50. Todestag

«Der steinige Weg des Walter Eglin» erzählt aus dem Leben des Mosaikkünstlers

Zum 50. Todestag des Baselbieter Künstlers gab der «Freundeskreis Walter Eglin» ein Buch heraus. Es enthält viele Steinchen, um den Künstler, seine diversen Ausdrucksformen und Werke (besser) verstehen zu können.

In Erinnerung gerufen wurden Walter Eglins Werke in einem unschönen Zusammenhang. Mehrere seiner Mosaikwerke wurden in Schulhäusern zugegipst. Wir erinnern uns an die «Sphinx» (bz berichtete). Sie und ein anderes Werk sind «gerettet» worden (siehe Box). Zum 50. Todestag des Baselbieter Künstlers ist das Buch «Der steinige Weg des Walter Eglin» erschienen. Anstoss dazu war eine Reportage von Mitautor und Historiker Lorenz Degen. Er suchte noch lebende Zeitgenossen auf und wollte sie über ihre Erinnerungen befragen. Denn ihm wurde bewusst, dass sie alle im betagten Alter sind und es deshalb nun Zeit sei, diese Stimmen zu sammeln.

Auf keinen Fall Bauer werden

Eglins Biografie ist übersichtlich und kurzweilig aufbereitet. Die Leserschaft erwartet ein sorgfältig recherchiertes, grosszügig illustriertes Sachbuch. Speziell machen es Erinnerungen seines Sohnes, Toni Eglin, und von Bekannten, sowie Interviews mit Persönlichkeiten, die Walter Eglin besonders gut gekannt hatten. Diese Passagen lassen den 1966 verstorbenen Künstler vor dem inneren Auge erscheinen und spürbar werden. Lesenswert und berührend sind auch die Abschnitte über Abschied und das Kapitel «Nachgedanken».

Walter Eglin kommt 1895 in Känerkinden als Sohn eines Kleinbauern und Posamenters auf die Welt. Nach seiner Primarschulzeit in Buckten besucht er die Bezirksschule in Liestal. Schon damals, bei Spaziergängen zur Bahnstation Sommerau, entwickelt er eine Leidenschaft für Mineralien und legt eine Sammlung an. Während seiner Schulzeit hat er eine Vorliebe für Naturwissenschaften, Geologie und Paläontologie.

Körpergrösse als Wegweiser?

Keinesfalls will er nach der obligatorischen Schulzeit Bauer oder Posamenter werden. 1914 wird er in den Aktivdienst an der Grenze eingezogen und kommt drei Jahre später zur Heerespolizei.

Hier hätte sein Weg anders verlaufen können. Er überlegt, eine Ausbildung zum Polizisten oder Zöllner zu machen. Doch er verfehlt die Anforderungen in der Körpergrösse. Daraufhin meldet er sich 1918 freiwillig zum Grenzbeamtendienst in Basel. Hunger und Elend
der kriegsgeschädigten Bevölkerung Deutschlands prägen ihn. Trotz bescheidenem Lohn kann er abends an der Gewerbeschule Basel Kurse in Zeichnen und Malen belegen.

Schliesslich schafft er es an die Akademie der bildenden Künste in Stuttgart. Hier absolviert er eine Ausbildung zum Holzschneider. Die Akademie ist vom Impressionismus geprägt. Die seit der Renaissance herrschenden Prinzipien des Umgangs mit Raum und Farbe werden durch neue Sehformen, Raumgliederungen und Abstraktionen ersetzt. Zudem haben wichtige Vertreter der modernen Malerei, wie Paul Klee oder Oskar Schlemmer, dort ihre Lehraufträge. Diese Einflüsse prägen Walter Eglin.

Ein unbeirrbarer Kämpfer

Erfreulicherweise ist das Buch keine dicke Biografie, die von einer Buchdeckelseite zur anderen gelesen werden sollte. Die klare Gliederung ermöglicht ein punktuelles Lesen. Nicht ganz geglückt ist die formale Umsetzung der sieben Interviews. Nach einer kurzen Einleitung werden Interviewausschnitte eins zu eins wiedergegeben. Grundsätzlich ermöglichen sie persönliche Einblicke in Eglins Wesen und Schaffen. Allerdings ist dieser Teil stellenweise zu lang, inhaltlich irrelevant und der Fragensteller wird so spürbar, dass es stört.

Nicht nur der bäurische Künstler

Manche erinnern sich an Eglin als Mosaikkünstler. Einem grösseren Publikum wurde er durch die Ausgestaltung des Eingangsbereichs des Kollegiengebäudes der Universität Basel bekannt. Das Mosaik «Sendung» hat insgesamt eine Fläche von 30 auf dreieinhalb Meter. Dessen Vorgeschichte ist aussergewöhnlich: 1938 nahm Eglin an einem öffentlich ausgeschriebenen Wettbewerb teil und setzte sich dort gegen 48 bekannte Schweizer Künstler durch. Doch wie kommt ein Holzschnitter zu Mosaik? Vermutlich suchte der Oberbaselbieter nach einem neuen Material, das seine Hände und seinen Geist forderte. Davor hatte Eglin schon Kerbschnitzereien und Glasbilder entworfen und ausgeführt.

Die Vollendung des Mosaiks benötigte acht Jahre, was für Willen und Ausdauer spricht. Und das trotz Spott. Denn zur Zeit des Wettbewerbs war Eglin eher unbekannt. Das und seine bäurische Herkunft lösten eine polemische Diskussion aus. Da keine Firma die Steine ohne Steinsetzerverpflichtung liefert, sucht Eglin das Steinmaterial selbst. Mit seinem Rucksack trägt der schmächtige Mann auf Rundgängen in der Schweiz etwa vier Tonnen Steine zusammen.

Seine Kunstwerke umfassen Holzschnitte, Malereien, Sgraffiti, Glasfenster, Monotypien und Mosaike. Wer ihn wegen seiner bodenständigen Motive als einfachen Bauernkünstler abtut, macht es sich zu einfach. Durch seine Herkunft holte er sich durchaus seine Inspiration in der Natur, von den Menschen auf dem Land und deren Erlebniswelt inklusive harter Arbeit. Doch er war für die damalige Zeit bestens ausgebildet und in verschiedenen gestalterischen Techniken versiert.

Selbst gegen Ende seines Lebens erfand er sich noch einmal neu. Ende 1965 musste er sich einer schweren Magenoperation unterziehen, wovon er sich nicht mehr erholte. Da er im einen Arm keine Kraft mehr hatte, um Steine zu klopfen, ersann er für sich eine neue Technik. Er färbte kleine Holzbrettchen mit Druckerschwärze ein. Mit deren Abdruck setzte er auf einem plakatgrossen Papier Bilder zusammen (Holzmonotypie). Er war ein Getriebener, immer auf der Suche. In einem Brief schrieb er: «Wie beglückt bin ich, wenn ich etwas Neues entdeckt habe, eine treibende Kraft, die mich jung hält.»

Der steinige Weg des Walter Eglin «Freundeskreis Walter Eglin» (Hrsg.), 2016, Verlag Johannes Petri Basel. 45 Franken, ISBN 978-3-03784-095-5.

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