«After Work Studio»
Basler Modelabel verkauft Kleider von London bis Tokio, doch: «In Basel sind wir noch auf der Suche»

Das Label «After Work Studio» hat vor zwei Wochen den Design Preis Schweiz gewonnen – jetzt laufen die Drähte heiss.

Rahel Koerfgen
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Karin Wüthrich und Matthias Fürst lassen zu 70 Prozent in der Schweiz produzieren – diese nachhaltige Einstellung wollen sie aber nicht an die grosse Glocke hängen.

Karin Wüthrich und Matthias Fürst lassen zu 70 Prozent in der Schweiz produzieren – diese nachhaltige Einstellung wollen sie aber nicht an die grosse Glocke hängen.

Kenneth Nars

Das Studio befindet sich in einem Innenhof am Bläsiring, winzig ist es. Zwölf Quadratmeter vielleicht, zwei Computer, Auszüge von Lookbooks an den Wänden, der Prototyp einer Jacke hängt an einer Puppe. «Die Jacke gehört zur neuen Kollektion, die wir im Januar in Paris vorstellen», sagt Matthias Fürst. Seine Freundin Karin Wüthrich und er brauchen nicht mehr Platz, die Kollektionen für ihr Label «After Work Studio» entstehen digital.

In diesem kleinen Studio, an diesen beiden Computern wird Grosses entworfen. Kleidung, die international Anklang findet und in Seoul, in London, Wien, Amsterdam und bald in Tokio, Osaka, Moskau und Zürich in den Läden hängt. «In Basel sind wir noch auf der Suche. Es ist ein Traum, dass ‹Set&Sekt› am Rümelinsplatz uns aufnimmt, das wäre cool», sagt Wüthrich.

Gut möglich, dass das kein Traum bleibt. Wüthrich und Fürst, die an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel Mode- respektive Graphic Design studiert haben, reiten auf einer Erfolgswelle: Im September an der Mode Suisse gefeiert, haben die beiden 36-Jährigen vor zwei Wochen in der Kategorie Fashion den prestigeträchtigen Design Preis Schweiz gewonnen. Sie gehörten zu den Hoffnungsträgern der Schweizer Modeszene, die Entwürfe bezeugten eine bemerkenswerte gestalterische Reife, teilte die Jury mit. Seither laufen die Drähte heiss. Unter anderem interessiert sich ein Schweizer Brillenlabel für eine Kollaboration.

«After Work Studio» wurde vor bald vier Jahren gegründet. Und schon nach dieser kurzen Zeit hat sich das Label ein klares Profil zugelegt. «Wir verbinden Sportlichkeit und Feminität mit futuristischen Schnitten und einer Neuinterpretation von Strick», bringt es Wüthrich auf den Punkt. Es sei ihnen wichtig, dass ihre Mode überall getragen werden könne, ob es nun die Outdoorjacke oder der Merino-Pullover mit dem knalligen grafischen Muster sei.

Zusammenarbeit mit Schweizer Produzenten

Die Pullover würden besonders in Asien gut ankommen, erzählt Fürst. Das für «After Work Studio» charakteristische Muster stellt Zäune in einem verzerrten Design dar: «Das ist subtile Gesellschaftskritik, weil das Muster die Tendenz symbolisieren soll, überall Zäune und Mauern zu bauen, sich abzuschotten.»

Wüthrich und Fürst arbeiten aus Überzeugung mehrheitlich mit Schweizer Unternehmen – etwa einer Strickfirma aus Huttwil – zusammen. «Wir sind Schweizer, also wollen wir auch hier arbeiten und herstellen lassen», sagt Wüthrich. Man habe nie die volle Transparenz, wenn man im Ausland produziere, so Fürst: «In der Schweiz können wir flexibel, sehr kreativ sein – und behalten die Kontrolle. Wir haben uns also nicht nur aus sozialen und ethischen, sondern auch aus pragmatischen Gründen dazu entschieden.»

Dass sie «sustainable» sind, wollen sie jedoch nicht für Marketingzwecke missbrauchen. «Nachhaltiges Handeln sollte heute normal sein», sagt Wüthrich. Trotz der Produktion in der Schweiz könnten die Kleider von «After Work Studio» zu einem guten Preis gekauft werden; ein Pullover aus Merinowolle etwa kostet 270 Franken. Reich werden die beiden damit (noch) nicht. «Wegen der tiefen Stückmenge sind wir noch nicht auf dem Level, uns einen vollen Lohn ausbezahlen zu können», sagt Fürst. Aber so in zehn Jahren hofften sie, davon leben zu können. Und sich im Haus am Bläsiring ein grösseres Studio zu leisten.