Bilder des Jahres
Bilder des Jahres: Vom Flugzeug-Absturz zum neuen Kunstmuseum

Die bz-Ressortleiter haben gewählt: ihr Bild des Jahres. So kam eine Galerie an Schönem (neues Kunstmuseum), Schaurigem (Flugzeug-Absturz Dittingen), Speziellem (Baukran-Wald in Pratteln), und Politischem (Nationalratswahlen) zusammen. Und ein Foto mit zwölf Nasen, das an die Schulzeit erinnert …

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Eigentlich sind es drei Duos auf diesem Bild
6 Bilder
Bilder des Jahres der Basler Ressortleiter
Blick in den Neubaum im Kunstmuseum Basel
Inszenierter Auftritt mit hohem Symbolcharakter: Die zwölf Regierungsräte von Basel-Stadt und Baselland.
Baukräne - ein Signal für Fortschritt und Entwicklung?
Ein Flüchtling macht ein Selfie mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Eigentlich sind es drei Duos auf diesem Bild

Keystone/Georgias Kefalas

Mein Bild des Jahres von Bojan Stula, stv. Chefredaktor

Bilder des Jahres der Basler Ressortleiter

Bilder des Jahres der Basler Ressortleiter

zvg

Natürlich, da war die Betroffenheit über das Unglück, bei dem ein Pilot getötet wurde, und das ich zusammen mit meinen Söhnen als Augenzeuge verfolgen musste. Der Flugunfall von Dittingen am Sonntagvormittag des 23. August hat mich aber noch aus einem anderen Grund aufgewühlt. Er führte mir in Echtzeit vor, welch zwiespältige Rolle die Medien bei solchen Ereignissen spielen; ja, spielen müssen. Beim Apéro des Organisationskomitees nur Minuten vor der Luftkollision war ich der einzige Journalist unter den Gästen. In guter Stimmung stiess man auf ein unbeschwertes Flugfest mit Tausenden von Besuchern an.

Als sich die Nachricht des Absturzes innert Sekunden via soziale Netzwerke verbreitete, brachen meine Berufskollegen wie eine Lawine über das Flugfeld im Laufental herein. Die monatelange Arbeit der ehrenamtlichen Veranstalter war wegen einiger fataler Sekunden, vielleicht nur wegen einer unerwarteten Windböe, bedeutungslos geworden.

Stattdessen wurden die Verantwortlichen – auch von mir – bombardiert mit Fragen nach Sicherheitsbestimmungen und ob das Unglück mit besserer Organisation nicht hätte verhindert werden können. Abschliessend werden das erst die Untersuchungsbehörden klären können. Aber der ungewollte Perspektivwechsel an diesem Sonntagmorgen in Dittingen erinnerte mich daran, dass sich der Wahrheit nur selten mit einer Momentaufnahme beikommen lässt.

Mein Bild des Jahres von Nicolas Drechsler, Ressortleiter Basel-Stadt

Eigentlich sind es drei Duos auf diesem Bild

Eigentlich sind es drei Duos auf diesem Bild

Keystone/Georgias Kefalas

Es sind eigentlich drei Duos, die wir auf dem Bild sehen. Links vom Betrachter aus gesehen die beiden neuen: Christoph Eymann (LDP) und Sibel Arslan (Basta). Er, der Wiedergänger, der bereits 1991 im Nationalrat sass, als sie gerade in die Schweiz flüchtete. Die gemischte Botschaft Basels an die Restschweiz: Wir sind die Stadt der Elder Statesmen, des liberalen Bildungsbürgertums. Aber wir sind auch die Stadt der Linken, der Jungen, der Migranten. Beide holten sie ihren Sitz auf Kosten eines eigentlich stärkeren Bündnispartners: Eymann strafte die FDP nahezu im Alleingang ab, Arslan schlug die Grüne Mirjam Ballmer aus dem Feld.

