Bücher
Belesenes Kleinbasel - zwei neue Buchhandlungen öffnen im November

300 Meter. Das ist die Distanz zwischen «Müller Palermo» und dem «Kosmos», zwischen zwei Buchhandlungen, die im November im Kleinbasel zum ersten Mal ihre Türen öffnen.

Elena Manuel und Céline Feller
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Franca Schaad, Anna Weber und Simon Krebs wollen mit ihrem Buchladen «Kosmos» (hier noch vor der Eröffnung) Bücher kleiner Verlage ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken.

Franca Schaad, Anna Weber und Simon Krebs wollen mit ihrem Buchladen «Kosmos» (hier noch vor der Eröffnung) Bücher kleiner Verlage ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken.

Kenneth Nars

Es muss wohl Liebe zu Büchern sein. Anders lässt sich dieses Phänomen nicht erklären. Die Euro-Krise liess im Frühjahr die ausländischen Buchpreise in den Billigsektor sinken; die Schweizer Buchhändler mussten zusehen, wie auf Amazon Bestseller für rund sechs Euro verkauft wurden und ihre eigenen, mehr als doppelt so teuren Bücher im Verkauf liegen blieben. Die Folgen dieser Krise scheinen keinen Effekt auf den Buchhändler-Nachwuchs zu haben. Im Gegenteil: Im Kleinbasel eröffnen im November gleich zwei Buchhandlungen.

Handgemachtes Feines

An der Klybeckstrasse 69, neben dem Café Frühling, hat am vergangenen Donnerstag zum ersten Mal der Buchladen «Kosmos» seine Kasse eingeweiht. Es ist der erste Buchladen, den die drei Inhaberinnen Camilla Wüthrich, Franca Schaad, Anna Weber und der Inhaber Simon Krebs betreiben.

Ihr Sortiment umfasst bewusst eine kleine Anzahl erlesener Bücher, die in keinem anderen Laden in Basel erhältlich sind. Das sind vornehmlich von Künstlerhand gestaltete Werke aus Druckereien kleiner Verlage, aber auch aktuelle Titel von bekannten Autoren wie Lukas Bärfuss, Jonathan Franzen, Ruth Schweikert oder Juli Zeh.

«Wir haben grundsätzlich nichts gegen Mainstream-Produkte, aber die Werke kleiner Verlage sollen bei uns im Zentrum stehen», sagt die 24-jährige Franca Schaad. Zu dieser Auswahl gesellen sich zudem seltene Magazine und aussergewöhnliche Kinderbücher. Für die Anschaffung ihres Sortiments haben die Inhaber Kredite aufgenommen. Alle vier arbeiten nebenher als Kellner, als Garderobieren, sind Studenten, Illustratorinnen oder Verleger wie Simon Krebs des «Büro für Problem», welches Bücher in Handarbeit anfertigt.

Iris Müller, zusammen mit ihrem Partner Peter Gisi, in ihrem neuen Buchladen.

Iris Müller, zusammen mit ihrem Partner Peter Gisi, in ihrem neuen Buchladen.

Kenneth Nars

Vor nur drei Monaten haben sie endgültig den Entschluss gefasst, eine Filiale zu gründen, einen Monat später unterzeichneten sie den Mietvertrag.
Warum sie in diesen für den Buchhandel schwierigen Zeiten einen Laden eröffnen? «Es gab bisher keine Buchhandlung im Kleinbasel. Jeder, der ein Buch kaufen wollte, musste zuerst ins Grossbasel hinüber. Das wollten wir ändern», sagt Simon Krebs.

Kein Versand

Ein weiterer Grund sei, dass sie dem Trend, sich Lektüre im Internet zu beschaffen, eine Alternative bieten wollten. «Wir führen zwar eine Internetseite, aber wir organisieren keinen Versand. Sonst braucht es keinen Laden. Wir verkaufen Werke bei denen es wichtig ist, dass man sie in die Hand nehmen kann», erklärt Krebs. Einige ihrer Produkte sind zudem schwierig im Netz zu finden – sie haben keine ISBN-Nummer, sind handgemachte Unikate. Neben dem Verkauf organisieren sie Workshops – auch für Kinder – Lesungen und andere Veranstaltungen.

