20. Ausgabe
Die BScene wurde aus der Not geboren – und ist heute unverzichtbar

Am 4. und 5. März findet das Basler Clubfestival BScene bereits zum 20. Mal statt. Die Jubiläums-Ausgabe soll speziell werden – ohne dabei den Grundgedanken zu vernachlässigen. Ein kleiner Blick in die Zukunft und die Vergangenheit des Clubfestivals.

Céline Feller
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20 Jahre BScene
5 Bilder
Bettina Schelker trat an der ersten BScene überhaupt auf.
Der Auftritt der Lombego Surfers im Jahr 2008.
Die Basler Band Wolfcubs bei ihrem Auftritt an der letztjährigen BScene.
Die Vorstandsmitglieder Fabio Gfeller und Jennifer Jans.

20 Jahre BScene

Kenneth Nars

Es ist lustig, eigentlich ist das Festival aus der Not heraus entstanden», sagt Programmleiterin Jennifer Jans und lacht. Diese Not ist 20 Jahre her. Und was damals aus dem Boden gestampft wurde, ist heute einer der Fixpunkte im Basler Kulturkalender: das BScene, das Basler Clubfestival. «Die Gründerväter wollten der Musikszene etwas bieten, weil die Popmusik-Szene nicht wirklich viele Plattformen, kaum Auftrittsmöglichkeiten und nicht so starke Unterstützung von der Stadt hatte.»

Das habe sich mittlerweile geändert. Wie so einiges rund um das Basler Festival. Was anfangs als Momentaufnahme und Unterstützung der Basler Musikszene gedacht war, ist heute ein Grossanlass, der jährlich um die 7000 Besucher anlockt. «Mittlerweile ist es ein Happening, das kann man durchaus so sagen», sagt Jennifer Jans, die auch eines der sieben Vorstandsmitglieder ist.

Lovebugs schliessen Kreis

Bei der Erstausgabe im Jahr 1997, also ein Jahr nach der Vereinsgründung, wurde während zweier Nächten zu 58 Acts getanzt, die verteilt auf die ganze Stadt in Clubs spielten. Clubs wie die Kaserne, das Hirscheneck oder die Kuppel, waren schon damals Teil der BScene und werden es auch in diesem ganz besonderen Jubiläumsjahr wieder sein. «Das wird ganz sicher sehr speziell, und das wollen wir auch feiern», sagt Fabio Gfeller, Medienverantwortlicher des BScene und ebenfalls im Vorstand.

Auch deshalb sind für die diesjährige Ausgabe Acts gebucht worden – normalerweise muss man sich bewerben und von einer sechsköpfigen Jury ausgesucht werden. So ist mit den Lovebugs eine Band dabei, die bei der Erstausgabe ebenfalls schon auf der Bühne stand. «Wir wollten einerseits alles gleich behalten, aber auch zurückblicken können. Deshalb ist es sehr schön, solche Klassiker dabei zu haben», sagt Gfeller.

Neben diesen fast schon nostalgischen Konzerten sollen auch noch alle alten Plakate zusammengesammelt und ausgestellt werden, um an vergangene Ausgaben zu erinnern. Ansonsten jedoch wolle man das System BScene behalten und nicht ändern, auch nicht für diese Jubiläums-Ausgabe. «Das wäre falsch. Denn dieses Grundkonzept, das es seit dem ersten BScene gibt, und das sich zwar immer wieder angepasst hat, vom Gerüst her aber gleich geblieben ist, ist doch auch das, was alle so schätzen», erklärt Jans.

Fabio Gfeller geht sogar noch weiter und sagt: «Diesen Grundgedanken geniesst die ganze Stadt.» Genauso wie den BScene-Groove, der so schwer zu beschreiben sei. «Vielleicht am ehesten mit einem Gefühl von Freiheit. Es gibt ein Riesenprogramm, das so viele Möglichkeiten öffnet. Man kann Musik entdecken, die man nicht kennt, seinen Lieblingen zuhören oder seinen Freunden.»

Doch ganz gleich wie noch 1997 ist das Festival nicht mehr. Das liegt nicht nur an den bis dato 38 Vorstandsmitgliedern, die seit der Vereinsgründung 1996 das Festival immer wieder auf ihre Art beeinflussten. Oder an den neu dazukommenden oder verschwindenden Clubs, sondern auch daran, dass man sich eine gewisse Freiheit und Änderungen vorbehalten hat. «In den ersten zehn Jahren war das BScene abwechslungsweise ein grosser Anlass in verschiedenen Clubs und in den anderen Jahren nur in einem einzigen Club mit viel weniger Acts», erklärt Jans. «Das kann man sich heute kaum mehr vorstellen.»

