Basler Strafgericht
Im Luxusambiente Essen und Trinken: Falscher Multimillionär schlich sich in den Club de Bâle

Ein 67-Jähriger schlich sich in den Club de Bâle und übernachtete gratis in Hotels – er wurde zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

Patrick Rudin
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Der Club de Bâle ist nur für ausgewählte Personen zugänglich.

Der Club de Bâle ist nur für ausgewählte Personen zugänglich.

Archivbild: Nicole Nars-Zimmer

Er hat ein bisschen in der Welt der Reichen herumgeschnuppert und so gelegentlich den Hauch von Exklusivität genossen: Als millionenschwerer Unternehmer aus Luxemburg wurden dem heute 67-jährigen Mann fast überall die roten Teppiche ausgerollt. Tatsächlich ist der Mann wegen Vermögensdelikte bereits mehrfach vorbestraft, sass schon im Gefängnis und lebt wegen massiver Beitragslücken von einer minimalen AHV-Rente von monatlich 516 Franken.

Im November 2018 war nach aussen hin die Welt noch in Ordnung: Erfolgreich stellte er den Antrag, in den exklusiven Club de Bâle am Rheinsprung aufgenommen zu werden, und verpflichtete sich damit zur Zahlung des jährlichen Mitgliederbeitrages von 12924 Franken. Der Betrag gelangte nie auf das Konto des Clubs, derweil gelangte der 67-Jährige aber zwei Wochen lang dennoch zu Speis und Trank: Die zuständigen Personen liessen ihm «Dienstleistungen in Form von Verköstigungen im Umfang von insgesamt 4258 Franken zu ihrem eigenen Schaden angedeihen», wie die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft fast schon prosaisch festhält.

Welche Köstlichkeiten aufgetischt worden sind, blieb am Mittwoch vor dem Basler Strafgericht unerforscht, doch der 67-Jährige gab die Sache unumwunden zu.

Club hätte die Angaben überprüfen müssen

Verteidigerin Patricia Jenny wies darauf hin, dass ihr Mandant lediglich den Schadensposten von 4258 Franken als Zivilforderung anerkenne, nicht aber die Jahresmitgliedschaft. Für eine Verurteilung wegen Betruges reiche das Vorgehen hier sowieso nicht, denn der Club hätte die falschen Firmenangaben auf dem Formular leicht überprüfen können. Einzelrichter Roland Strauss folgte dieser Logik und fällte einen Freispruch: Von einem geschlossenen Club, der seine Mitglieder aussuche, könne man erwarten, dass er auch überprüfe, wer Mitglied wird.

Bei einem Basler Hotel hingegen war das Vorgehen des Mannes deutlich dreister: Die ersten Übernachtungen bezahlte er regulär, später wohnte er quasi auf Kredit und wickelte die Inhaber gar in angeblich geplante Geschäfte ein. So inszenierte er den Kauf einer teuren Villa in Riehen, zur Besichtigung bestellte er sogar einen Notar hinzu, der einen ersten Entwurf des Kaufvertrages aufsetzen sollte. Aus dem Hauskauf wurde zwar nichts, doch die Hotelbesitzer boten dem vertrauenswürdigen und grosszügigen Geschäftsmann derweil Kost und Logis, und während einer kurzfristigen «Notlage» liehen sie ihm auch noch 1000 Franken. Am Ende sassen sie auf offenen Rechnungen von insgesamt 7500 Franken. Der Mann anerkannte diesen Betrag als Zivilforderung, und das Gericht kam bei der ganzen Geschichte zu einem Schuldspruch wegen Betruges.

2000 Franken für Rohdiamant-Geschäfte

Auch in einem anderen Hotel wohnte der 67-Jährige kostenlos, und während eines Aufenthaltes in den Universitären Psychiatrischen Kliniken lernte er einen Mann kennen, dem er vom grossen Geschäft mit angeblichen Rohdiamanten erzählte: Er kassierte vom potenziellen Kunden schon mal eine Vorauszahlung von 2000 Franken ein.

Einzelrichter Roland Strauss verhängte am Mittwoch eine unbedingte Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Der Verurteilte sei zwar geständig und auch psychisch angeschlagen, angesichts der «unzähligen» Vorstrafen sei aber hier kein bedingter Vollzug mehr möglich.

Die Verteidigerin hatte bereits gewarnt, ihr Mandant sei wohl nicht hafterstehungsfähig. Das Urteil kann er noch weiterziehen. Seine Clubmitgliedschaft hat er inzwischen verloren.

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