Versicherung und Vorsorge
Baloise Group CEO Strobel: «Wer nicht innovativ ist, verliert den Anschluss»

Baloise Group CEO Martin Strobel erklärt den zentralen Konzernwert Innovation und die damit verbundenen Risiken. Um die Innovation bei der Baloise immer zu fördern, hat die Versicherungs-Gruppe einen Kundenbeirat, der die Wünsche der Kunden darlegen.

Stefan Schuppli
Drucken
Teilen
Martin Strobel: «Was bei Schäden häufig unterschätzt wird, sind die psychologischen Effekte.»

Martin Strobel: «Was bei Schäden häufig unterschätzt wird, sind die psychologischen Effekte.»

Stefan Borer

Innovation bedeutet immer auch Risiko – das Risiko des Scheiterns. Versicherer dürften aber von Natur aus eher risikoscheu sein. Wie geht ein Versicherer mit diesen Widersprüchen um?

Martin Strobel: Innovation ist für uns zentral, sie ist eine unserer zentralen Konzernwerte. Denn wenn man nicht innovativ ist, dann stellt man sich nicht auf die Kundenbedürfnisse ein, geht nicht mit der Zeit, verliert den Anschluss. Das Thema Sicherheit ist uns bei der Innovation sehr wichtig, und dies ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Es geht um die Frage: Wie können wir unsere Kunden sicherer machen? Und hier haben wir sicher noch viel Spielraum.

Und die mit Innovation verbundenen Risiken?

Da muss ich schmunzeln. Risiko ist das Kerngeschäft einer Versicherung. Versichern bedeutet das Managen von Risiken. Der Umgang mit Risiken heisst, dass man sich bewusst wird, welche Arten von Risiken entstehen können, und das machen wir natürlich auch bei Innovationen. Und dann ist es umso wichtiger, diese Risiken auch zu steuern und sie einzudämmen.

Welche Innovationen hat denn Baloise in letzter Zeit eingeführt oder umgesetzt?

Einige. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie vom Kunden aus gehen. Der Kunde muss etwas davon haben. Wir sprechen sehr viel und systematisch mit Kunden, mit Privatkunden, Geschäftskunden, Grossfirmen. Unsern Kunden liegt natürlich viel an der funktionierenden Versicherung im Schadenfall, dass geholfen wird, dass die versprochene Leistung erbracht wird. Aber noch wichtiger ist ihnen die Sicherheit, das heisst, dass Schäden schon gar nicht entstehen, oder dass den Kunden auf einer ganz anderen Ebene geholfen wird.

Ein Beispiel?

Viele Schweizerinnen und Schweizer fühlen sich bedroht durch die steigende Zahl der Einbrüche. Da gibt es einerseits die materielle Ebene. Was aber häufig unterschätzt wird, sind die negativen psychologischen Effekte: Da war jemand im Haus und hat in meinen Schubladen gewühlt, Möbel aufgebrochen, da wurde die Privatsphäre grob verletzt. Die Baloise bietet hier psychologische Betreuung an. Ein weiteres Beispiel: Viele Autofahrer fühlen sich nach einem Unfall sehr verunsichert. Da bieten wir gezielt Fahrsicherheitstrainings an, damit man wieder Selbstvertrauen schöpft, wieder sicherer wird im Strassenverkehr.

Sind diese in den Tarifen inbegriffen, oder gibt es diese Leistungen nur mit einem Zusatz?

Sie können einen «Sicherheitsbaustein» erwerben, beispielsweise für den Hausrat oder die Fahrzeugversicherung. Wir haben eine überraschend hohe positive Resonanz für diese Bausteine. Rund 50 Prozent der Kunden buchen zusätzlich solche «Bausteine».

Und was tut sich bei der Baloise derzeit im Bereich der Firmenversicherungen?

Auch dort gibt es ein weites Feld für Innovation, etwa in der Logistik. Die ganzen Logistikketten müssen sicherer werden. Wir haben hier mit der ETH Zürich zusammengearbeitet. Das Transportgut kann mit Sensoren versehen werden, die beispielsweise Erschütterungen und Bewegungen messen. So kann festgestellt werden, an welchen Umladestellen die meisten Schäden entstehen. Auch hier geht es um Schadensvermeidung. Denn die Firmen wollen nicht nur den finanziellen Schaden abgedeckt haben, sie wollen in erster Linie, dass die Ware intakt beim Kunden ankommt. Transportschäden sind immer ein Riesenärger. Ein Drittel aller transportierten Waren weist solche Schäden auf. Mit solchen Sensoren lässt sich diese Zahl auf 15 Prozent halbieren. Inzwischen werden wir auch von produzierenden Firmen direkt angesprochen, weil wir auf diesem Gebiet bei der Innovation führend sind.

Wie fördern Sie Innovation in Ihrem Betrieb?

Wir haben einen Kundenbeirat, dessen Mitglieder uns ungeschminkt die Meinung sagen. Und dann bilden wir Teams, die innovative Lösungsansätze für Probleme suchen. Anschliessend werden die Lösungsideen intensiven Tests unterzogen. Wir müssen uns immer fragen: Hilft das dem Kunden wirklich? Da gibt es auch überraschende Erkenntnisse, an die wir nicht gedacht hatten. Beispielsweise, dass sich ältere Menschen sehr oft Selbstverteidigungskurse wünschen.

Und bieten sie diese jetzt an?

Ja, das ist einer unserer Sicherheitsbausteine.

Die Polizei hat Vorbehalte, Selbstverteidigungstechniken im Ernstfall einzusetzen.

Richtig. Im Zweifelsfall soll man nicht die Konfrontation suchen, heisst es. Wir wissen das, und das fliesst bei diesen Kursen auch ein.

Welche Bedeutung hat der Standort Basel für Baloise?

Natürlich eine sehr grosse. Wir wurden hier gegründet, unser Name ist direkt mit Basel verbunden, wir bauen hier aus. Die Zahl der Mitarbeitenden hier in Basel ist von 2009 bis 2011 um 320 Personen angestiegen, weil wir gewisse Service- und Gruppenfunktionen nach Basel gebracht haben.

Aktuelle Nachrichten