Fussball
Basler WM-Song: «Insbesondere Kritiker verstehen die satirische Aufmachung nicht»

Der Basler WM-Song «Und jetzte rollt dr Ball» von der Band Les Wheels sorgte für viele Spekulationen. Mittlerweile ist offiziell bekannt wer hinter dem Projekt steckt. Im Gespräch mit der bz verrät der Songwriter, wie sie dazu kamen, einen WM-Song zu veröffentlichen.

Zoé Boll
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Im Bild zu sehen: Sänger und Gitarrist Philippe Chappuis (links) und Bassist Gabriel Hauser (rechts).

Im Bild zu sehen: Sänger und Gitarrist Philippe Chappuis (links) und Bassist Gabriel Hauser (rechts).

Les Wheels

Die Band Les Wheels veröffentlichte vor rund einer Woche den Baseldeutschen WM-Song «Und jetzte rollt dr Ball». Schnell machte er die Runde durch die regionalen Medien, wurde als Gegenpol von DJ Antoines «Ole Ole» betitelt. Doch die grosse Frage, wer hinter Les Wheels steckt, blieb offen. Erste Recherchen führten ins Leere. Keine Fotos, keine Website, selbst die offizielle Facebook-Seite setzte dem Rätseln kein Ende. Nun ist bekannt: Die Urheber des Basler WM-Songs ist die Band linus.maybe. Und diese gibt es bereits seit 2004.

Auf Anfrage der bz erklärt Sänger, Gitarrist und Songwriter Philippe Chappuis der Basler Band linus.maybe, was es mit der Neugründung auf sich hat: «Weil wir sonst nur englische Lieder singen und das Baseldeutsche nicht in unser Konzept passte, gründeten wir kurzerhand die Band Les Wheels.» Doch wieso das Versteckspiel? Auch darauf hat Chappuis eine Erklärung: «Wir haben entschieden, unsere Identität nicht an die grosse Glocke zu hängen.» Einen spezifischen Grund dafür gebe es jedoch nicht.

Neben dem Rätseln um die Urheber des Songs gab der Band-Name einiges zum Mutmassen. Chappuis: «Band-Namen sind generell ein schwieriges Thema. Entweder du suchst solange, bis du einen Namen findest, der der Hammer ist, oder du nimmst einfach den erstbesten.» Genau dies war bei dem Trio der Fall. Alle drei Band-Mitglieder sind bekennende Fans des britischen Humors. So stammt der Name Les Wheels aus einem Sketch von Monty Python. «Somit entschieden wir uns dafür, denn das passt perfekt zu uns.»

Feierabend-Band

Linus.maybe ist eine Feierabend-Band, wie Chappuis berichtet: «Wir machen schon seit einer gefühlten Ewigkeit Musik, weil wir es cool finden.» Vor zehn Jahren haben sie auf die Europameisterschaft hin den Song «Not Another Football Song» veröffentlicht. Diesen hätte das Trio mehr oder weniger aus dem Ärmel geschüttelt, ein explizites Ziel strebten sie damit nicht an.

Auch mit ihrem aktuellen Fussball-Song verfolgte die Band keine konkreten Ambitionen. «Als Musiker kommt man an einen Punkt, an dem man mit neuem Sound und Instrumenten experimentieren will», erklärt der Sänger. So kam ihm unter der Dusche – als der Song «Party Like A Russian» von Robbie Williams lief – plötzlich die Zeile «und jetzte rollt dr Ball und dr Vladimir isch froh» in den Sinn. Kurz darauf stellte Chappuis die Idee eines Baseldeutschen Lieds seinen Band-Kollegen vor. Eins führte zum anderen, und die Band Les Wheels wurde ins Leben gerufen.

Thema Russland als heisses Eisen

Chappuis beschreibt das Lied «Und jetzt rollt dr Ball» selbst als Satire oder Schnitzelbank. Gerade durch den satirischen Text wurde es zum Gegenentwurf von Dj Antoines «Ole Ole». Der Leadsänger fügt hinzu: «Beabsichtigt war das nicht, ich wusste nicht einmal, dass Dj Antoine einen WM-Song veröffentlicht.»

Zwar ist das Lied als Gag gedacht und soll Leute zum Schmunzeln bringen, jedoch wird es nicht immer als humoristische Kunstform erkannt. Insbesondere Kritiker seien jene, die die satirische Aufmachung nicht verstünden. Laut Chappuis ist das entsprechende Setting mitverantwortlich dafür, wie etwas aufgefasst wird: «Wenn wir mit unserem Song als Schnitzelbank aufgetreten wären, in einem Keller und mit Larven, würde wohl jeder die Ironie verstehen.» Auf YouTube, wo Les Wheels ihr Lied veröffentlichte, gibt es diesen Rahmen nicht.

Er weiss aber auch, nicht nur das fehlende Setting sorge dafür, dass Kritik ausgeübt werde. Das Thema Russland ist an und für sich ein heisses Eisen, wie es Chappuis nennt. «Wenn man dazu eine Satire veröffentlicht, bewegt man sich sofort in einem Minenfeld von Kritikern.»

Nichtsdestotrotz möchte die Band keine Interpretation des Song-Textes vorgeben. Jeder soll sich ein eigenes Bild davon machen. «Mein Eindruck ist aber, dass die meisten Leute verstehen, um was es geht», fügt der Sänger und Gitarrist an.

Les Wheels als einzigartige Geschichte

Les Wheels verfolgen selbstverständlich die WM-Spiele. «Gerade Philipp Vonder Mühll, der Schlagzeuger, und ich sind extrem grosse Fussball-Fans», berichtet Philippe Chappuis. So fiebere er beispielsweise für die Schweiz mit, solange sie halt dabei ist.

Aber mit der diesjährigen WM geht schliesslich auch das Projekt Les Wheels zu Ende, denn weitere Songs sind nicht geplant. Chappuis: «Das Ganze bleibt eine einzigartige Geschichte.»

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