Artistik
Die Kinder des Quartier Circus Bruederholz verabschieden ihr geliebtes «Stärnlizält»

Das «Stärnlizält» des Quartier Circus' Bruederholz feiert heuer nach 28 Jahren sein letztes Dienstjahr. Das neue Zelt muss modernen Standards entsprechen und diverse Auflagen erfüllen.

Delphine Conzelmann
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Das langjährige Zirkuszelt ist dieses Jahr zum letzten Mal im Einsatz.

Das langjährige Zirkuszelt ist dieses Jahr zum letzten Mal im Einsatz.

Tobin Meyers;Tobin Meyers/zVg;

Wer im Sommer an der Wiese beim Wasserturm vorbeigeht, wird Jahr für Jahr vom selben Bild begrüsst: Das blau-weisse «Stärnlizält» des Quartier Circus Bruederholz (QCB) ist in den vergangenen 28 Jahren zu einem Markenzeichen geworden. Ein Symbol für die Verwirklichung von Kinderträumen.

Mit dem Zelt hat nämlich bereits 1978 alles begonnen. Im Garten der Familie Steiner, deren drei Söhne sich danach sehnten, ihre Kunststücke einmal auf der grossen Bühne präsentieren zu können. In ihren ersten Artistenjahren mussten sie allerdings vorliebnehmen mit dem heimischen Rasen und dem Applaus der Nachbarn. Doch ihre Begeisterung war ansteckend, sowohl für ihr Publikum als auch für ihre Gspänli, die den Spass am Jonglieren und Turnen schnell entdeckten.

Aus dem Familienplausch wurde ein Zirkus, der erst im ganzen Quartier, und bald in der ganzen Stadt eine beliebte Sommerattraktion wurde. Treibende Kraft waren dabei immer die Jugendlichen selbst, die jeden Sommer ein selbstgeschriebenes Programm präsentierten, das sie ohne die Hilfe professioneller Trainer einstudierten. Eintritt frei, Beitrag freiwillig und keine Sponsoren: So haben sich die jungen Artisten bis 1989 das Geld für ein eigenes Chapiteau zusammengespart. Damals habe keiner so richtig gewusst, wie das Zelt aussehen soll, erzählt QCB-Präsident Michael Grieder. «Die Farbe blau ist sicher gut, und Sternchen sind auch nicht schlecht», hat man sich spontan geeinigt. Improvisation gehört im Zirkusgeschäft dazu. Genauso aber auch die Planung.

Mit Hammer und Muskelkraft

Vor drei Jahren hat der Verein begonnen, sich um einen Nachfolger für das geliebte Stärnlizält zu kümmern. Dieses Jahr feiert es sein letztes Dienstjahr. In den vergangenen Jahrzehnten war es Herberge für Artisten aus der ganzen Welt. 1995 und 2001 hat der QCB diverse europäische Gast-Zirkusse zum Jugendzirkus-Festival unter seine Kuppel eingeladen. Vor allem aber haben die Kinder ihre eigenen Welten auf ihrer Bühne zum Leben erweckt: Sie sind durch Galaxien gereist, haben sich eine eigene Stadt erschaffen, waren mal die grossen Gestalten der Weltgeschichte, und dann wieder Figuren aus einem Märchenland.

Wie die jährlichen Programme war auch der Aufbau des Zelts stets ein Gemeinschaftsprojekt, bei dem die Kinder und ihre Eltern einen Tag lang mit Hammer und Muskelkraft ans Werk mussten. «Einmal haben allerdings eine Handvoll Ehemalige die Initiative ergriffen. Als alle sich an das Aufbauen machen wollten, wurden sie vom bereits stehenden Zelt überrascht», berichtet Grieder. Während sich nur wenige Hände um das Aufstellen kümmern können, ist die Reinigung der blau-weissen Zeltblachen eine aufwendigere Angelegenheit: In den 30 Jahren, in denen es das Stärnlizelt schon gibt, wurde es lediglich zwei Mal von oben bis unten geputzt.

Die vielen Jahre, die es auf dem Buckel hat, sieht man ihm dennoch kaum an. Dabei ist das Zelt mittlerweile offiziell ein «Oldtimer», zumindest für die Feuerpolizei. Grieder erklärt: «Zur Zeit, als wir das Zelt gekauft haben, gab es noch kein Baubuch dafür. Die jährliche Sicherheitskontrolle erfolgt also, wie bei einem alten Auto, mit einer Spezialinspektion.» Eine Gebrauchsanweisung gibt es nicht. Wie die artistischen Künste wurden auch die Geheimnisse des Zeltbaus von Generation zu Generation weitergegeben.

Die Sterne bleiben

Das wird sich im nächsten Jahr ändern. Das neue Zelt des QCB muss modernen Standards entsprechen und diverse Auflagen erfüllen. Das erleichtert zwar den Aufbau, macht den Kauf aber auch zu einer teureren Angelegenheit, als noch vor 30 Jahren. Die neue Bleibe des Kinderzirkus, der geografisch auf der Grenze zwischen Stadt und Land steht und dessen Artisten auch fast zur Hälfte aus dem Baselbiet kommen, wird deshalb unter anderem die Lotteriefonds beider Basel mitfinanziert.

Dank dieser Unterstützung und den Einnahmen aus den vergangenen Jahrzehnten wird das neue Zelt bereits nächstes Jahr, pünktlich zum 40sten QCB-Jubiläum auf der Wasserturmwiese stehen können. Vom alten Stärnlizält bleiben nicht nur die Erinnerungen und Geschichten, die darin erlebt wurden. Die typischen blau-weissen Streifen, und natürlich die Sterne selbst, werden auch das neue Zelt zieren, sodass die jungen Artisten weiterhin unter ihrem Zirkushimmel auftreten können. Der Abschied wird also nicht zu schmerzlich: Feiern tun ihn die 50 Artisten dieses Jahr mit dem Programm «Interdimensional», einer künstlerischen Reise durch Zeit und Raum, das heute Premiere hat.

Die genauen Vorstellungsdaten finden Sie unter www.qcb.ch.

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