Nazi-Vorwurf
Comité-Obfrau Pia Inderbitzin: «Rassismus entspricht nicht dem fasnächtlichen Geist»

Comité-Obfrau Pia Inderbitzin nimmt Stellung zu Nazi-Vorwürfen gegen eine Basler Gugge. Ihre Möglichkeiten sind indes beschränkt.

Benjamin Rosch
Drucken
Teilen
Pia Inderbitzin will keinen Rassismus an der basler Fasnacht sehen.

Pia Inderbitzin will keinen Rassismus an der basler Fasnacht sehen.

Kenneth Nars

Rechte Symbole: nicht verboten

Wer in Deutschland oder Österreich die Hand zum Hitlergruss hebt, macht sich strafbar. Einzige Ausnahme bildet die Kunst oder der offensichtlich kritische Gebrauch. Auch in der Schweiz gab es Bestrebungen, Nazisymbole wie den Hitlergruss, bestimmte Runen oder die Reichsflagge strafrechtlich zu verbieten. 2011 begrub der Ständerat jedoch eine entsprechende Vorlage. Deswegen gilt: «Das alleinige Zeigen von rechten Symbolen ist in der Schweiz grundsätzlich nicht strafbar und ist in der Meinungsäusserungsfreiheit umfasst», wie René Gsell von der Basler Staatsanwaltschaft ausdeutscht. Verboten ist es hingegen, in der Öffentlichkeit für eine menschenverachtende Ideologie zu werben. Dies fällt dann unter den Straftatbestand der Rassendiskriminierung. (bro)

Noch ist kaum die letzte Hakelei um das rassistisches Logo einer Guggenmusik verarbeitet, noch hat sich kaum der interne Zwist in einer Stammclique um eine derbe Laterne gelegt, da nährt schon ein neuer Fall die Debatte um Rassismus an der Basler Fasnacht. Recherchen dieser Zeitung zeigten gestern, dass eine Kleinbasler Guggenmusik mehrfach mit (Neo-)Nazi-Symbolik kokettierte. So trugen Facebook zufolge einige Mitglieder Kleider mit einem angewandelten Guggen-Logo. Darin sind verschiedene Anspielungen an Neonazi-Marken verwoben. Zudem zeigte ein Mitglied wiederholt den Hitlergruss – zumindest in einem Fall während einer Probe, von den Kollegen ohne Widerspruch geduldet.

Schweizweit nahmen Medien den Fall auf, denn nicht nur in diesem Jahr gab es mehrere Fälle von offenem Rassismus. So sorgte etwa ein Fasnachtswagen im Sarganserland für Aufruhr, der einen FDP-Politiker aufgrund seiner Hautfarbe diskriminierte.

Auch in den sozialen Medien liessen die Reaktionen nicht lange auf sich warten. Das ist in der Woche vor der Fasnacht wenig erstaunlich, schliesslich kulminierten die Diskussionen im Sommer 2018 sogar in Demo und Gegendemo. Wohl auch deshalb will Comité-Obfrau Pia Inderbitzin wenig zum aktuellen Vorfall sagen. Für sie ist aber klar: «Das Fasnachts-Comité verurteilt jede Form von Rassismus. Das entspricht nicht dem fasnächtlichen Geist, wie wir ihn verstehen.» Die Beurteilung, was rassistisch sei, könne jedoch nicht das Comité selber vornehmen. Das sei Sache der Behörden. Dennoch hat Inderbitzin reagiert und den Kontakt mit der betroffenen Guggenmusik gesucht. Über den Inhalt des Gesprächs möchte Inderbitzin keine Auskunft erteilen.

Der Einfluss des Comités ist beschränkt

Für das Comité sind Fälle wie der aktuelle unangenehm. In der Öffentlichkeit wird die Organisation als Fasnachtsobrigkeit wahrgenommen. Faktisch stimmt das aber nur zum Teil: Das Comité zeichnet hauptsächlich für den Ablauf des Cortèges verantwortlich. «Das Fasnachts-Comité hat keinen Einfluss darauf, was im Cliquen-oder Guggenkeller geschieht», sagt denn auch Inderbitzin. Für Inderbitzin ist es hingegen wichtig, dass die Gugge ihre Probleme selber aufarbeitet.

Dies war bereits in der Vergangenheit die Haltung des Comités. Aus dem Protokoll der PräsidentInnenkonferenz 2018 – dem Gremium gehören über hundert Obleute und Vertreter von Fasnachtsformationen an – geht hervor, dass das Comité die Gugge «in ihrem Prozess, die Angelegenheit intern zu regeln» unterstützt.

Dies scheint zu geschehen. bereits gestern kündete der Chef der Kleinbasler Gugge ein hartes Durchgreifen an. Der Mann, der den Arm zum Hitlergruss gehoben hat, fliege raus. Gleichzeitig relativierte er, es handle sich um einen «Einzelfall, von dem wir uns klar distanzieren».

«Telebasel» nimmt Abstand von der Gugge

Dass die betroffene Gugge einen Image-Schaden erlitten hat, zeigte sich bereits gestern. Im Rahmen der Vorfasnachts-Berichterstattung hatte der Regionalsender «Telebasel» einen Beitrag über just jene Formation geplant. Der Sender sagte diesen jedoch aufgrund der Berichterstattung der bz kurzfristig ab. Moderator Adrian Plachesi wandte sich mit einem Video an die Zuschauer, in dem er sagte: «Rechtsextrimismus hat für mich keinen Platz an der Fasnacht, in diesen Zeiten sowieso nicht.»

Aktuelle Nachrichten