Messe Natur
Der Einkaufswagen wird zum Gemüsegarten

Jungunternehmer präsentieren an de Mese Natur überzeugende wirtschaftliche Ideen für die Nachhaltigkeit. Sie empfehlen beispielsweise einen eigenen Garten auf dem Balkon.

Muriel Mercier
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Tilla Künzli präsentiert an der Natur ihre erst im Oktober entstandene Idee des bepflanzbaren «Keinkaufwagens». Fotos: nicole nars-Zimmer

Tilla Künzli präsentiert an der Natur ihre erst im Oktober entstandene Idee des bepflanzbaren «Keinkaufwagens». Fotos: nicole nars-Zimmer

Ein Einkaufswagen ist im Normalfall gefüllt mit Esswaren oder Hygieneartikeln, die sich der Kunde im Supermarkt aussucht. Nicht so an der Natur in Basel. Tilla Künzli schüttete in ihren Einkaufswagen kompostierte Erde und bepflanzte ihn mit Feldsalat. Grund: Die 25-Jährige will mit ihrem Projekt «Keinkaufswagen» zeigen, wie einfach es für jeden Städter ist, auf seinem Balkon einen Garten zu bewirtschaften. Mit Essbarem, denn: «Die Menschen sehen den Wert des Anpflanzens von Nahrungsmitteln nicht. Die Einkaufszentren sind ja vollgestopft mit Waren.»

In der Schweiz herrsche halt keine Notsituation, ergänzt Hans Ballmer, Vorstandsmitglied des Vereins «Urban Agriculture Basel». «Die Leute müssen lernen, das Potenzial zur Nahrungsmittelerzeugung in den Städten besser zu nutzen», betont er. Neben dem ökologischen Grundgedanken, der hinter «Keinkaufswagen» steht, rückt Künzli auch den ästhetischen in den Vordergrund. «Eine Stadt wirkt attraktiver, wenn deren Einwohner Teile davon begrünen.» Diesen Effekt bewirken Künzli und Ballmer bereits mit ihrem Pflanzenreich auf dem «Markt der Zukunft» in der Messehalle 4.

Projekt als Gymnasiast entwickelt

Bescheidener, aber mit einem genauso spannenden Konzept tritt das Kleinunternehmen «Pnööö» an der Natur auf. Ausgestellt auf dem Tresen hat Beat Bannwart aus Zürich schwarze Schüler-Etuis und Schutzhüllen für iPhones. Schwarz, weil sie aus alten Veloschläuchen gefertigt wurden. «Wir haben in den letzten zwei Jahren 2000 Meter an Schläuchen wiederverwendet, die im Abfall gelandet wären», freut sich Bannwart. Im Jahr 2009 hat er – damals noch als Gymnasiast – mit Schulfreunden das Projekt «Pnööö» ins Leben gerufen. «Wir haben an einem internationalen Wettbewerb gewonnen und dachten, weil unser Konzept so gut läuft, machen wir weiter.»

Um erfolgreich für den Schutz des Atlantischen Regenwaldes zu kämpfen, mussten sich Igor Nussbaumer und sein Team auch einiges überlegen. Seit 1993 setzt sich die von Nussbaumer geleitete Institution «Sudden Rush» gegen die Rodung des Regenwaldes bei Brasilien ein. Der Auftritt des Vereins am «Markt der Zukunft» ist unscheinbar. Im Angebot aber führt Nussbaumer ein Produkt, das die Gemüter der Natur-Besucher umso aufgeweckter machen soll: Ein Drink aus der brasilianischen Frucht «Guarana» – der Ertrag aus dem Verkauf kommt dem Verein zugute.

Respekt vor Natur fördern

Auch an die Kinder wurde an der Natur gedacht. Denn diese sind es schliesslich, die sich bald um die ökologische Nachhaltigkeit kümmern müssen, weiss Jean-Pierre Sitzmann vom Verein «Freunde Na Tour Spass». Sitzmann hat mit seinem Team für die Region Einsiedeln ein Erlebnisheft ins Leben gerufen. Die bis 12-jährigen Kinder können anhand des Magazins auf Wanderungen Parcours absolvieren, auf denen sie Aufgaben auf spielerische Art meistern. «Wir führen damit Kinder an die Natur heran und fördern ihren Respekt vor der Tier- und Pflanzenwelt.»

Möglichkeiten, sich für die Umwelt einzusetzen, gibt es also unzählige, wie der «Markt der Zukunft» auf der Messe Natur beweist. Die Aussteller weisen mit Sinn für Humor darauf hin. Denn: «Mit Humor kann man die Leute abholen», sagt Tilla Künzli und zeigt auf ihren «Keinkaufswagen».

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