Am anderen Ende der Reihe stehen Sebastian Frehner (SVP) und Beat Jans (SP, ganz rechts), zwei in Bern bereits etablierte Politiker, die beide durchaus Ambitionen für höhere Weihen haben. Jans hat den ersten Schritt dazu verpasst, er wurde nicht zum Fraktionspräsidenten der SP in Bern gewählt. Dafür hat er den zweiten genommen: Er ist nun Vizepräsident der SP Schweiz. Frehner dagegen blies im Wahlkampf plötzlich ein eisiger Wind ins Gesicht, als Christoph Blochers «Basler Zeitung» ihn tagelang attackierte. Ein Warnschuss aus der Parteizentrale?

Im Zentrum des Bildes die beiden Grandes Dames der SP Basel-Stadt in Bern: Ständerätin Anita Fetz (ohne Blumenstrauss), die auch ihre letzte Amtsperiode mit einem überragenden Wahlresultat in der Tasche angehen kann. Und Silvia Schenker, die auf nationaler Ebene bereits kurz nach den Wahlen zurückgebunden wurde, als die Fraktionsspitze sie nicht mehr in die staatspolitische Kommission delegierte. Sie beide durften nur mit einer Sondergenehmigung der SP überhaupt noch einmal kandidieren, eigentlich haben sie ihre Amtszeitbeschränkung längst erreicht.

Mein Bild des Jahres von Muriel Mercier, stv. Ressortleiterin Basel-Stadt

Blick in den Neubaum im Kunstmuseum Basel

Blick in den Neubaum im Kunstmuseum Basel

Kenneth Nars

Das Kunstmuseum Basel zählte schon bisher zur Weltelite unter den Kunstmuseen. Aber mit der Eröffnung des Neubaus und des fertig sanierten Hauptbaus wird es noch einen riesigen Schritt an die Spitze schaffen. In den neuen Räumen kann ab April 2016 endlich die gesamte Sammlung des Museums den Besuchern aus Basel und der Welt gezeigt werden. Bisher musste jeweils ein Teil der Kunstwerke ausgeräumt werden.

Im Neubau, erschaffen vom Architektenduo Christ & Gantenbein, werden künftig vor allem Sonderausstellungen gespielt. Ein grosser Eingriff wird die neue Treppenhalle sein, die ins Untergeschoss zum unterirdischen Verbindungsstück vom Haupt- zum Neubau führt. Der Eingang zum Seitentrakt zur Dufourstrasse ist zu einem grossen, lichten Tor aufgebrochen worden, die hohen Fenster des Seitentrakts sind geöffnet. Und das neue Tor führt zur hellen Halle mit der Treppe hinunter zum Verbindungstrakt. So gelangt das Tageslicht bis hinunter ins neue Untergeschoss. Zudem sind unter der Dufourstrasse neue Depots für Kunstwerke konstruiert worden. Im Zentraltrakt wird ein neuer Lichtschacht eingebaut.

Bis das neue Kunstmuseum im April eröffnet wird, können die Museumsliebhaber einen Teil der Sammlung im Museum für Gegenwartskunst und im Museum der Kulturen bewundern. Definitiv fertig wird das neue Kunstmuseum erst 2022 sein, denn ab 2018 folgen noch weitere Sanierungsetappen. Die Gesamtsanierung des Hauptbaus wird sich auf etwa 100 Millionen belaufen.

Mein Bild des Jahres von Hans-Martin Jermann, Ressortleiter Baselland

Inszenierter Auftritt mit hohem Symbolcharakter: Die zwölf Regierungsräte von Basel-Stadt und Baselland.

Inszenierter Auftritt mit hohem Symbolcharakter: Die zwölf Regierungsräte von Basel-Stadt und Baselland.

Nicole Nars-Zimmer

Wie Schüler sehen sie aus an den tiefen Pulten im Department of Biomedical Engineering der Uni Basel in Allschwil. Die zwölf Regierungsräte von Basel-Stadt und Baselland. Was auf den ersten Blick unordentlich wirkt, ist in Tat und Wahrheit ein inszenierter Auftritt mit hohem Symbolcharakter: Die Sitzordnung ist festgelegt, auf ein Regierungsmitglied der Stadt folgt eines vom Land. Selbst die Enge scheint gewählt: Da wird Einigkeit, der Schulterschluss zelebriert.

