Corona

Basel-Stadt lanciert erste App für Coronapatienten: Der Kanton ist jetzt ein Vorreiter

Die sogenannte «COVID Care App» wurde vom Basler Gesundheitsdepartement entwickelt. Nun stösst die Anwendung bereits schweizweit und auch im Ausland auf Interesse.

Wer am Coronavirus erkrankt, aber nicht hospitalisiert werden muss, wird nach Hause in die Isolation geschickt. Und Mitarbeitende der Medizinischen Dienste des Basler Gesundheitsdepartements kontaktieren die Personen fast täglich. Gemäss neusten Zahlen des Kantons Basel-Stadt sind derzeit 16 Personen in Isolation. Dazu kommen 14 Kontaktpersonen, die sich in der zehntägigen Quarantäne befinden. Das würde 30 Telefonate pro Tag für den kantonsärztlichen Dienst bedeuten.

Da absehbar ist, dass die Fallzahlen zwar abnehmen, aber die Betreuung der Erkrankten weiter geht, hat das Gesundheitsdepartement zusammen mit der Firma KPMG die «COVID Care App» entwickelt, wie gestern mitgeteilt wurde. In der Anwendung können Patientinnen und Patienten täglich einen Fragebogen zu ihrem Befinden, den Symptomen und ihrem Alltag ausfüllen. Der Kanton wertet die Daten jeweils aus und ruft die Betroffenen an falls nötig. Ausserdem sind in der App weitere Informationen zum Coronavirus oder den aktuellsten Entwicklungen verfügbar.

App enthält keine Trackingfunktion

Das Verwenden der App ist freiwillig. Die Anwendung werde neuen Coronapatienten angeboten, sollten sie sich aber nicht dafür registrieren wollen, würden sie weiterhin telefonisch betreut, betont Simon Fuchs, stellvertretender Kantonsarzt und Leiter der Sozialmedizin des Kantons Basel-Stadt. «Bei geringen Fallzahlen ist eine persönliche, engmaschige Betreuung noch möglich. Sollten die Zahlen aber zunehmen, kann die App uns beim Betreuen helfen», so Fuchs zur bz. Der Erstkontakt bei einer Neuinfektion finde jedoch weiterhin telefonisch statt.

Die App steht laut Fuchs nicht in Zusammenhang mit der ETH-App, die der Bund zur Nachverfolgung des Coronavirus lancieren will. Denn eine Trackingfunktion hat die Basler Anwendung nicht. Vielmehr gehe es um «Contact tracing»: «Dafür ist es wichtig, dass wir möglichst schnell alle Personen ausfindig machen können, die mit einer infizierten Person in Kontakt standen», so Fuchs. Solche Kontaktpersonen müssten anschliessend für die Quarantäne instruiert werden.

Basel-Stadt agiert als Pionier

Entwickelt wurde die «COVID Care App» von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG. Marc-André Giger, Leiter der Abteilung Öffentliche Verwaltung bei KPMG, sagt: «Drei Wochen arbeitete mein Team daran.» Der Kanton Basel-Stadt nehme mit der Lancierung eine Pionier-Rolle ein. Mittlerweile hätten aber bereits andere Kantone Interesse an der Anwendung angemeldet. So Diese seien daran, eine App zu entwickeln. Auch eine Delegation der wissenschaftlichen Taskforce des Bundes habe sich darüber informiert.

Dazu kommen Anfragen aus dem Ausland: KPMG stellte die App den Schwesterfirmen in den USA, in Grossbritannien, Deutschland, Schweden, Kanada und Südafrika vor. Mit den jeweiligen nationalen oder lokalen Gesundheitsdepartementen werde nun abgeklärt, ob die Anwendung eingeführt werde, so Giger. Je nach Bedürfnis könnten auch Anpassungen vorgenommen werden.

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