Performance

Basler Musiker: Tobias Koch zeigt im Theater Roxy sein erstes grosses Stück

Tobias Koch: In der Kunst, im Theater, im Tanz und im Film unterwegs.

Tobias Koch: In der Kunst, im Theater, im Tanz und im Film unterwegs.

Koch ist für seine fast 33 Jahre schon beachtlich weit herumgekommen. Mit Alexandra Bachzetsis hatte er unter anderem Auftritte an der Documenta 14 in Kassel, im Centre Pompidou in Paris oder am MoMa in New York.

Tobias Koch tanzt. Das tut er sonst nicht, denn eigentlich ist er Musiker. Es ist ein Line Dance, oder eine Abwandlung davon, den er leichtfüssig auf den schwarzen Bühnenboden tippelt. Neben ihm der französische Tänzer Thibault Lac im Gleichschritt. Der schwedische Künstler Tore Wallert schaut ihnen zu. Er hat den beiden eine Landschaft aus Podesten gebaut. Die Stühle für das Publikum sind rundherum platziert. In einigen Tagen ist Premiere des Stücks «Such Sweet Thunder» hier im Theater Roxy in Birsfelden.

Die Drei kennen sich aus früheren Zusammenhängen. Koch hat für Wallerts Kunstvideos Musik komponiert. Den Tänzer Thibault lernte er während einer Arbeit mit der Basler Choreografin Alexandra Bachzetsis kennen, für die er ebenfalls Musik produziert hat. 2017 haben Koch und Thibault ihr erstes kurzes Stück herausgebracht, praktisch ohne finanzielle Mittel. «Wir konnten ‹Dive› während einer zweiwöchigen Residenz im Zürcher Tanzhaus produzieren», erklärt Koch.

«Das gibt uns Schub.»

Danach zeigten sie die Performance in Lausanne, Basel und Bordeaux, wo Thibault lebt. «Dive» fand Beachtung. Für ihren zweiten Streich, «Such Sweet Thunder», flossen bereits Unterstützungsgelder. Und die Koproduzenten aus Zürich, Luzern, Bern, Losone, Zug und Lausanne haben das Stück ungesehen gebucht. «Das ist toll», sagt Koch. «Das gibt uns Schub.»

Nach der Tanzeinlage kniet Koch auf einem Podest vor seinem Computer. Thibault tanzt in Zeitlupe zu den schleppenden Beats. Es ist ein Zwiegespräch zwischen Musiker und Tänzer, das die beiden hier inszenieren. Später wird Koch einen kleinen Lautsprecher an einem Lasso durch den Raum schwingen.

Er wird wieder tanzen, er wird singen, eine schräg verfremdete Version von «Hotel California» wird den amerikanischen Albtraum heraufbeschwören, eine Stimme, die Johnny Cash gehören könnte, wird ein Gedicht von García Lorca rezitieren. Kochs Musik tönt wie das Echo eines Echos, wie ein längst vergessener Gesang. Was Koch und Thibault skizzieren, ist teilweise rätselhaft, aber atmosphärisch stimmig. Der einstündige Durchlauf ist gefühlt im Nu vorbei.

Musiker, seit er denken kann

Koch ist für seine fast 33 Jahre schon beachtlich weit herumgekommen. Mit Alexandra Bachzetsis hatte er unter anderem Auftritte an der Documenta 14 in Kassel, im Centre Pompidou in Paris oder am MoMa in New York. Als Sounddesigner für den Regisseur Sebastian Nübling war er an den Wiener Festwochen, den Münchner Kammerspielen oder im Gorki Theater in Berlin tätig.

Nübling lernte er als Teenager im Jungen Theater Basel kennen. Zweimal war Koch als Schauspieler auf der Bühne, dann wechselte er nach hinten, zur Musik.

«Ich wollte immer schon Musiker werden», erzählt der 33-Jährige beim Kaffee nach der Probe. Er ist in Basel aufgewachsen, in einer kunstaffinen Familie, hat die Steinerschule besucht. Zwei Geschwister sind heute im Sozialbereich tätig. Sein Bruder Michael Koch lebt als Filmregisseur in Berlin, seine Schwester Dominique Koch als Künstlerin in Paris und Basel.

Bereicherung

Die drei kooperieren in unterschiedlichen Projekten. «Das ist angenehm, wir kennen uns, die Wege sind kurz», sagt der Musiker, dessen Klänge die Kunstvideos der Schwester und die Filme des Bruders bereichern. Ihm ist bewusst, dass es ein Privileg ist, in einer solchen Familie aufzuwachsen. Er habe seine Eltern nie von seiner Berufswahl überzeugen müssen.

Mit fünf bekam er von ihnen, auf eigenen Wunsch, ein Kinder-Cello, später spielte er Schlagzeug. Für die weitere Ausbildung wollte er vor allem eines: weg aus Basel. Aber weder Jazz noch Klassik zogen ihn an. Letztendlich fand er sein Traumstudium doch an der hiesigen Hochschule für Musik. Er studierte dort Audiodesign. Heute lebt er hier und in Berlin und produziert dort, wo er gerade gefragt ist. Die Stadt Basel hat Tobias Koch 2017 als Sounddesigner mit dem Filmpreis ausgezeichnet.

Das Theater als Konzentrationsort

«Mich interessiert als Format dieser Hybrid aus Performance und Konzert», sagt Koch zur eben absolvierten Probe. Er mag den Theaterraum, der, anders als derjenige beim Popkonzert, höchste Konzentration bietet. Hier könne auch mal die Musik im Vordergrund stehen, oder eben der Musiker als Performer auftreten. Dem Dossier zu «Such Sweet Thunder» stellt Koch eine Frage voran: «Schlafwandeln wir durch unseren Wachzustand – oder spazieren wir bei Bewusstsein durch unsere Träume?»

Eigentlich wisse er noch gar nicht genau, wieso ihn Träume derart interessieren würden, sagt Koch. Vielleicht sei es darum, weil seine Generation durch die neuen Medien ein anderes, seltsames Verhältnis zur Zeit habe. «Alles geschieht gleichzeitig und parallel. Wir surfen auf der Oberfläche des Internets wie in Träumen. Auch dort switchen wir von Szene zu Szene, beinah ohne es zu merken.» Dass er nicht versteht, was ihn umtreibt, beunruhigt ihn nicht. Im Gegenteil: Das unbekannte Terrain ist sein Terrain. Deshalb lässt er sich auch darauf ein zu tanzen.

«Such Sweet Thunder» Premiere ist am Samstag, 19. Januar. Bis 26. Januar. Theater Roxy Birsfelden.

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