Mit der Idee, einen Buchladen im Kleinbasel zu eröffnen, sind die vier allerdings nicht alleine: Die Bibliothekarin Iris Müller hat ebenfalls einen Buchladen im Kleinbasel eröffnet. Ihr Laden «Müller Palermo» ist an der Bärenfelserstrasse 40 und somit nur 300 Meter vom «Kosmos» entfernt. Müller sowie die Kosmonauten haben nicht mit Konkurrenz gerechnet – zumindest nicht so früh. Krebs zeigt sich beim Treffen mit der bz aber gelassen. Es sei offensichtlich ein Bedürfnis, im Kleinbasel einen Buchladen zu gründen. Und: «‹Palermo› und ‹Kosmos› werden nicht dasselbe sein, davon sind wir überzeugt», sagt der 31-Jährige.

Doch Gemeinsamkeiten haben die beiden trotzdem – auch ganz ohne sich abzusprechen. Sowohl «Kosmos» als auch «Müller Palermo» haben am Sonntag geöffnet. Was eher ungewöhnlich ist für einen Buchladen, hat bei Müllers Laden einen ganz einfachen Grund: Ihr Geschäft, das am 14. November eröffnet wird, wird nur ihr Nebenerwerb sein. Zumindest vorerst. «Das Buch ist ein hartes Pflaster. Wirklich leben davon kann man nicht.» Deshalb arbeitet die gelernte Typografin weiterhin als Bibliothekarin. «Natürlich wäre es mein Traum, dass ich irgendwann davon leben kann.»

Bücher und Brot im Austausch

Doch so weit ist es jetzt noch nicht. Im Laden stapeln sich die noch verpackten Bücher, alles nimmt langsam Form an. Dass sie ihr Geschäft ausgerechnet im Kleinbasel eröffnet, ist kein Zufall. «Ich bin zwar keine Kleinbaslerin, aber ich lebe seit 30 Jahren hier. Zurzeit bewegt sich gerade sehr viel, es ist viel Neues am Entstehen. Es ist grosses Interesse da, sich zu vernetzen, davon kann man profitieren.» Auch deshalb will Müller nicht nur darauf setzen, ihre Bücher und das kleine Papiersortiment, das ebenfalls zu ihrem Angebot gehört, zu verkaufen.

«Ich will Veranstaltungen organisieren und einen Treffpunkt für Literatur schaffen.» Ihr Ziel sei es, mit dem Quartier zusammenzuarbeiten, mit Leuten und Läden aus ihrer Nähe. So seien Konzerte genauso geplant wie die Kooperation mit der Bäckerei Kult. «Es soll Bücher und Brot im Austausch geben. Alles ein bisschen querbeet eben», sagt sie und lacht. Bereits seien Anfragen bei ihr eingetroffen, Adventskränze auszustellen. «Diese Anfrage werde ich sicher annehmen, ich bin offen für ganz viel Buch-fremde-Ware.»

Wofür sie jedoch nicht zu gewinnen ist, sind E-Books. «Davon bin ich null Fan, deshalb werde ich auch keine in meinem Angebot haben.» Denn bei den E-Books geht für Müller das verloren, was Bücher für sie so faszinierend macht: «Eigentlich finde ich alles an Büchern toll. Aber das Material und die Aufmachung sind speziell wichtig.» Wenn sie beginnt, von ihrer Liebe zu Büchern zu sprechen, realisiert man, wieso es ihr noch nicht reicht, sich den ganzen Arbeitstag mit Büchern zu umgeben und sie ab Samstag dafür auch noch ihre Freizeit opfert.

Hommage an Stadt und Kino

In Ihrem Laden, dessen Name zum einen eine Hommage an die von ihr so geliebte Stadt Palermo und zum anderen an das Kino Palermo ist, welches in den 70er-Jahren in Basel existierte, wird der Schwerpunkt auf Belletristik gelegt. «Ich möchte langfristig auf Schweizer Autoren setzen, die etwas kleiner und unbekannter sind.» Anfangs werden es aber eher bekanntere Werke sein. Privat bevorzugt Müller amerikanische Bücher. Ein Lieblingsbuch könne sie aber nicht nennen. «Die Sprache muss mich fesseln, das Buch muss mit mir reden, dann gefällt es mir.» Und sie liebe die Welten, die ein Buch eröffnet und die Tatsache, dass Bücher eine Welt für sich sind. Ein eigener kleiner Kosmos eben.