Als die Baselbieter Regierung im Juli ankündigte, bei Uni und Kultur sparen zu wollen, schien die Stimmung in der Partnerschaft am Tiefpunkt angelangt. Umso stärker wirkte dann dieser überraschende Auftritt der beiden Regierungen am 23. Oktober. Was sie in Allschwil verkündeten, darf als historisch bezeichnet werden: Dass ein Kanton (Basel-Stadt) den anderen (Baselland) mit 80 Millionen Franken subventioniert, damit dieser partnerschaftliche Verpflichtungen einhalten kann, ist in der 167-jährigen Geschichte des Bundesstaates ohne Beispiel – und anderswo in der Schweiz kaum möglich. Dass dieser historische Deal beider Basel von den nationalen Medien kaum thematisiert wurde, ist bezeichnend und unverständlich zugleich.

Mein Bild des Jahres von Benjamin Wieland, Leiter Ressort Gemeinden

Baukräne - ein Signal für Fortschritt und Entwicklung?

Baukräne - ein Signal für Fortschritt und Entwicklung?

Roland Schmid

In Schwellenländern hört man gelegentlich, es sei ein schlechtes Omen für eine Stadt, wenn man sie sofort wiedererkenne nach einer längeren Abwesenheit. Das sei ein Zeichen für Stillstand. Wenn aber gebaut werde, sei das ein Signal für Fortschritt und Entwicklung – man könne dann fast schon fühlen: hier wird investiert, hier geht es vorwärts. Ich bin mir nicht sicher, ob alle Autofahrer, die auf der A2 der Salina-Raurica-Ebene entlang unterwegs sind, diese Gefühle von Fortschritt hegen, wenn sie die roten Baukräne erblicken, die dort in den Himmel ragen. Viele denken sich wohl: Schon wieder wird eine Fläche überbaut. Dabei ist die neue Coop-Produktionsstätte, die da erstellt wird, das erste grosse Signal, dass sich im Baselbiet wirtschaftlich wieder etwas bewegt. Wenn auch nur zögerlich.

Die Wirtschaftsoffensive, die im neuen Jahr in die neue Standortförderung übergeht, hat vor allem die Agglomeration als Wachstumsgebiet definiert, diesen Teppich an Häusern, Strassen, Schienen und Wiesen, der sich in die Täler vor Basel gelegt hat. Allschwil, Reinach, Binningen und wie sie alle heissen müssen das gewünschte Wachstum tragen. Ich hoffe, dass diese Gemeinden es schaffen, ihr Gesicht zu bewahren – und trotzdem als Motor des Kantons funktionieren. Man soll die Orte nach ein paar Jahren Abwesenheit wieder erkennen, das schon. Es sollte aber auch sichtbar sein, dass sie sich wandeln. Es muss ja nicht immer eine Riesenbaustelle wie in Pratteln sein.

Mein Bild des Jahres von Bernhard Vesco, Leiter Bildredaktion

Ein Flüchtling macht ein Selfie mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Ein Flüchtling macht ein Selfie mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Bernd von Jutrczenka/epa/keystone

Begeistert macht ein Flüchtling in einem Empfangszentrum in Berlin ein Selfie mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Unbürokratisch liess sie Hunderttausende Menschen, die vor dem Bürgerkrieg in Syrien auf der Flucht waren, nach Deutschland einreisen. Auf der Fluchtroute über den Balkan spielte sich ein Drama ab, wie es Europa seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen hat. «Wir schaffen das», meinte Angela Merkel zu den Bedenken, Deutschland könnte mit dem Andrang der Flüchtlinge überfordert werden. Eine Welle der Hilfsbreitschaft erfasste die deutsche Bevölkerung. Flüchtlinge wurden mit Applaus begrüsst, Berge von Kleidern und Nahrungsmitteln wurden gespendet.

Der Begriff der Willkommenskultur etablierte sich, die Welt nahm ein Deutschland jenseits der fremdenfeindlichen Übergriffe wahr. Schliesslich kürte das US-Magazin «Time» Angela Merkel zur Person des Jahres. Begründet wurde dies damit, dass Merkel zeigte, «dass mit Werten wie Menschlichkeit, Güte, Toleranz die grosse Stärke Deutschlands zum Retten statt zum Zerstören genutzt werden kann. Es ist selten, einem Anführer bei dem Prozess zuzusehen, eine alte und quälende nationale Identität abzulegen.»

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