Mobilität
Bei den Autokäufen in der Region gibt es einen Stadt-Land-Graben

In Basel-Stadt nehmen die Autokäufe jährlich ab, während im Baselbiet der absolute Fahrzeugbestand stetig wächst. An der Situation in der Stadt änderte auch die Pandemie nichts.

Elodie Kolb
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Seit neun Jahren nimmt die Zahl der Autokäufe in Basel ab.

Seit neun Jahren nimmt die Zahl der Autokäufe in Basel ab.

Nicole Nars-Zimmer

Seit Jahren werden in Basel weniger Autos verkauft. Wie Zahlen des Statistischen Amts Basel-Stadt zeigen, wurden von 2012 bis 2019 zwischen Januar und Oktober im Durchschnitt 3'163 Autos angemeldet, im vergangenen Jahr waren es nur noch 2'539. Seit neun Jahren wurden damit in Basel 2020 zwischen Januar und Oktober am wenigsten Autos eingelöst.

Auch der absolute Fahrzeugbestand nimmt seit 2015 ab. Dies, obwohl die städtische Bevölkerung weiter wächst: Laut Statistischem Amt wuchs die städtische Bevölkerung zwischen November 2015 und 2019 um knapp 5'000 Personen auf 202'123.

Kleine Haushalte verzichten häufiger auf ein Auto

Diese Entwicklung ist laut Alexander Erath, Professor für Verkehr und Mobilität an der Fachhochschule Nordwestschweiz, keine Ausnahme: «Diese Entwicklung sieht man in vielen Kernstädten der Schweiz.» Er führt dies auf mehrere Faktoren zurück: Einerseits sei der öffentliche Verkehr gerade in der Agglomeration besser ausgebaut als früher. Dank technologischer Innovation habe man zudem heute viel leichter Zugang zu Carsharing.

Ein weiterer Grund sei der Trend zu kleineren Haushalten, in denen häufiger auf ein Auto verzichtet werde. Und zuletzt lebten in der Stadt überproportional viele junge Menschen, die sich ein Auto nicht leisten wollten oder könnten. Dies zeigt sich auch beim Führerschein, den junge Leute heute später erwerben als in früheren Jahrzehnten.

Homeoffice liess Autoverkäufe stagnieren

Ein anderes Bild präsentiert sich auf dem Land. In der Agglo stagnieren die Autokäufe, was
Erath primär auf den Ausbau des öffentlichen Verkehrs zurückführt. Vor allem in den ländlichen Gebieten nehmen die Autokäufe aber zu.

Dies bestätigt ein Blick auf die Zahlen im Baselbiet: Im Landkanton wächst nicht nur die Bevölkerung weiter, sondern auch der Fahrzeugbestand von Personenwagen nimmt absolut und pro Person seit 1995 jährlich zu. Vor 25 Jahren waren im Baselbiet 119'324 Autos gemeldet, im Jahr 2019 bereits 164'741.

Der Stadt-Land-Graben hat sich in der jüngsten Vergangenheit vertieft. Auch im vergangenen Jahr, das vom Coronavirus geprägt war, wurden in der Stadt nicht mehr Autos eingelöst. Der Trend der letzten Jahre setzt sich laut Daten des Amtes für Statistik fort: Die Einlösung von Personenwagen nimmt weiter ab. Dies lässt sich wohl darauf zurückführen, dass viele Arbeitnehmende im Homeoffice arbeiteten und weniger das Haus verliessen.

Corona hat auch Einfluss auf öffentlichen Verkehr

«Die strukturellen Veränderungen in den Gewohnheiten, die durch das Coronavirus hervorgerufen wurden, werden langfristige Auswirkungen haben», glaubt Erath. Homeoffice sei für viele Branchen üblich geworden. Diese Arbeitsplätze liegen oft in Städten und in der Nähe von Stationen des öffentlichen Verkehrs. «Ohne Berücksichtigung des Bevölkerungswachstums wird deswegen auch die Nachfrage nach dem öffentlichen Verkehr eher sinken», schlussfolgert Erath.