Bei jedem anderen Schweizer Klub würde der Trainer und die Klubleitung lamentieren, wenn man auf einen Millionenzuzug und Goalgetter (Raúl Bobadilla; gesperrt/verletzt), einen chilenischen Nationalspieler (Marcelo Diaz; muskuläre Probleme im Oberschenkel) und den Rekordtorschützen der Schweizer Nationalmannschaft (Alex Frei; Magendarmgrippe) verzichten müsste. Murat Yakin tut dies nicht. Denn so hochkarätig dieses Trio auch sein mag – Rot-Blau verfügt über ein Kader, wo zumindest zum jetzigen Zeitpunkt sich eher die Frage nach der «Qual der Wahl» stellt.

Die lästige Frage nach dem System

Es ist eine alte Floskel, wonach die Offensive (spektakuläre) Partien, eine solide, stabile Verteidigung jedoch Meisterschaften gewinnt. Darum bemüht Yakin auch nicht um diese Weisheit. Er setzt sie für sein Personal schlichtweg voraus. «Mich interessiert das Verhalten meiner Mannschaft bei der Rückeroberung des Balles. Und die defensive Stabilität und Ordnung hat Priorität», so der Münchensteiner. Yakin ist es müssig, Fragen nach dem Spielsystem zu beantworten. Ob mit einer Vierabwehrkette oder im 3-5-2-System – «jeder Spieler muss in der Lage sein, sich innert Sekunden an neue Dispositiven zu gewöhnen. Ich will keine Spieler, die stur ihre Position abspulen», so der Basler Trainer.

Vom sonntäglichen Gegner erwartet Yakin Einiges. «Sion wird uns auf Augenhöhe begegnen. Sie haben zudem den Vorteil, dass sie bereits ein Wettkampfspiel hinter sich haben. Ich bin gespannt, ob sie wie beim Cupmatch in Kriens auch im St. Jakob-Park mit einem Dreimann-Sturm antreten. Die Walliser sind aber eine Equipe, die konstruktiven Fussball zeigen und mitspielen», erklärte Yakin an der Medienkonferenz am Freitag.

Debüt für Elneny?

Seinen ersten grossen Auftritt im St.Jakob-Park könnte – vor allem, wenn Diaz tatsächlich ausfällt – Mohamed Elneny erleben. Elneny ist Ägypter, ist erst 20 Jahre alt und hat doch bereits 21 A-Länderspiele für sein Heimatland absolviert. Trainer Yakin hält grosse Stücke auf den jungen Mittelfeldmann. Er bezeichnet ihn als «sehr eleganten, spielintelligenen» Spieler. «Er sucht nicht die Zweikämpfe, sondern verhindert sie mit seiner Schläue», sagt Yakin.

Wer gibt den linken Aussenverteidiger?

Bleibt als Fragezeichen noch die Position des linken Aussenverteidigers. Da hat Trainer Yakin mit Markus Steinhöfer, Joo-Ho Park, dem wiedergenesenen Kay Voser und Nachwuchsmann Arlind Ajeti gleich vier Optionen. Diese «Probleme» mit der immensen Auswahl an gleichwertigen Spielern sind den anderen Super-League-Trainern fremd. Das ist auch dem Basler Cheftrainer bewusst: «Wir haben die Qualität, um siegreich die Rückrunde zu beginnen. Und die Saison erfolgreich zu beenden», meinte Murat Yakin trocken. Es war keine Drohung an die Konkurrenz, sondern das Selbstverständnis eines selbstbewussten, erfolgsorientierten Mannes, der weiss, welche Mission er im Spätherbst 2012 in Basel angetreten hat: Meistertitel und Cupsieg.