Dürfen wir vorstellen: Die hier von alten Akten erschlagen zu werden droht, heisst Sushma Prasad. Sie ist stellvertretende Beamtin im Kabinett-Sekretariat des indischen Bundesstaats Bihar und auf diesem Bild 42 Jahre alt. Man habe sie aus Gründen des Mitgefühls eingestellt, nachdem ihr Mann, der in dieser Abteilung arbeitete, 1997 verstorben war. Ihr monatliches Gehalt beläuft sich auf 5000 Rupien, was heutzutage 72 Franken entspricht. Festgehalten wurde diese Begegnung bereits 2004.

«Bureaucratics» heisst die Serie des holländischen Fotografen Jan Banning. Er bereiste dafür acht Länder in fünf Kontinenten und suchte hunderte Beamte auf, unangekündigt. Seine Absicht war es, diese auf unverfälschte Weise festzuhalten, wie uns Joris Montens erläutert. Er zeigt vier dieser grossformatigen, quadratischen Fotos am Stand der Amsterdamer Galerie Fontana. Jede Edition umfasst 15 Exemplare, Preis pro Bild: 7500 Euro. Echte Eyecatcher.

Perspektive des Bittstellers

Der Hintergrund der Serie war durchaus ernsthafter Art, erklärt Montens. Banning ging es um die Macht, die die Menschen in diesen Büros haben. Da steckt aber noch mehr drin: Verlorenheit, Langeweile, Armut. Und ja, manchen dieser Konfrontationen haftet etwas Skurriles, Komisches an. Vielleicht, weil die Porträtierten nicht damit rechneten, so gross herauszukommen.

Denn Banning, Historiker und Fotograf, reiste nicht allein, sondern mit einem Journalisten. Dieser führte Interviews. Dass es eigentlich ums Bild ging, verschwiegen sie, um zu vermeiden, dass sich die Leute inszenierten oder ihre Büros aufräumten. Damit vermochte Banning die Authentizität zu wahren und die Perspektive des Bürobesuchers, des Bittstellers einzunehmen.

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Photo Basel 12. bis 17. Juni, jeweils 12-20 Uhr, Volkshaus, Basel.