Basel
Burlesque, das anmutige Spiel mit den weiblichen Reizen

Im Sud zeigen heute Abend bekannte Stars nackte Haut. In «An opulent night of Burlesque, Absinth & Swing» zeigen Frauen beim Burlesque-Tanzen viel Haut, ziehen sich aber nie ganz aus. Das Interesse am Burlesque-Tanzen wächst in Basel zunehmend.

Muriel Mercier
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Die Frauen haben bei ihren Burlesque-Shows nicht viel an – ziehen sich aber nie ganz aus.

Die Frauen haben bei ihren Burlesque-Shows nicht viel an – ziehen sich aber nie ganz aus.

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Die Burlesque-Tänzerin schlendert zu einem schnulzigen Lied von Marilyn Monroe über die Bühne. Sie trägt erotische, lichte Strapsen, die mit Haltern am schwarzen Dessous befestigt sind. Das Publikum hält den Atem an, als die junge, stark geschminkte Dame elegant auf einem Barhocker Platz nimmt. Über ihre Schultern hat sie eine Federboa gelegt, Glitzersteine funkeln und ihr Gesicht versteckt sie hinter einer geheimnisvollen Maske. Die Dame beginnt sich auszuziehen - ein Hauch von Moulin Rouge weht durch die Bar.

So oder ähnlich könnte die Stimmung heute Abend im Basler Sud sein, denn dort findet «An opulent night of Burlesque, Absinth & Swing» statt. Einen Striptease gibts allerdings nicht zu sehen: Eine Burlesque-Tänzerin zieht sich nicht aus, sie entledigt sich nur gewisser Kleidungsstücke.

Basel bietet Burlesque-Kurs an

Sybille Unterrainer, die an der Basler Klubschule Migros Burlesque-Tanzen unterrichtet, erklärt, wie es geht: «Burlesque-Tanzen ist eine Art erotisches Theaterstück. Die Tänzerinnen arbeiten mit Requisiten wie Fächer, Stühle oder Handschuhe.» Es gehe den Frauen in erster Linie darum, sich weiblich zu geben, sich selber zu spüren und selbstsicherer zu werden.

n Geschichte Bühnenshow unter Einfluss von Moulin Rouge

Burlesque als erotisch aufreizende Show entstand im 19. Jahrhundert. Die Show nannte sich eine britische Version der Pantomime. Im viktorianischen Zeitalter wurde diese Burlesque zum Symbol für eine Populärkultur der Arbeiter. Den Ursprung hatte die US-Burlesque in Gastspielen britischer und französischer Travestie-Shows seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die moderne Burlesque als Bühnenshow entstand unter dem Einfluss der grossen Pariser Varietétheater wie Moulin Rouge am Anfang des 20. Jahrhunderts. Popularität erlangte Burlesque als erotisches Entertainment schliesslich durch die Wanderzirkusse. Zurzeit gehört die 40-jährige US-Amerikanerin Dita von Teese zu einer der berühmtesten Burlesque-Tänzerinnen. (mum)

Der Basler Club Sud bringt heute also eine Show auf die Bühne, die bei den Menschen in Europa in den letzten Monaten auf immer grösseres Interesse stösst - auch zum selber Tanzen. Aerobic-Instruktorin Unterrainer nimmt gar das Wort Boom in den Mund: «Ich denke, die Faszination am Burlesque geht darauf zurück, weil heutzutage alle Menschen, gleich aussehen wollen. Nun möchten die Frauen wieder ihre Weiblichkeit zeigen, ihre Schönheit und Eleganz ausleben.» Durch die reizvolle, erotische Show und den andeutenden Striptease erhalten die Frauen Selbstvertrauen und können auf ihren Köper stolz sein, präzisiert sie.

Burlesque-Star aus Seattle ist dabei

Die international bekannte Burlesque-Tänzerin Syndi Deveraux aus Seattle hat für heute Abend den Weg ins Sud gefunden. Sie sei schon als Kind vom Burlesque-Glamour fasziniert gewesen. Denn: «Unsere Welt heute besteht nicht mehr häufig aus Glamour», sagt sie. Sie sei immer von den riesigen Frisuren und dem dicken Make-up der Damen aus den 50er-Jahren beeindruckt gewesen. «Ich wollte mich immer selber inszenieren.» Es gehe beim Burlesque-Tanzen aber nicht darum, sich auszuziehen, sondern: «Es geht um die schöne Art und Weise, dies zu tun», lacht sie.

Sybille Unterrainer bringt den neuesten Burlesque-Boom - in den 90er-Jahren war zuletzt einer auszumachen - mit dem Kinofilm «Burlesque» aus dem Jahr 2010 mit Christina Aguilera und Cher in Zusammenhang. «Damals haben wir gemerkt, dass das Bedürfnis nach einem Kurs wie diesem bei den Frauen steigt.»

Ein durchwegs schräger Abend

Dass eine Burlesque-Show bei den vor allem weiblichen Baslern auf Interesse stösst, hat Michael Gehri vom Sud Basel, unlängst festgestellt. Neben dem Röcke lüften und Korsagen lockern stehen noch andere Attraktionen auf dem Programm: eine Absinth-Degustation, Show-Cooking, ein Piano-Swing-Konzert und zum Schluss eine Party. «Wir wollen aus dem üblichen Konzept einer Party ausbrechen und einfach von A bis Z einen schrägen Abend auf die Beine stellen», erklärt der Programmleiter.

Ihm fällt auf, dass in Basel keine Burlesque-Shows durchgeführt werden. Er wolle im Sud einen Event auf die Beine stellen, der ein bis zweimal im Jahr stattfindet. «Aber der Abend ist aufwändig zu organisieren.» Neben Syndi Deveraux hat er die grossen Namen Scotty the Blue Bunny (US), Miss Indigo Blue, die amtierende Queen of Burlesque 2011 (US), Scarlett Martini (It) und die Schweizerin Roxy Diamond ins Boot geholt.

25. Februar 20 Uhr, Sud, Burgweg 7. 35 Franken mit Dresscode Burlesque, 20 & 30er-Jahre, 42 Franken normal.