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Das Basler WWW-Wirrwarr –Kanton verletzt Grundregeln des Internets

Zahlreiche Einträge auf der Kantonswebsite bs.ch haben nach einem Update neue Adressen. An einer Lösung wird gearbeitet, ob sie kommt, ist aber ungewiss.

Samuel Hufschmid
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Nach einem Update der Kantonswebsite haben viele Einträge neue Adressen. Viele Unterseiten sind deshalb nicht mehr erreichbar. (Symbolbild)

Nach einem Update der Kantonswebsite haben viele Einträge neue Adressen. Viele Unterseiten sind deshalb nicht mehr erreichbar. (Symbolbild)

KEYSTONE/ANTHONY ANEX

«Error 404 - Dokument nicht auffindbar». Diese Fehlermeldung wird seit einem Update der Kantonswebsite angezeigt, wenn eine Medienmitteilung über einen externen Link – beispielsweise auf Wikipedia – angesteuert wird.

«Mit der Absicht, die Web-Adressen der Medienmitteilungen aussagekräftiger zu machen, wurden diese verändert. Diese Anpassung hat allerdings den Nachteil, dass die Medienmitteilungen über bestehende Links nicht mehr verfügbar sind», sagt Jakob Gubler, Sprecher der Staatskanzlei.

Die Anpassung sei im Rahmen eines Software-Updates erfolgt, die nötig wurde, weil die bisherige Version «sich dem Ende ihres Lebenszyklus’» genähert habe.
Mit der Umstellung der eindeutigen Adressen verletzt der Kanton eine der wichtigsten Grundregeln des Internets, formuliert im Jahr 1998 vom WWWErfinder Tim Berners-Lee.

«Sobald etwas als Quelle gebraucht wird und darauf verlinkt wird, sollte sich die Adresse des Dokuments nicht ändern», lautet die 20-jährige Empfehlung zusammengefasst.

Diese Fehlermeldung wird angezeigt, wenn beispielsweise Medienmitteilungen über externe Links – etwa via Wikipedia – angezeigt werden.

Diese Fehlermeldung wird angezeigt, wenn beispielsweise Medienmitteilungen über externe Links – etwa via Wikipedia – angezeigt werden.

Screenshot

Wikipedia besonders betroffen

Medienmitteilungen eines Kantons sind genau solche Quellen, da sie häufig Primärinformationen enthalten. Einige Beispiele aus Wikipedia: Der umfangreiche Eintrag zum «Basler Integrationsmodell» für Migranten enthält zwei Quellenangaben, die direkt auf Medienmitteilungen des Kantons Basel-Stadt verweisen.

Der erste Link geht ins Leere, der zweite Link auf eine Website des Kantons, die «in Kürze abgeschaltet wird», wie in grossen, roten Buchstaben über der Mitteilung steht. Das gilt auch für Einträge zu Basler Regierungsräten oder bedeutenden Gebäuden, etwa dem Zwinglihaus.

Micha Rieser, Administrator in der deutschsprachigen Wikipedia, sagt: «Wir haben bei Wikipedia sehr viel zu tun, um Internetressourcen auf dem aktuellsten Stand zu halten, wenn deren Adressen geändert werden.

Deshalb wird zunehmend auf InternetArchive verlinkt, deren Inhalte auch nicht mehr nachträglich angepasst werden können.» Auch er verweist auf den Aufruf des WWW-Erfinders Berners-Lee und sagt, dass zumindest sichergestellt werden müsse, dass die alten Adressen auf die neuen verweisen.

Ob Basel-Stadt zumindest dieser Empfehlung nachkommen wird, ist unklar. «Wir sind derzeit daran, dafür eine Lösung zu finden», verspricht Gubler.

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