Coronavirus
Pilotprojekt mit Tagestickets: Ferien im Hochschwarzwald sollen wieder möglich sein – doch eine Stadt macht einen Rückzieher

Der Geschäftsführer von Hochschwarzwald Tourismus bittet die Politik wegen der Folgen der Coronakrise um Hilfe. Dank eines Pilotprojekts soll für Touristen wieder ein Aufenthalt ermöglicht werden. Dass der Plan seine Tücken hat, zeigt aber eine andere deutsche Stadt.

Larissa Gassmann
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Fliesst das Bier in den deutschen Restaurants bald wieder in Strömen? Noch herrschen Unklarheiten.

Fliesst das Bier in den deutschen Restaurants bald wieder in Strömen? Noch herrschen Unklarheiten.

Symbolbild: Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Der Weg aus dem Lockdown ist auch in Deutschland kein leichter. Nun soll ein Pilotprojekt dem gebeutelten Tourismus im Hochschwarzwald wieder auf die Beine helfen. Vorgesehen sind dabei sogenannte «Tagestickets-Hochschwarzwald», die den Zutritt zu Unterkunft, Geschäften und der Gastronomie regeln. Dafür müssen Bevölkerung wie auch Gäste aus dem Ausland ein negatives Testergebnis mitbringen oder beim Gastgeber vor dem Check-in einen Schnelltest machen. Bei einem längeren Aufenthalt wird dieser jeweils aufgefrischt.

Mit einem Brief voller Vorschläge wenden sich zehn Bürgermeister sowie der Geschäftsführer von Hochschwarzwald Tourismus, Thorsten Rudolph, unter anderem an Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Sie bitten «sehr dringlich» um Unterstützung und Anerkennung als «Modellregion», wie die «Badische Zeitung» schreibt.

2019 wurden vier Millionen Übernachtungen verzeichnet

Noch ein Jahr vor Corona verzeichnete die laut Brief «stark vom Tourismus geprägte» Region mehr als vier Millionen Übernachtungen. Auch Schweizerinnen und Schweizer zieht es regelmässig in den Hochschwarzwald. Die Region sei bei Gästen aus der Schweiz sehr beliebt, heisst es auf Anfrage bei Hochschwarzwald Tourismus. Jährlich werden rund 500'000 Nächtigungen verzeichnet: «Die Schweiz ist für uns der wichtigste Auslandsmarkt.»

Wie so viele andere leidet die Branche nun aber. Er sei sich sicher, dass ein Grossteil der Gastgeber hinter der Aktion stehen, sagt der Geschäftsführer von Hochschwarzwald Tourismus zur «Badischen Zeitung»: «Unsere Betriebe brauchen dringend eine Perspektive, viele von ihnen kämpfen um ihre Existenz.»

Wie im Brief steht, habe sich im Sommer gezeigt, dass sicherer Tourismus möglich sei. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass das Robert-Koch-Institut von einem begrenzten Ansteckungsrisiko in der Hotellerie ausgeht. Im Rahmen des Pilotprojektes soll auch das Personal der Betriebe vom Arbeitgeber zweimal wöchentlich getestet werden. So sei gewährleistet, dass Infektionsrisiken auf ein Minimum reduziert werden.

Innerhalb von zwei Wochen wäre man startklar

Noch aber steht alles in den Sternen: Ein detailliertes Konzept müsste erst mit der Landesregierung und den Gesundheitsämtern besprochen werden. Sollte man von der Landesregierung aus Stuttgart grünes Licht erhalten, könne man laut Rudolph innerhalb zweier Wochen starten. Er glaubt an einen Erfolg: «Es kann eine Initialzündung werden und dem Tourismus nicht nur im Hochschwarzwald eine geordnete Öffnung ermöglichen.»

Bis es so weit ist, wird in Kooperation mit Apothekern in Titisee ein Testzentrum geplant. «Sobald touristisches Reisen wieder erlaubt ist, soll hier eine Anlaufstelle für Übernachtungs- und Tagesgäste geschaffen werden», heisst es auf der Website von Hochschwarzwald Tourismus.

Tübingen gilt als Vorbild – doch bei Gästen wird dort ein Rückzieher gemacht

Am Anfang des Ganzen steht ein Beschluss der Bund-Länder-Konferenz. Laut diesem soll es den Ländern möglich sein, im Rahmen von «Modellprojekten» einzelne Bereiche des öffentlichen Lebens in ausgewählten Kommunen zu öffnen. Damit wird die Umsetzbarkeit von Öffnungsschritten untersucht.

Eine Kirche in Sankt Märgen: Ob Orte wie dieser bald wieder besucht werden können, wird sich bald zeigen.

Eine Kirche in Sankt Märgen: Ob Orte wie dieser bald wieder besucht werden können, wird sich bald zeigen.

Keystone

Als Vorbild gilt das neu eingeführte Testmodell «Öffnen mit Sicherheit», das bis Anfang April in Tübingen läuft. An verschiedenen Stationen werden dort kostenlose Tests durchgeführt. Mit einem negativen Ergebnis ist ein Zugang zu Läden, zum Friseur oder auch ins Museum gegeben. Am Samstag wurde diese Möglichkeit für auswärtige Gäste aber bereits beschränkt, wie der Reutlinger «General-Anzeiger» schreibt.

So wurden nur noch 3000 Tagestickets verteilt. Grund war der erwartete Besucheransturm. «Unser Modellvorhaben soll klären, ob es möglich ist, das normale Stadtleben wieder zu gewinnen», wird Oberbürgermeister Boris Palmer zitiert. «So gross die Sehnsucht danach ist, können wir doch als kleine Stadt diese nicht für halb Süddeutschland stillen.»