Fondation Beyeler
Die «beste Nase der Welt» riecht besondere Düfte in Riehen

Der Berliner Star-Parfumeur Geza Schön enthüllt bei seiner Lecture am Rande der Odilon Redon-Ausstellung Geheimnisse der Parfum-Herstellung und was es braucht, um eine Nase für besondere Düfte zu entwickeln.

Céline Feller
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Der Geruch «Dark» wurde durch die dunkle und depressiv wirkende Phase des Künstlers Odilon Redon inspiriert.
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Geza Schön, Parfümeur aus Deutschland, zeigt in einer lockeren Moderation den Aufbau des Geruchs ,,Dark", der passend zur Ausstellung von Odilon Redon in der Fondation Beyeler in Riehen kreiert wurde.
Die verschiedenen Gerüche werden auf Papierstreifen aufgetragen und ...
Ausstellung von Odilon Redon in der Fondation Beyeler in Riehen

Der Geruch «Dark» wurde durch die dunkle und depressiv wirkende Phase des Künstlers Odilon Redon inspiriert.

Martin Töngi

«Es gibt nichts Schlimmeres, als jemand, der einen Duft trägt, der nicht zu ihm oder ihr passt», sagt Geza Schön, Parfumeur aus Berlin im Rahmen seines Besuches am Mittwoch in der Fondation Beyeler in Riehen.

Wenn wir jemanden kennenlernen, urteilen wir meist aufgrund von Äusserlichkeiten, die uns nicht ansprechen. Sowohl Männer als auch Frauen, haben eine Art Scan, mit dem sie mögliche Partner unbewusst durch die in ihrem Körpergeruch komplementären Anlagen aussuchen.

Den eigenen Körpergeruch kann man gut mit der Mischung aus diversen Komponenten überdecken. Bei Schön reicht dafür ein einziges Molekül. Schön wurde nach der Lancierung seiner Duft-Serie Molecules 01 bis 03 international berühmt. Seine Düfte rücken dabei ein einziges Molekül ins Rampenlicht. Schön zielt bei der Herstellung seiner Düfte und Gerüche nicht nur darauf ab, das Pheromon-Zentrum anzusprechen und somit dem anderen Geschlecht zu gefallen, viel mehr will er Überraschungen kreieren, bei denen er olfaktorische Eindrücke mit visuellen vermischt.

Der Irrtum des Grenouille

Seit 1985 der Bestseller-Roman «Das Parfum» von Patrick Süskind erschienen ist, glauben viele, das Geheimnis und die Komplexität der Parfum-Herstellung verstanden zu haben. «Was Grenouille (die Hauptfigur in Süskinds Entwicklungsroman, Anm. d. Red.) macht, ist so gar nicht möglich» stellt Schön klar. Um ein richtiger Parfüm-Profi zu werden, muss man keine Frauen umbringen, wie Grenouille dies zu pflegen tut, sondern vor allem fleissig schnuppern: «Die Nase braucht extrem viel Training. Wenn man konzentriert riecht, ist es sehr anstrengend», erklärt Schön.

In einem Gespräch über Symbole und Düfte erklärt die – laut Mode-Zar Karl Lagerfeld – «beste Nase der Welt» Geheimnisse aus der Welt der Düfte. Der 45-jährige Schön beschäftigt sich seit er 13 Jahre alt ist mit Parfums, und machte schliesslich sein Hobby zum Beruf. Sein letztes Werk ist «Dark», ein Geruch, kein Duft, wie er extra betont.

Ein Geruch, bei dem sich Schön von der momentan laufenden Odilon Redon-Ausstellung in der Fondation hat inspirieren lassen. Die Werke des französischen Malers variieren vom Schwarz der frühen Kohlearbeiten bis hin zu Farbexplosionen, wobei sich Schön mehr auf die düsteren Facetten Redons bezieht.

Der sichtlich gut aufgelegte Schön verteilt nach und nach Streifen, auf die er acht verschiedene Duft-Noten sprüht. Zusammen mit ein paar weiteren Komponenten machen diese später den Geruch aus. «Nach was schmeckt das für Sie?» fragt er in das zahlreich erschienene Publikum. Die Beschreibungen der einzelnen Ingredienzen reichen von ledrig, holzig, animalisch bis zu rauchig und heftig. Oder kurz gesagt: männlich und dunkel.

Animalisch und männlich

«Ich wollte eine Mischung aus Ledernote, tierischer Note und Holznoten kreieren», begründet Schön. Doch wie kommt ein solcher Geruch zustande? «Ich beginne immer mit einem Akkord aus drei bis vier Substanzen und weite diese dann – in diesem spezifischen Fall auf 14 – weitere Komponenten aus. Schöns Kreationen sind Nischenprodukte. Die Mainstream-Düfte, die es in Warenhäusern zu kaufen gibt, setzten sich aus bis zu 60 verschiedenen Komponenten zusammen.

Umgeben von der Kunst Redons drängt sich die Frage auf, ob Schöns Arbeit ebenfalls Kunst ist. Die Kunst, Leute gut riechen zu lassen. «Heute schimpft sich jeder Künstler. Ich sehe mich nicht als solchen. Meine Arbeit ist ein Handwerk, das man lange lernen muss», stellt er klar. Was laut ihm aber eine Kunst ist, ist den richtigen Duft für sich selber zu finden.