Basler Strafgericht
27-Jähriger beim Sprayen erwischt: Staatsanwältin fordert 14 Monate bedingt

Wer sprayte «Shoot white police officers» an die Mauer? Ein Graffitikünstler muss sich wegen öffentlicher Aufforderung zu einem Verbrechen vor dem Basler Strafgericht verantworten.

Patrick Rudin
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Ein 27-jähriger Mann steht wegen Sprayereien vor dem Basler Strafgericht (Symbolbild).

Ein 27-jähriger Mann steht wegen Sprayereien vor dem Basler Strafgericht (Symbolbild).

Archiv bz

«Na ja, grundsätzlich bin ich schon ein paar Mal erwischt worden», räumte der 27-jährige Mann am Dienstag im Gerichtssaal seelenruhig ein. Geduldig gab er Auskunft und betonte gelegentlich, dass er dazu nun nichts mehr sagen möchte.

Im August 2019 erwischte man ihn beim Sprayen, als er an einer Lärmschutzwand bei der Ruchfeldstrasse in Münchenstein den Schriftzug «Savoir» anbrachte. Das Werk blieb unvollendet, und an anderen Orten, an denen er gestört wurde, blieb gar nur ein unleserlicher Schriftzug zurück: So etwa im November 2020 auch in Basel beim Bahnhof SBB, wo er ebenfalls in flagranti beim Sprayen ertappt wurde. Im Januar 2021 verewigte er sich in Bern mit einem schwarzen Filzschreiber gar auf einem Polizeifahrzeug direkt vor einem Polizeiposten, was ebenfalls nicht unbemerkt blieb.

Staatsanwaltschaft machte 40 Schäden aus

Acht Fälle von Sachbeschädigung gab der Mann am Dienstag im Basler Strafgericht zu, doch die Liste der Anklage ist deutlich länger: Die Staatsanwaltschaft hat 40 Vandalismusschäden ausgemacht, die sie ihm zurechnet. Die Zivilforderungen für die Reinigung belaufen sich insgesamt auf knapp 80'000 Franken.

Der 27-Jährige hat eine Lehre als Werbetechniker und danach visuelle Kommunikation an der Basler Hochschule für Gestaltung absolviert. Derzeit lebt er aber bei seinen Eltern im Kanton Bern und hat keine Arbeit. Nach den «Black Lives Matter»-Protesten in den USA im Mai 2020 soll er auch mit weisser Farbe an eine Mauer an der Basler Zeughausstrasse den Schriftzug «Shoot white police officers» angebracht haben, was ihm zusätzlich eine Anklage wegen öffentlicher Aufforderung zu einem Verbrechen eingetragen hat.

«Subjektive und unbelegte Vermutungen»

Die Zuordnung der Graffiti hat ein Szenekenner der Jugendanwaltschaft Bern vorgenommen, Verteidiger Julian Imfeld bezeichnete diese Einschätzungen indes als «subjektive und unbelegte Vermutungen». Auch sei in vielen Fällen das Künstlerkürzel «DWEK» verwendet worden, aber eben nie in den Fällen, in denen man seinen Mandanten beim Sprayen erwischt habe. Die meisten der angeklagten Sprayereien seien nicht von ihm.

Staatsanwältin Bettina Tanner betonte hingegen, der 27-Jährige sei in der Lage, grosse Schriftzüge freihändig derart präzise zu zeichnen, als seien die einzelnen Buchstaben mit einem Lineal angeordnet worden.

Durch die örtliche und zeitliche Nähe diverser Sprayereien könne man deshalb die Arbeiten durchaus ihm zuordnen. Da der Mann noch nicht vorbestraft ist, forderte sie trotz seiner «Unbelehrbarkeit» eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten. Dazu solle man eine Bewährungshilfe anordnen. Das Dreiergericht fällt das Urteil am Mittwoch.

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