Saint-Louis
Die Grenze ist wegen Feiertag geschlossen – Chauffeure sind verärgert

Am Donnerstag war der Tag der deutschen Einheit, an welchem das nördliche Nachbarland die die Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland feiert. Deutschland schloss aufgrund des Feiertages die Grenzen für Lastwagen – zum Ärger der Chauffeure.

Jeremias Schulthess
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Auf dem Weg nach Belgien: Lastwagen-Fahrer René Hengeveld.

Auf dem Weg nach Belgien: Lastwagen-Fahrer René Hengeveld.

Nicole Nars-Zimmer

Es ist ein strahlender Nachmittag. Eigentlich der perfekte Moment zum Ausspannen und die Sonne geniessen. Es herrscht jedoch hektische Stimmung auf dem Lastwagen-Warteplatz des Grenzübergangs Saint-Louis. Bei den Fahrern der 40-Tonnen-Kolosse ist keine Spur von Innehalten bemerkbar. Für sie ist das lange Warten keine Erholung, vielmehr mühseliges Ärgernis.

Am Donnerstag dürfen sie in Deutschland nicht über die Strassen rollen. Es ist offizieller Feiertag – Tag der Deutschen Einheit. Die deutsche Zollbehörde fertigt keine Lastwagen in Richtung Deutschland ab. Viele Lastwagen-Fahrer weichen auf französische Strassen aus, der Zollübergang Saint-Louis ist aus diesem Grund völlig überlastet.

Tag der Deutschen Einheit

Am 3. Oktober begehen unsere deutschen Nachbarn ihren Nationalfeiertag. Die Feier geht auf den Einigungsvertrag von 1990 zurück, bei dem Ost- und Westdeutschland wiedervereinigt wurden. Nicht zu verwechseln ist der Tag mit der Erinnerung an den Mauerfall. Dieser symbolträchtige Akt fand am 9. November 1989 statt und ging nicht als offizieller Feiertag in die Geschichtsbücher ein. Die baden-württembergische Regierung ist dieses Jahr Gastgeberin der Nationalfeier. Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsiden Joachim Gauck feierten deshalb gestern in Stuttgart mit Besuchern aus ganz Deutschland. (jrs)

Unverständnis für Nationalfeier

Der niederländische Lastwagenfahrer René Hengeveld, sitzt gelangweilt in seiner Führerkabine. «Ein Feiertag mitten in der Woche ist sowieso Scheisse», grummelt er mit holländischem Akzent.

«Ich habe jetzt Glück, dass ich hier in Basel geladen habe und nicht etwa in Graubünden», fügt er an. Er ist auf dem Weg nach Belgien und kann deshalb problemlos über Frankreich ausweichen. Wenn er von der Ostschweiz aus fahren würde, könnte er hingegen nicht den gewohnten Weg über Kreuzlingen/Konstanz fahren.

Ein anderer Fahrer, der nicht namentlich genannt werden möchte, schimpft ebenfalls über die Zwangspause. «Diese Scheiss-Feiertage machen die ganze Woche kaputt! Die Ökonomie leidet und jetzt macht man auch noch Sonntage mitten in der Woche», meint er.

In Germersheim, nahe Karlsruhe, muss er umsatteln. Das geht heute offiziell nicht, aber er will es trotzdem versuchen. Er suche sich eine «kleine Grenze», wo er ungesehen passieren kann. Dann seien es nur noch ein paar Kilometer bis zu seinem Ziel.

Für seine zusätzlichen Mühen kriege er «nicht mal Trinkgeld», scherzt er zum Abschied.

Warten oder Ausweichen

Es ist nicht das erste Mal, dass Feiertage zu Staus und Komplikationen führen. So waren auch die französischen und Schweizer Zollbeamten auf den deutschen Nationalfeiertag vorbereitet. Bereits weit vor der Grenze standen gestern Beschilderungen, die auf die Situation hinwiesen.

Die Lastwagen-Chauffeure hatten dann die Qual der Wahl. Entweder sie standen Rest des Tages auf einem Warteplatz der Grenzübergänge, oder sie versuchten, den deutschen Strassen auszuweichen. Die Folge der Ausweichler war dann, dass die übrigen Übergänge überlastetet waren.

Patrick Gantenbein, Mediensprecher der Zollkreisdirektion Basel, betont die «Rushhour»-Problematik: «Die Überlagerung mit dem Lastwagen-Verkehr ist insbesondere dann problematisch, wenn die meisten Pendler morgens zur Arbeit fahren. Am Abend verteilt sich der Verkehr dann etwas, da nicht alle gleichzeitig Feierabend machen.»

Insgesamt sind es rund 152 000 Personen, die im Raum Basel jeden Tag die Grenze in Richtung Schweiz überqueren. Allein 75 000 davon sind Pendler, die täglich in die Schweiz und wieder zurückfahren. Zum Vergleich die Zahlen der Lastwagen: Durchschnittlich rollen 8 300 Lastwagen pro Tag über die Grenzen der Nordwestschweiz.

Da ist es nicht verwunderlich, dass es bei dem zusätzlichen Lastwagen-Aufkommen zu längeren Wartezeiten kam. So gab es gestern am Grenzübergang Saint-Louis Staus von bis zu 15 Kilometer Länge.

«Zum Glück nicht viele solche Tage»

Viele Halterfirmen wussten über den Tag der Deutschen Einheit Bescheid und informierten ihre Lastwagen-Führer rechtzeitig darüber. Dennoch gab es Fahrer, die davon nicht in Kenntnis gesetzt worden waren.

Für die beteiligten Verkehrsteilnehmer bedeutete der gestrige Tag ein ärgerliches Warten. Sie konnten den Tag nicht wie ihre deutschen Nachbarn festlich geniessen.

Auch inhaltlich werden sich die wenigsten mit dem historischen Tag auseinandergesetzt haben. Zum aussergewöhnlichen Tag meint Gantenbein aus Sicht der Zollbehörde: «Zum Glück haben wir nicht so viele davon.»

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