conradin Cramer (LDP) entgegenkomme.

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