Offbeat und Öffnung

Nachdem der Erfolg im Jahr 2005 mit über 5000 Besuchern so gross wie noch nie war, entschied man sich, von nun an jedes Jahr eine Vollversion in mehreren Clubs durchzuführen. Der Höhepunkt der quantitativen Ausdehnung war dann die Ausgabe 2011 mit 69 Acts in 15 Clubs und zirka 7000 Besuchern.

Damit die Besucher von den jeweils etwa 60 Acts am besten profitieren können, hat der Vorstand vor drei Jahren das «Offbeat-System» eingeführt: Die Bands spielen nicht mehr alle gleichzeitig, sondern zeitversetzt. «Dies war eine der grösseren Veränderungen der neuen strategischen Ausrichtung», sagt Gfeller. «Eine weitere war die kontinuierliche Öffnung, die ebenfalls in den letzten drei Jahren offiziell hinzukam.» So treten nicht mehr nur Basler Bands – ob nun bekannt oder nicht – auf, sondern auch vereinzelt nationale und internationale.

«Früher war das BScene ein Abbild der Basler Musikszene. Aber unsere Idee mit dieser Öffnung war, dass sich das Lokale, Nationale und Internationale gegenseitig bereichern kann. So gibt es einen Austausch zwischen ganz verschiedenen Szenen», sagt Jennifer Jans, und spricht damit nicht nur den Mix der Genres an. «Und das ist sicher etwas Besonderes.»

Traum von der Rückkehr

Doch trotz allen Veränderungen, klein oder gross, soll der Ursprungsgedanke aus dem Gründungsjahr nie verloren gehen, wie Jans und Gfeller immer wieder betonen. «Es soll nach wie vor eine Unterstützung für die kleinen Basler Bands bleiben. Als das verstehen wir uns nach wie vor. Denn einmal auf dieser Bühne zu stehen ist für eine Basler Band das Ding schlecht hin», sagt Jans, die 2007 selber am BScene auftreten durfte. «Wenn ich irgendwann nicht mehr im Vorstand bin, melde ich mich wieder an, um auftreten zu dürfen, ganz sicher.»

Rekord und Special: 1996 Geborene profitieren

Die 20. Ausgabe des BScene findet am 4. und 5. März statt. Insgesamt haben sich 430 Bands beworben – ein neuer Rekord. Ein wichtiger Teil ist dieses Jahr die Clubpromenade, die sich von der Feldbergstrasse bis zum Hirscheneck erstreckt. «Wir wollten viele Clubs so nahe wie möglich beieinanderhaben, damit die Besucher einfach zwischen den Clubs hin und her wechseln können», sagt Mediensprecher Fabio Gfeller. Insgesamt wird während der BScene 2016 in 11 Clubs auf 12 Bühnen getanzt und gefeiert. Auf die diesjährige Ausgabe dürfen sich alle mit dem Jahrgang 1996 besonders freuen: Käufer mit dem Geburtsjahr der Vereinsgründung können im Rahmen der «Aktion 1996» vergünstigte 1- oder 2-Tagespässe kaufen.

Forschung für Fortschritt

Unter den vor drei Jahren eingeführten strategischen Veränderungen ist eine empirische Forschung, die während des Festivals durchgeführt wird. «Wir wollen wissen, wer unser Publikum ist, ob das Konzept des Wechselns zwischen den verschiedenen Clubs überhaupt funktioniert, und wieso die Leute am BScene sind», erklärt Programmleiterin Jennifer Jans. Diese Daten von 600 bis 1000 Befragten sei eine gute Grundlage für die Weiterentwicklung des Festivals. Die bisherigen Befragungen haben ergeben, dass der grösste Teil der Besucher aus den beiden Basel kommt, aber auch nationale und internationale Gäste darunter sind. Der Altersdurchschnitt liegt bei 20 bis 23 Jahren, die meisten besuchen zwei bis drei Clubs.

Beliebte Basler Beats

Seit acht Jahren gibt es das Grand Beatbox Battle an der BScene, das dieses Jahr am Freitag und Samstag jeweils um 21.30 Uhr im grossen Saal des Volkshauses stattfindet. «Das Grand Beatbox Battle ist einer der Programmpunkte, der Jahr für Jahr diverse internationale Besucher anlockt», sagt Jans stolz. Mittlerweile gilt das Basler Battle als beliebtester Beatbox-Events der Welt ausserhalb der Weltmeisterschaft. «Und hier am BScene wurde auch das Loop-Station-Battle erfunden», sagt Gfeller. Das bedeutet, dass Beatboxer mit ihrer eigenen Stimme Loops aufnehmen können, also Musikparts, die sich dann wiederholen. So können mit der eigenen Stimme ganze Lieder aufgebaut werden.

bscene.ch