Kaserne Basel

Aziza Brahim: Eine Stimme gegen das Unrecht

Aziza Brahim gehört dem Volk der Sahraui an.

Aziza Brahim gehört dem Volk der Sahraui an.

Die Sängerin Aziza Brahim trägt den friedlichen Kampf für die Freiheit ihres Volkes in die Kaserne.

Die Sahraui sind ein Volk ohne Land. Als sich Spanien Mitte der 1970er aus der Westsahara zurückzog, annektierten Marokko und Mauretanien das Territorium. Seitdem leben Hunderttausende Sahrauis in Flüchtlingslagern in der algerischen Wüste oder im spanischen Exil. Mit der Frente Polisario bildete sich eine Befreiungsarmee, andere Westsaharer kämpfen mit gewaltfreien Mitteln für die Freiheit. Zu ihnen gehört die Sängerin Aziza Brahim, die mit ihren Liedern gegen das Jahrzehnte andauernde Unrecht ansingt. Ihre Alben sind regelmässig auf Spitzenpositionen der Weltmusikcharts zu finden. «Sahari», Brahims sechstes Werk, unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von den Vorgängern.

Das beginnt beim Cover, auf dem man eine junge Ballerina mitten in der Wüste sieht. «Dieses Bild der Fotografin Ana Valiño ist voller Hoffnung und Würde, und es drückt zugleich Träume aus», sagt Brahim. «Träume öffnen unabhängig von den Orten, an denen wir sie haben, einen Weg, in diesem Fall in der so grausamen Wüste, wo ja schon die blosse Existenz zu einer Art Widerstand wird. Das Bild steht symbolisch für einen Konflikt, der nie gelöst wurde.»

Gleichgewicht zwischen Tradition und Experiment

Auch der Sound von «Sahari» geht einen ungewöhnlichen Weg, den der Inklusion elektronischer Elemente. Verantwortlich dafür ist die spanische Musikerin Amparo Sánchez, die Aziza Brahim schon länger kennt und bewundert. «Meine Priorität war, mithilfe von Amparo, die sich da gut auskennt, mit dieser Art von Klängen zu experimentieren und gleichzeitig meinen Stil und die Besonderheit meiner Musik im Gleichgewicht mit diesen neuen Facetten zu halten», betont Brahim. «Die traditionellen Elemente sind nach wie vor sehr präsent, etwa in den Rhythmen Agarran, Serbat, Agassar oder Charaa. Und dann greife ich immer wieder auf die traditionelle Trommel Tabal zurück, ein Instrument, das seit Jahrhunderten exklusiv von Frauen gespielt wird, um Gesänge und Lieder zu begleiten, die spirituell oder religiös sein können, aber auch bei Festen in Gebrauch sind.»

Immer wieder kommt in ihren Zeilen zum Ausdruck, dass ihr Kampf ein friedlicher ist. Trotzdem wird sie regelmässig zensiert, werden Auftritte ohne Angabe von Gründen und finanziellem Ausgleich abgesagt. Einen internationalen Skandal zog das gecancelte Abschlusskonzert beim Festival «Arabofolies» im Pariser Institut du Monde Arabe Anfang 2019 nach sich: Die marokkanischen Sponsoren drohten den Veranstaltern, sie würden ihre Gelder zurückziehen, wenn Brahim aufträte. Das Institut gab dem Druck nach.

Wie sieht nach über 40 Jahren Leid und Exil der Weg in eine friedliche Zukunft für die Sahraui aus? «Im Prinzip ist das ganz einfach», meint Aziza Brahim. «Die Resolutionen der Vereinten Nationen, die das Referendum für eine Selbstbestimmung des Sahraui-Volkes unterstützen, müssen respektiert werden. Die Politiker der internationalen Gemeinschaft sollten auf die Regierung Marokkos Druck ausüben, dass sie endlich davon ablässt, diesen Weg zu blockieren.» Marokko, das sich seit einigen Jahren in puncto Demokratie und zivilgesellschaftliche Freiheiten wieder in eine restriktivere Richtung bewegt, macht momentan jedoch keine Anstalten, sein dunkles Kapitel zu bewältigen. Die Stimme von Aziza Brahim wird wohl noch eine ganze Weile gegen das Unrecht ansingen müssen.
 

Aziza Brahim
Kaserne Basel
Do, 21. November
20 Uhr
www.kaserne-basel.ch

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