Basler Strafgericht
«Shoot White Police Officers»: Gericht gibt notorischem Sprayer letzte Chance

Ein 27-jähriger Sprayer wurde vom Basler Strafgericht wegen öffentlicher Aufforderung zu Gewalt verurteilt.

Patrick Rudin
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Der 27-Jährige hat nur acht Sprayereien zugegeben, bei denen er in flagranti erwischt wurde (Symbolbild).

Der 27-Jährige hat nur acht Sprayereien zugegeben, bei denen er in flagranti erwischt wurde (Symbolbild).

Severin Bigler

Das Dreiergericht ging am Mittwoch leicht über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus: Es verurteilte den 27-jährigen Sprayer zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten.

Alleine für den Schriftzug «Shoot White Police Officers» an der Basler Zeughausstrasse sah das Gericht ein Strafmass von fünf Monaten als angemessen, es bewertete das Graffiti als Öffentliche Aufforderung zu Verbrechen oder zu Gewalttätigkeiten. «Damit haben Sie eine rote Linie überschritten. Das war nicht einfach jugendlicher Unsinn, sondern durchaus überlegt», sagte Gerichtspräsidentin Susanne Nese. Der Mann hatte den Schriftzug im Mai 2020 anlässlich der «black lives matter»-Proteste angebracht, sich zur Urheberschaft aber nicht geäussert.

Der 27-Jährige hatte lediglich acht Sprayereien zugegeben, bei denen er in flagranti erwischt worden war. Doch das Gericht kam bei insgesamt rund 30 Kunstwerken zum Schluss, dass der 27-Jährige dabei die Spraydose geführt hatte. Nese betonte, seine Werke seien markant und einzigartig, und auch das Material auf seinem Instagramm-Account sei dazu passend.
«Da ist offenbar jemand am Werk, der sein Handwerk versteht», sagte Nese. Dazu käme die zeitliche und räumliche Nähe der einzelnen Sprayereien.

In insgesamt zehn Fällen gab es Freisprüche oder Verfahrenseinstellungen, weil die Urheberschaft nicht eindeutig war oder der Strafantrag von den Geschädigten zu spät gestellt wurde. Der Mann muss rund 20'000 Franken an Verfahrenskosten, Urteilsgebühren, Bussen und Zivilforderungen bezahlen.

Hausarrest mit Fussfessel nicht möglich

Das Gericht entschied sich trotz der Delikte während eines laufenden Strafverfahrens noch knapp für eine bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe, weil der Mann bislang noch nicht vorbestraft war. Es verlängerte die Probezeit aber auf drei Jahre, bei erneuten Straftaten müsste er die Strafe absitzen.

Die Richter staunten nicht schlecht, als der Mann am Mittwoch nach der Urteilseröffnung fragte, in welcher Haftanstalt er denn bei einem Rückfall die Strafe absitzen müsse. Ihm wurde kurz erklärt, dass ein Hausarrest mit elektronischer Fussfessel bei diesem Strafmass nicht mehr möglich wäre.

Aufgefallen ist der Mann auch im März 2021, als er mit dem Zug von Bern nach Basel fuhr und sich dabei trotz Aufforderung des Personals weigerte, eine Maske zu tragen. Als der Zug in Basel ankam, warteten Securitrans-Mitarbeiter auf ihn und fragten nach einer Masken-Dispens.

Er verneinte, woraufhin er nach seinem Ausweis gefragt wurde, daraufhin flüchtete er. Einer der Securitrans-Männer konnte ihn einholen und packen, beide fielen im Gerangel auf das Gleis. Die Episode brachte dem 27-Jährigen auch eine Verurteilung wegen Verstosses gegen das Epidemiengesetz sowie wegen Hinderung einer Amtshandlung ein. Das Urteil kann der Mann noch weiterziehen.

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