Vernissage
Die erste integrale Biografie über den Galeristen Ernst Beyeler

Esther Keller hat die erste, ausführliche Biografie über den Galeristen, Kunsthändler und Museumsgründer Ernst Beyeler verfasst. Auf 240 Seiten beschreibt sie sein Leben von der Wiege bis zum Grab.

Simon Baur
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Buchvernissage: Autorin Esther Keller stellt die Biografie «Ernst Beyeler. Von Kunstbewegt» vor in der Fondation Beyeler.

Buchvernissage: Autorin Esther Keller stellt die Biografie «Ernst Beyeler. Von Kunstbewegt» vor in der Fondation Beyeler.

Kenneth Nars

Endlich ist sie da, die erste, sozusagen integrale Biografie über den Galeristen Ernst Beyeler. Ohne Zweifel eine Parforceleistung, die Esther Keller da entwickelt hat und man versteht nicht, dass mancher skeptisch war, das sie in ihrem Alter sich so eine Aufgabe zumutete. Annemarie Monteil, die Old Lady der Schweizer Kunstkritik, die zum näheren Freundeskreis des Galeristen gehörte, hätte es wohl ähnlich gemacht: Fundiert, umfassend, wohlwollend, anekdotisch.

Beyeler forever?

Auf 240 Seiten und in 25 Kapiteln beschreibt Esther Keller Ernst Beyelers Leben von der Wiege bis zum Grab, konsultierte Hunderte von Dokumenten und Archivalien und befragte zahlreiche Personen, die mit Ernst Beyeler freundschaftlich oder beruflich verbunden waren. Claudia Neugebauer, die langjährige Galeriemitarbeiterin, war Mentorin von Esther Keller und so erstaunt es nicht, dass zahlreiche Stimmen fehlen: andere Galeriemitarbeiter und Galeristenkollegen sucht man fast vergebens.

Das Buch ist keine Biografie, wie sie beispielsweise James Lord über Alberto Giacometti verfasst hat, die sich nach wie vor, wie ein Krimi liest. Es ist ein Bilderbuch mit illustrierenden Texten. Vieles kommt vor und macht neugierig: Familiengeschichten, «EB», wie man ihn kurz nannte, mit seinen Ruderkollegen uns seinem Kampf gegen das Atomkraftwerk in Kaiseraugst, seine Bekanntschaft und seine Verhandlungen mit dem Sammler G. David Thompson und die Gründung der Giacometti-Gesellschafts. Aber natürlich auch Beyelers Kontakte mit Künstlern, die Gründung der Art Basel und schliesslich die vielen Highlights im Zusammenhang mit der Fondation in Riehen. Leider ist die Gestaltung des Buches konventionell ausgefallen, so grau in grau wie auf dem Umschlag war Ernst Beyeler nie.

Jede Biografie bleibt fragmentarisch. Natürlich war Ernst Beyeler einer der ganz grossen Galeristen und ohne Zweifel sind die bedeutendsten Werke der klassischen Moderne durch seine Hände gegangen. Doch gibt es keine schwarzen Flecken in dieser Biografie? Könnte es sein, dass er alle Dokumente, die ihn einst belasten könnten, noch zu Lebzeiten vernichtete?

Fehlende Geschichten

Die Geschichte um das Bild von Wassily Kandinsky und den Lissitzky-Küppers-Erben wird im Buch zwar marginal behandelt, doch weshalb sucht man die Angelegenheit um das Bild von Pierre Bonnard der Erben Bernheim-Jeune vergeblich? Wäre es möglich, dass es noch mehr solcher Geschichten gibt? Machen wir uns keine Illusionen: Ernst Beyeler war mit allen Wassern gewaschen und das letzte Wort ist mit der Schrift von Esther Keller vermutlich nicht über Beyelers Galerietätigkeit geschrieben.

Wie auch immer, das Buch hat grosse Aufmerksamkeit verdient. Es ist nicht im Verlag HatjeCantz, dem Hausverlag der Fondation Beyeler erschienen. Dort hätte es nahtlos ins Programm gepasst. Es ist ein lokaler Verlag, der sich damit profilieren kann, der vor allem im Bereich religiöser Schriften grosse Erfahrung hat. So kommt es, dass vor allem die positiven und innovativen Aspekte im Buch vorkommen. Ein Porträt über einen revolutionären, ambivalenten, risikoreichen Galeristen, wie es Ernst Beyeler auch war, ist für dieses Verlagshaus einige Schuhnummern zu gross. Trotz allem: Schön, ist das Buch auf dem Markt.

Esther Keller, Ernst Beyeler, Von Kunst bewegt. 240 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Friedrich Reinhardt Verlag, 38 Franken.

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