Selfie-Wahn

Bitte winken! Diese neue Fotofalle blitzt jetzt die Basler Rheinschwimmer – direkt beim Floss

Basel Tourismus hat beim Floss einen Fotoautomaten für Schwimmer installiert – zwecks Stadt- und Rheinvermarktung. Wer ein Foto will, muss nur winken. Die Aktion dauert ab jetzt drei Wochen und ist eine Premiere im Wasser.

Das Gerät sieht unscheinbar aus, nur eine Fahne an der Ecke der Festivalbühne von «Im Fluss» macht darauf aufmerksam. Es handelt sich um einen extra für Rheinschwimmer entwickelten Fotoautomaten, der seit gestern Montag in Betrieb ist.

Wer vorbeischwimmt und winkt, löst durch die Geste die im Gehäuse steckende Fotokamera aus, die das gemachte Bild anschliessend automatisch auf eine Web-Plattform hochlädt. Von dort aus können sie die fotografierten Schwimmer teilen. Verantwortlich dafür ist Basel Tourismus. Der Verein erhofft sich durch das Teilen der attraktiven Bilder noch mehr Aufmerksamkeit für die grösste in Basel vermarktbare Sommer-Freizeitzone – den Rhein.

Ganz neu ist der Ansatz nicht. Einen ähnlichen Fotoautomaten hat die eingestellte «Tageswoche» zum Beispiel während der Basler Fasnacht mehrere Jahre lang beim Unternehmen Mitte eingesetzt. Wirklich neu allerdings ist die Umsetzung mitten im Rhein. Statt eines mittels Hand aktivierten Auslösers musste ein Programm entwickelt werden, das Gesten und Menschen erkennt, also eindeutig ausmachen kann, dass nun ein Foto gemacht werden soll.

Das Winken bedeutet «Ja, ich will aufs Bild.»

Das Winken dient gleichermassen als Einverständniserklärung, fotografiert zu werden. Die Gesichtserkennung dient lediglich der Absicherung, dass ein Mensch den Auslösemechanismus aktiviert. Gesichter werden keine gespeichert. Datenschutzrechtlich sei das alles abgeklärt, versicherten Vertreter von Basel Tourismus sowie der Projektgruppe, die den Apparat entwickelt und aufgestellt haben.

Bevor also der lustige Schnappschuss gemacht und geteilt wird, müssen einige Spielregeln eingehalten werden, auch von den Schwimmern. Gewunken wird erst unter der Fahne, die einen Abstand von vier Metern zum Floss sicherstellt, denn die mobile Bühne stellt eine Gefahrenzone dar. Zudem müssen sich die Schwimmer bewusst sein, dass sie einhändig schwimmen oder sich an einem Schwimmsack festhalten müssen, während sie winken.

Die Kamera signalisiert mit einem Aufhell-Blitz, dass das Foto gemacht wurde. Zudem leuchten im Kamerabehälter grüne LED-Lichter, wenn die Kamera einsatzbereit ist, rot wird es, während die Kamera etwa Bilder hochlädt. Das dauert dann drei Sekunden. Damit sie Fliessgeschwindigkeit und Wasserstand ausgleichen kann, ist die Kamera auf Steuerelementen positioniert, die eine Justierung mit optimalem Bildschnitt inklusive Münster-Kulisse zulassen.

Massgeschneiderte Foto-Lösung und Werbezwecke

Die Erfindung, an der massgeblich der Basler Fotograf Jean-Jacques Schaffner beteiligt war, ist kein billiger Gag. Das ganze Projekt hat laut Angaben an der Medienkonferenz vom Montag ein Budget von 30 000 Franken. Die realen Kosten lägen allerdings etwa beim Dreifachen. Unterstützt wurde die Entwicklung, bei der vom Algorithmus, über die Installation bis zu Gehäuse und Gestänge alles massgeschneidert ist, von der Uhrenfirma Oris, der Raiffeisen-Bank sowie dem Festival «Imfluss» von Tino Krattiger.

Von der Erfindung erhofft sich Basel Tourismus viel Aufmerksamkeit für Fluss und Schwimmkultur. «User Generated Content» sei ein grosser Trend im Marketing, sagte Anneke Geyer von Basel Tourismus, und spielte damit auf Instagram an, denn auch Influencer tun nichts anderes als solchen selbst gemachten Inhalt erstellen und zwecks Werbe- oder Markenbotschaft verbreiten. Nun soll das im Rhein jeder tun können.

Rheinfotos, auf denen man nicht zu sehen sein will, könne man nachträglich löschen lassen, sagte Geyer. Um die Fotos, deren Entstehung man per Winkebewegung zugestimmt hat, weiter nutzen zu können, muss man auf der Website http://fotopoint.basel.com die Nutzungsbedingungen akzeptieren. «Basel Tourismus und involvierte Kooperationspartner behalten sich das Recht vor, einzelne Bilder ohne Einschränkung zu verwenden», heisst es dort. Das bedeutet, der fröhliche Rheinschwumm kann noch lange für Werbezwecke verwendet werden. Die Aktion dauert noch drei Wochen und endet mit dem Festival «Imfluss» am 17. August.

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