Gleissanierung
Die Bewohner des Bruderholz sind erstaunlich tolerant

Trotz langer Umwege erhält die BVB kaum Beschwerden. Wenig erfreut sind die Schüler: Sie müssen früher aufstehen, um rechtzeitig in die Schule zu kommen. Denn die Tramlinien 15 und 16 haben für die gleiche Strecke nun doppelt so lange.

Delphine Conzelmann
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Die Baustelle im Bereich Hechtliacker sowie zwischen dem Jakobsberg und der Reinacherstrasse sorgt für längere Fahrtzeiten bei den Tramlinien 15 und 16. (Archiv)

Die Baustelle im Bereich Hechtliacker sowie zwischen dem Jakobsberg und der Reinacherstrasse sorgt für längere Fahrtzeiten bei den Tramlinien 15 und 16. (Archiv)

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Es sind seit Wochen dieselben Gespräche, die in den Trams der Linien 15 und 16 geführt werden: «Wo muss ich jetzt umsteigen?» «Nein, so kommen Sie nicht aufs Bruderholz!» «Jeden Morgen muss man früher aufstehen. Jetzt bekomme ich meine Kinder erst recht nicht aus dem Bett!» «Ich nehme jetzt das Velo».

Und tatsächlich: Plötzlich sieht man Fussgänger und Fahrradfahrer in Scharen vom Bruderholz herunterkommen. Denn die Verkehrsführung auf dem Basler Hügel ist zurzeit verwirrend: Er wird nur in eine Richtung, auf dem sogenannten «äusseren Ring», befahren. Grund dafür ist die Baustelle im Bereich Hechtliacker sowie zwischen dem Jakobsberg und der Reinacherstrasse: Die Gleise müssen saniert werden.

Die Bauarbeiten haben für die Bewohner und die Besucher des Bruderholzes teils umständliche Umwege zur Folge. Wer beispielsweise von der Lerchenstrasse bis an den Tellplatz gerade einmal fünf Minuten unterwegs war, fährt nun mehr als doppelt so lange.

Vor allem für Schülerinnen und Schüler ist die Situation ein Problem: Für ihren Schulweg müssen sie jeden Morgen eine Viertelstunde mehr einplanen. Da die Bauarbeiten erst in den Sommerferien begonnen haben, war diese Konsequenz für viele Schüler und deren Eltern eine unliebsame Überraschung.

Endaufenthalt am Aeschenplatz

Auch die Jugendlichen, die auf dem Bruderholz zur Schule gehen, müssen sich an die Fahrplanänderungen anpassen: Jeden Morgen ist das Tram voll mit Schülern der Rudolf-Steiner-Schule, die statt direkt via Gundeli, über das ganze Bruderholz-Quartier fahren müssen. Allerdings nur noch bis im September: Dann wird es ihr Heimweg sein, der verlängert ist. Denn ab dann verkehrt das Tram nur noch in die Gegenrichtung.

Trotz aller Unannehmlichkeiten halten sich die Bruderholz-Bewohner mit Reklamationen zurück: «Wir haben in der ganzen Zeit seit Beginn der Bauarbeiten nur 28 Rückmeldungen erhalten, wovon die meisten Nachfragen und nicht Reklamationen waren», sagt Dagmar Jenny, Mediensprecherin der Basler Verkehrsbetriebe (BVB).

Die negativen Rückmeldungen, die es dennoch gab, hätten sich hauptsächlich auf die langen Haltezeiten an der Endstation Bruderholz bezogen. Darauf haben die BVB vergangene Woche reagiert: Nun hat der 15er seinen Endaufenthalt nicht mehr auf dem Bruderholz, sondern am Aeschenplatz. «Dadurch haben sich auch die Umsteigebeziehungen wieder verbessert», sagt Jenny.

Es herrscht keine Freude

Trotz der verhältnismässig wenigen Reklamationen gäbe es auch negative Rückmeldungen, so Jenny. Insbesondere der Quartierverein Bruderholz fühlte sich von den BVB übergangen und will sich mit dem vorübergehenden Betriebskonzept nicht zufrieden geben: In einem Interview mit SRF forderte der Vereinspräsident Conrad Jauslin die Ersatzbusse. Auch von der Kommunikation der BVB zeigte er sich wenig begeistert: «Es ist eine Zumutung!», sagte Jauslin. Viele Bewohner wendeten sich ob der neuen Verkehrsführung verwirrt an den Quartierverein.

Die Kommunikation erfolgt bisher über Schilder an den betroffenen Haltestellen. Dagmar Jenny verteidigt die temporäre Lösung: «Zu bedenken ist, dass der Ersatz der Gleise dringend nötig ist und die Anpassungen des Betriebskonzeptes deshalb unausweichlich waren.» Anpassungen, die wie bei Baustellen nur kurzfristig nötig seien, könnten nicht unter Mitwirkung der Bevölkerung geplant werden, wie dies bei Anpassungen mit langfristigem Charakter der Fall sei, sagt sie.

Auch Ersatzbusse seien auf dem verwinkelten Bruderholz keine Option: «Ein Betriebskonzept mit Bussen hätte zur Folge gehabt, dass verschiedene Haltestellen nicht hätten angefahren werden können. Die Routen für die Busse hätten grosse Belastungen für das Quartier zur Folge gehabt.»

Wichtig sei, dass das Bruderholz zumindest in eine Richtung erschlossen werde. Für den Unmut bei gewissen Anwohnern hat Jenny dennoch Verständnis: «Baustellen bereiten nie Freude».

Die Betriebsänderungen werden noch bis Ende November dauern.

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