Nächstenliebe
Basler Studentin strickt Mützen für syrische Flüchtlinge

Die Basler Studentin Corinne Gasser will den Kindern in den Flüchtlingslagern Hoffnung geben - und vor allem auch Wärme. Mit ihren gehäkelten und gestrickten Mützen sollen die Flüchtlingskinder den harten Winter überstehen.

Silvana Schreier
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Sie strickt Mützen für Flüchtlinge in Syrien
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Bereits rund 200 Mützen sind zusammengekommen
Sie häkelt nicht alle selber, sondern fordert ihre Mitmenschen dazu auf, mitzuhelfen.

Sie strickt Mützen für Flüchtlinge in Syrien

Martin Töngi

Millionen von syrischen Flüchtlingen leben in Lagern in Jordanien, im Libanon oder in der Türkei. Viele sind unterernährt und frieren. Es herrscht ein kalter Winter, teilweise liegt in der Region Schnee. In den Camps fehlt es an allem. Darunter leiden auch die Kinder.

«Es geht für sie ums nackte Überleben», sagt Corinne Gasser. Die 25-Jährige verfolgt die Entwicklungen in Syrien seit Monaten. Vor allem das Schicksal der Kinder beschäftigt sie. «Ich habe kein Geld, um zu spenden, aber ich habe Zeit.» Diese investiert sie nun in ihr Hobby: das Häkeln von Mützen. Früher habe sie damit Freunde und Familie beschenkt. Jetzt sollen die warmen Mützen in die Flüchtlingslager. «Ich möchte den Kindern eine Freude bereiten», sagt sie mit Blick auf die bunte Mützenauswahl.

Mehr als 200 Mützen bis jetzt

Als die Idee stand, richtete Gasser eine Facebook-Seite ein, um auf ihre Aktion aufmerksam zu machen. Bereits nach wenigen Tagen hatte sich die Botschaft weitherum verbreitet. Aus der Schweiz und aus Europa erhielt die Masterstudentin Rückmeldungen. Der nächste Schritt war die Homepage «strickwaerme.ch», die ein Freund für sie einrichtete.

Jetzt, fast vier Wochen später, wurden bereits mehr als 200 Mützen eingeschickt. «Diese Woche bringen zwei Brüder aus Zürich die Ladung nach Jordanien», erzählt Gasser. Es handelt sich dabei um Jasser und Omar Kassab. Sie haben syrische Eltern und engagierten sich bereits mehrmals in Jordanien als freiwillige Helfer. Mit ihrem Verein «Syrian Refugee Crisis» unterstützen sie nun auch Corinne Gasser in ihrem Vorhaben.

«Ohne ihre Hilfe, so wie die meiner Freunde und Bekannten, wäre die Bewältigung der ganzen Arbeit nicht möglich.» Gasser geht es nicht nur um die Spenden, sie möchte «den Leuten bewusst machen, wie dramatisch die Situation ist». Die Hoffnung auf Besserung schwinde bei den Flüchtlingen von Tag zu Tag.

Mit den bunten Mützen möchte Gasser ein Zeichen setzen und vor allem den Kindern ein Stück heile Welt schenken. Die Zeit sei genau richtig für ihr Projekt, da viele Junge dem Do-it-yourself-Trend folgten. Auch engagieren sich ältere Leute: «Sie erzählen mir von der Nachkriegszeit. Sie wissen von damals, wie es ist, zu frieren.»

Gasser möchte möglichst bald selbst ein Flüchtlingslager in der Türkei oder in Jordanien besuchen. Dafür würde sie auch ihr Masterstudium in Wirtschaftswissenschaften vorübergehend auf Eis legen. Doch noch wird sie hier gebraucht. Denn die Arbeit wird nicht weniger: «Als Nächstes möchte ich einen Verein gründen, damit ich ein Spendenkonto einrichten kann.» Viele würden lieber spenden, statt zu stricken. Das Geld wird sie aber nicht für Wolle ausgeben. Ihr Ziel ist es, einen Container bezahlen zu können, der eine grosse Menge an Strickwaren in die Krisengebiete und Flüchtlingslager liefern könnte. Oder damit weitere Projekte zu unterstützen, die längerfristig den Flüchtlingen helfen.

Syrien ist nicht das einzige von Krisen geplagte Land, das ist auch Corinne Gasser bewusst. Armut, Hunger und Kälte gibt es an vielen Orten. «Aber irgendwo muss man anfangen.» In den letzten Wochen erhielt die gebürtige Luzernerin auch Anfragen von Hilfswerken. «Eine Stiftung wollte wissen, ob ich auch Mützen für krebskranke Kinder in der Schweiz stricken würde.» Dies sei ein mögliches nächstes Projekt. Eines ist für Gasser sicher: Nach ihrem Masterabschluss möchte sie in der Entwicklungshilfe arbeiten.