Nachdem die Ballettschuhe geschnürt sind, folgen einige Aufwärm- und Dehnübungen. Die kleine Gruppe reflektiert sich in den zahlreichen Spiegeln an den Wänden. «Das Theater hat Sommerpause, deshalb trainieren wir in den Räumlichkeiten am Klosterberg», erklärt die Schulleiterin der Ballettschule Theater Basel, Amanda Bennett, die die sechs jungen Tänzer unterrichtet. Morgen würde ein Grossteil von ihnen nach Hause reisen, sagt Bennett. Das heisst, nach Australien, Portugal, Spanien, Rumänien und in andere Städte der Schweiz.

Die beiden Schweizerinnen der Gruppe, Pauline Richard und Valentina Voci, können ihre Familien auch während der Schulzeit am Wochenende besuchen. Mar Escoda Llorens aus Spanien hingegen sieht ihre Familie nur selten: «Es ist hart. Doch meine Familie weiss, dass dies eine grosse Chance für mich bedeutet», sagt sie.

Renommierter Studienplatz

Gemeint ist damit die Gelegenheit der Ausbildung an einer renommierten Ballettschule wie derjenigen in Basel. Um aufgenommen zu werden, durchliefen alle Bewerber ein Aufnahmeverfahren. «Alle sechs machen die berufliche Grundausbildung als Bühnentänzer mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis», erklärt Bennett. Die Berufslehre dauert drei Jahre. «Morgens um 8.15 Uhr beginnt das Training, drei Stunden lang. Dann gehen wir zur Schule, bevor wir am Abend erneut tanzen», schildert Pauline Richard den Tagesablauf. Donnerstags und freitags ist schulfrei, da wird noch mehr geübt, insgesamt seien es 20 bis 25 Wochenstunden, sagen die Schüler.

Auch die Auswahl an Schulfächern ist ganz auf ihre Tanzausbildung abgestimmt: «Wir werden beispielsweise in den Fächern Anatomie, Tanzgeschichte und Musikgeschichte unterrichtet», sagt Mihai Costach, der aus Rumänien stammt.

Die Schüler sind seit ein bis zwei Jahren in Basel und zwischen 16 und 18 Jahre alt. Einige von ihnen wohnen im hauseigenen Internat der Ballettschule, andere in einer Gastfamilie. Die zwei Schweizerinnen teilen sich eine Wohnung. Da sei der Aufwand nochmals um einiges grösser, sagt Pauline Richard: «Wir müssen zusätzlich zu unserem Pensum noch den Haushalt schmeissen – Einkaufen, Kochen, Putzen, Waschen. Da hat man schon genug zu tun», meint die 18-Jährige. Auf die Frage, was sie denn an ihrem einzigen freien Tag täten, antwortet Mar Escoda Llorens sofort: «Sonntags schlafe ich!»

Schwierige Zukunftsaussichten

Das strenge Programm hat seinen Grund. Denn einfach ist es auch mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis im Tanz nicht, eine Anstellung zu finden. «Die Konkurrenz ist sehr gross», erklären die zukünftigen Tänzer. Die Träume und Ziele sind vielfältig. «Klassisches Ballett, das würde ich gerne tanzen, wo ist egal», meint eine aus der Gruppe. «Ich will nach Amerika!», meint eine Weitere. Auch England ist beliebt, mehrere könnten sich vorstellen, später einmal auf der Insel zu arbeiten. Andere sind noch offener: «Mir ist das Land nicht wichtig, Hauptsache ich finde eine Anstellung.»

Um sich optimal auf die Bewerbungen und die damit verbundene Audition vorzubereiten, stehen bereits Aufführungen und Bewerbungen für Stipendien auf dem Stundenplan.

Valentina Voci gelangte letztes Jahr an ein Stipendium. Sie gewann einen Studienpreis der Migros. Auch dieses Jahr nimmt sie teil, gemeinsam mit vier weiteren Schülerinnen der Ballettschule Theater Basel. Doch vorerst beendet Bennett die Stunde:

«Ihr könnt die Spitzenschuhe nun wieder ausziehen», sagt sie zu den Schülern. Diese folgen der Aufforderung dankend. Wirklich bequem sind sie wohl doch nicht, diese Schuhe.