Basler Strafgericht
Streit um die Kinder: Vater hält Pass der Tochter zurück, damit sie mit der Mutter nicht mehr in die Türkei reisen kann

Das Basler Strafgericht verhängte gegen den heute 57-jährigen Vater aus Basel eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 30 Franken.

Patrick Rudin
Drucken
Teilen
Ohne Pass konnte die Tochter nicht in ihre zweite Heimat reisen.

Ohne Pass konnte die Tochter nicht in ihre zweite Heimat reisen.

Symbolbild: Erdem Sahin / EPA

Es war eine Scheidung, bei der nur noch ein grosser Scherbenhaufen übrig blieb: Gewaltvorwürfe, Geldforderungen, Streit um die Obhut der beiden Kinder und schliesslich ein zurückbehaltener Pass. Das Basler Strafgericht fällte am Freitag einige Freisprüche, verhängte gegen den heute 57-jährigen Man aus Basel aber dennoch eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 30 Franken.

«Sie ist Opfer häuslicher Gewalt. Während der Ehe über zehn Jahre wurde sie regelmässig geschlagen, gewürgt, gestossen, getreten, erhielt Ohrfeigen und wurde an den Haaren gezogen», betonte Opfervertreterin Nuray Ates am Freitag im Gerichtssaal. Verteidiger Roman Hänggi hingegen sprach von Falschbezichtigungen. «Die Frau ist nie zum Arzt gegangen. Bis heute weigert sie sich, die Namen ihrer Psychiater bekanntzugeben und diese von der Schweigepflicht zu entbinden», so Hänggi.

Geheiratet hatten die Frau und der Mann im Jahr 2003, nach der Trennung im Jahr 2013 übertrug das Zivilgericht der Frau die Obhut über die beiden damals neun und sieben Jahre alten Kinder.

Im Sommer 2014 eskalierte dann die Situation

Der Vater ging mit beiden Kindern in die Türkei in die Ferien und soll laut der Frau dann gedroht haben, nicht mehr zurückzukehren, wenn er nicht wieder bei ihr einziehen dürfe. Auch habe er sie mit dem Tode bedroht. Schliesslich willigte sie ein, warf ihn aber nach einer Woche wieder zur Wohnung hinaus, weil er sie geschlagen haben soll. Verteidiger Roman Hänggi hielt diesen Punkt für völlig unglaubwürdig: Die Frau habe den Mann zuerst bei sich aufgenommen und dann rausgeschmissen.

«Hätte sie tatsächlich um ihr Leben gefürchtet, dann hätte sie sich anders verhalten.»

Ende 2014 ging die Obhut für beide Kinder auf den Vater über, die Ehe wurde geschieden. Nach den Sommerferien kehrte der Mann zuerst alleine und dann später mit beiden Kindern im August 2015 erst drei Tage nach Schulbeginn zurück. Laut ihm ein Missgeschick wegen eines verpassten Fluges, die Frau erstattete diesmal Anzeige wegen Entziehung von Minderjährigen.

Dieser Punkt führte allerdings am Freitag zu einem Freispruch, auch andere Vorwürfe waren nicht eindeutig bewiesen. Gerichtspräsident Lucius Hagemann betonte allerdings, die Frau habe in der Hauptverhandlung grundsätzlich authentisch gewirkt. Es gebe keinen Grund, ihre Aussagen aufgrund ihrer Lebensgeschichte in Zweifel zu ziehen. Der 57-Jährige kassierte deshalb Schuldsprüche wegen versuchter Körperverletzung, versuchter Nötigung und Drohung.

Ohne Pass bekam sie auch Probleme wegen der Aufenthaltsbewilligung

Am meisten geärgert hat den Mann allerdings wohl der Schuldspruch wegen Unterdrückung von Urkunden: Seit einer Reise in die Türkei im Jahr 2019 behielt er den Pass der Tochter zurück, diese kann deshalb nicht mehr mit ihrer Mutter reisen und hat auch Probleme beim Verlängern der Schweizer Aufenthaltsbewilligung. Er erklärte sich bereit, den Pass zurückzugeben, verlangte aber im Gegenzug eine Ausreisesperre für die Tochter.

Das Gericht erliess am Freitag die Weisung, den türkischen Reisepass der Tochter herauszugeben oder der Ausstellung eines neuen türkischen Reisepasses schriftlich zuzustimmen. Eigentlich hatte bereits die KESB im letzten Jahr eine ähnliche Verfügung erlassen. Der 57-Jährige betonte noch im Gerichtssaal, dass er das Urteil weiterziehen werde.

Unklar blieb der genaue Hintergrund einer Art «Flucht» der Frau: Im April 2017 zog sie in die Türkei, die Kinder lebten fortan bei ihm in Basel. Ende 2017 kehrte sie wieder zurück, musste aber zuerst wieder um ihre Aufenthaltsbewilligung kämpfen. Heute lebt die Tochter bei der Mutter, der Sohn hingegen beim Vater.

Aktuelle Nachrichten