Sommercasino

Basler Band-Phänomen «Bleu Roi»: Eine Familie weicht vom Muster ab

Jennifer Jans ist die Stimme des Basler Quartetts Bleu Roi. (zvg)

Jennifer Jans ist die Stimme des Basler Quartetts Bleu Roi. (zvg)

Das Basler Quartett Bleu Roi hat einen Zweitling mit dem Titel «Dark/Light» erschaffen. Er wird heute Abend im Sommercasino Basel getauft.

Der Albumtitel verspricht Gegensätze: «Dark/ Light» heisst das zweite Album von Bleu Roi – die sieben Songs sind unterteilt in eine dunkle und eine helle Seite. Harmonischer dagegen gestaltet sich die Besetzung der Basler Band: Bleu Roi dürfte das einzige Quartett der Region sein, das sich aus zwei Schwestern, zwei Brüdern und einem Liebespaar zusammensetzt.

Im Zentrum von Bleu Roi steht Jennifer Jans. Die 31-Jährige schreibt die Songs, gibt ihnen eine Stimme, posiert für Promobilder und beantwortet die Journalistenfragen. Etwa jene nach dem Weg von der Songidee zum fertigen Arrangement: Da gebe es verschiedene Vorgehensweisen, so Jans. «Bei vielen Songs habe ich bereits eine klare Idee und investiere viel Zeit in die Vorproduktion, die meist am Computer stattfindet.»

Auf dem Zweitling, den das Quartett in Göteborg eingespielt hat, seien sie aber auch bewusst von diesem Muster abgewichen. So bestand der Song «Onomatopoetry (Dark)» anfänglich nur aus einer einzelnen Synthesizermelodie. Der Rest sei dann erst im Studio entstanden, so Jans: «Innerhalb von einem Tag haben wir dann alle Ideen zusammengetragen und das Lied aufgenommen.»

Eine Familie versteht sich im Blindflug

Dass Bleu Roi so effizient arbeiten können, wenn es eine Idee erfordert, hat mit der Zusammensetzung der Band zu tun: Jans ist seit langen Jahren mit Gitarrist und Co-Sänger Axel Rüst (nebenher bei Cloudride) liiert. Ihre Schwester Imogen bedient das Keyboard und steuert ebenfalls Backingvocals bei, während Axels Bruder Stefan am Schlagzeug sitzt.
Diese Konstellation bedeute, dass die Musiker «vielleicht etwas direkter» seien, wenn es darum geht, künstlerische Differenzen auszubügeln: «Aber wir versöhnen uns auch schnell wieder.»

Jans sieht Bleu Roi als Familie mit einem «sehr intensiven» musikalischen Verständnis füreinander: «Wir brauchen uns manchmal gar nicht gross mit Wörtern auszudrücken, sondern verstehen uns einfach.»

Bei aller Harmonie im Bandgefüge stehen bei «Dark/Light» zumindest textlich die Gegensätze im Zentrum. Beim Schreibprozess seien Themen wie «Hoffnung und Angst, Trauer und Freude, Genuss und Schmerz, Entzückung und Ernüchterung» aufgetaucht, sagt Jans. Schon früh habe sich die Band entschieden, daraus ein zweigeteiltes Konzeptalbum zu kreieren.

Dabei habe sich die Zuweisung der einzelnen Songs beim Aufnahmeprozess nochmals verändert. «Illinois (Light)» etwa hätte einen «sehr dunklen Text», musikalisch sei das Lied aber «sehr hell und hoffnungsvoll» geraten. Musik sei ohnehin subjektiv, so Jans. Sie überlasse es also gerne den Zuhörern, die Songs auf «Light/ Dark» der einen oder anderen Kategorie zuzuweisen.

Durchaus streitbar sind diesbezüglich die beiden gelungensten Songs des Albums: Sowohl «Crysanthemum (dark)» als auch «Onomatopoetry (dark)» werden von der Band der dunklen Seite zugeordnet, obschon sie, was die Stimmung angeht, durchaus sehr hell funkeln: Beim erstgenannten prallen sperrige Synthesizer auf einen luftigen Beat und gedoppelte Stimmen mit Anleihen bei Björk. Bei Letzterem werden tiefe, warme Streicher von einer massiven Kickdrum erschüttert. Und immer wieder finden sich die drei Gesangsstimmen (an einer Stelle verstärkt durch einen 20-köpfigen Chor) zu Mantras zusammen: «The information I’m given is unperfect» heisst es einmal. Und andernorts: «I am tired of your self fulfilling prophecies.»
Zu einigen der Stücke findet man auf den einschlägigen Plattformen stimmige Videoclips (Stephan Rüst beweist hier sein Können abseits des Schlagzeugs), welche die Ruhe und Weite der Musik unterstreichen.

Schwieriger dürfte es jedoch werden, die durchdachten Studio-Arrangements auf die Bühne zu bringen. Jans ist sich dessen bewusst: «Wir haben entsprechend viel Zeit in die Live-Umsetzung investiert.» Kürzlich haben sich Bleu Roi für ein Wochenende im Sommercasino verschanzt, um die Songs im Bühnensound zu erproben. Da liegt es auf der Hand, dass das Quartett ebendort auch seine Plattentaufe geben wird.

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