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Das Literaturhaus Basel «zoomt» jetzt auch

Das Literaturhaus Basel verlagert seine Aktivitäten vorübergehend ins Netz.

Das Literaturhaus Basel verlagert seine Aktivitäten vorübergehend ins Netz.

Das Literaturhaus Basel findet jetzt online statt. Über Zoom wird online über Fragen des Zusammenlebens während der Pandemie diskutiert. Das Publikum kann sich ganz einfach zuschalten.

Während des ersten Lockdowns vor einem Jahr planten Katrin Eckert und ihr Team ein Festival: Die BuchBasel 2020 sollte sich mit Fragen des Zusammenlebens auseinandersetzen, musste aber kurz vor Start Anfang November wegen steigender Fallzahlen abgesagt werden.

Die Co-Festivalleiterin und Intendantin des Literaturhauses Basel hat nun neben dem regulären Programm auch einen Teil des Festivals als Onlineformat ins neue Jahr gerettet. «Nichts zu machen, war für uns keine Option», sagt Eckert.

Das Festivalthema der abgesagten BuchBasel 2021 lautete «Zusammenleben». Wie aktuell ist es noch für Sie?
Katrin Eckert: Sehr. Wir hatten das Festival während des Lockdowns im vergangenen Frühling vorbereitet. Dass sich durch die Pandemie vieles verändern würde, war uns klar. Es stellten sich vielfältige Fragen, etwa was die ­nationalen Alleingänge für die europäische Idee bedeuten. Schockierend für mich war bei den plötzlichen Grenzschliessungen, dass beispielsweise Griechenland keine Asylgesuche mehr angenommen hat. Diese Themen ­waren im Frühling aktuell, und sie sind es noch.

Die Pandemie als weltumspannende Krise hat aber auch Hoffnungen geweckt…
Das ist richtig. In der ersten Phase kamen viele utopische Vorstellungen auf: Wir müssen gar nicht so viel fliegen und konsumieren, wie wir immer geglaubt haben! Diese Hoffnung auf ein grundlegendes Umdenken ist jetzt leider ein Stück weit in sich zusammengebrochen, aber ganz weg ist sie nicht.

Wie kann sich die Kraft der Utopie in der Isolation entfalten?
Wichtig scheint mir, dass wir nicht damit aufhören, uns selbst geistige Nahrung zuzuführen. Wenn ich ein Buch öffne, eröffnet sich mir auch ein neuer Zugang zur Welt, den ich sonst nicht hätte – Bücher führen zu einer Vertiefung unseres Weltwissens. Es ist wichtig, dass wir weiterhin Anregungen ­erhalten und auch im Austausch miteinander bleiben. Wenn dieser Austausch im Augenblick nur im virtuellen Raum stattfinden kann, dann ist das halt so. Es hat ja auch seine Vorteile: Bei diesem kalten Wetter muss man nicht extra hinaus. Viele und besonders ältere Menschen schätzen das.

Die BuchBasel soll als Festival die Begegnung mit anderen Menschen auch physisch fördern. Was sind Ihre Erwartungen an eine digitale Ausgabe?
Wir hoffen, mit unserem Festival Denkanstösse geben zu können, die in Diskussionen mit dem Publikum weitergeführt werden. Das findet in dieser Form jetzt zwar nicht statt, aber die geistigen Inputs können wir auf jeden Fall ­vermitteln – in Form von «Zoom»-­Videokonferenzen. Das Publikum kann sich einfach zuschalten. Vielleicht ergibt sich dabei ein Austausch, selbst wenn er nur online stattfindet. Das wäre meine Hoffnung.


Werden diese Gespräche auch aufgezeichnet?
Nein.

Sind die Veranstaltungen ­kostenlos?
Wir verlangen einen Eintritt, weil wir finden, dass Kunst nicht gratis sein darf. Allerdings haben wir die Preise stark gesenkt, eine Veranstaltung kostet fünf Franken. Dafür erhält man einen Link, mit dem man sich per Mausklick ­zuschalten kann. Wir haben auch ein digitales Abonnement für 50 Franken, das zur Teilnahme an allen Online-Veranstaltungen während des laufenden Jahres berechtigt. Wir wollen das ­Angebot möglichst niedrigschwellig halten.

Was sind Ihre Bedenken in Bezug auf eine Gratis-Kultur?
Autoren und Künstlerinnen, die live oder online einen Beitrag leisten, verdienen ein Honorar, mit dem sie ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Das will ich unbedingt aufrechterhalten. Darum ist es auch angemessen, dass sie für ihren Aufwand entschädigt werden.

Werden Sie die Online-Angebote fortführen?
Wir werden das «Zoom»-Format sicher noch durch Streams erweitern – das ­bietet sich an, wenn lokale Autorinnen und Autoren im Literaturhaus auftreten. Auch dass wir Leute zuschalten, die nicht vor Ort sein können, werden wir nach Corona sicher mit einer grösseren Selbstverständlichkeit tun. Gerade
bei Podiumsdiskussionen ist das interessant.

Sie suchen auf Ihrer Website ganz gezielt nach lokalen Künstlerinnen und Künstlern. Ist das auch eine Folge der Pandemie?
Natürlich haben wir aus der Not ein Stück weit eine Tugend gemacht, weil viele ausländische Autorinnen und ­Autoren nicht reisen können. Vor allem aber hat es mit einer Entwicklung zu tun, die wir ohnehin vorantreiben wollen: Mit der interkulturellen Öffnung wollen wir die Vielfalt einer sehr internationalen und postmigrantischen ­Gesellschaft in Basel künftig besser ­abbilden. Deshalb wollen wir jetzt auch herausfinden, welche Akteure es in der freien Szene gibt, mit denen wir noch nicht in Kontakt stehen. Wir öffnen unsere Bühne für Programme von 20 oder 60 Minuten.

«Zusammenleben»: Das digitale Schwerpunktprogramm startet am Montag, 11. Januar.

«Die grosse Sehnsucht»: Noch bis zum 29. Januar sucht das Literaturhaus Basel Beiträge aller Textgattungen zum Thema. Mehr Informationen dazu und zum Programm unter:
www.literaturhaus-basel.ch

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