Werkraum Warteck
Auf dem Turm der Brauerei den Feierabend geniessen

Die ehemalige Brauerei Warteck hat neue Bewohner: In den neun Stockwerken des Malzsilos haben Ateliers, eine Kultur-Unterkunft und ein Gastronomie-Lokal ihr Zuhause gefunden.

Delphine Conzelmann
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Der Kunstraum Warteck mit der Treppe, die bereits ein Wahrzeichen ist.

Der Kunstraum Warteck mit der Treppe, die bereits ein Wahrzeichen ist.

Kenneth Nars

Eine traumhafte Aussicht ist es, die Fabian Haldimann jeden Morgen an seiner Arbeit begrüsst. Der Koch weiss um sein Privileg: Von der Dachterrasse auf dem Malzsilo der Warteck-Brauerei hat man von oben ganz Basel im Blick.

Im Winter wurde der Umbau fertig. Im ehemaligen Malzturm sind neun Stockwerke geschaffen worden, die im Rahmen des Vereins Werkraum Warteck diverse innovative Projekte beherbergen. «Wir wollen Leute ins Wettsteinquartier bringen», erklärte Fritz Rösli, Vereinspräsident, das Ziel.

Für Diskussionen sorgte die markante neue Aussentreppe, die Potenzial zum neuen Markenzeichen des Malzturms hat. Ihre 113 Stufen haben der Kulturbeiz 113 im obersten Stock des Gebäudes ihren Namen gegeben. Das Lokal ist eines der verschiedenen Projekte, die fünf Monate nach dem Umbau nun ins Malzsilo gezogen sind. Die Bewohner scheinen auf gutem Weg zu sein, ihr Ziel, mehr Menschen ins Quartier zu locken, zu erreichen.

Feierabendbier bis Viergänger

Am 13. und 14. Juni hat die Kulturbeiz 113 mit einer zweitägigen Feier ihre Eröffnung begangen. Bereits im März haben die vier Wirte, Karin van der Pluym, Christine Müller, Pascal Sandrin und Koch Fabian Haldimann, mit dem Ausbau der Lokalitäten begonnen: Die Küche mussten die vier Gastro-Unternehmer eigenhändig einbauen und auch die Tische sind selbst geschreinert. «Wir wollten die Beiz von Anfang an mit Wohnzimmercharakter gestalten», sagt Haldimann. Zurzeit ist es aber nicht die «gute Stube», sondern vor allem die Dachterrasse, die die Gäste in die Kulturbeiz lockt und ihnen ein fabelhaftes Panorama eröffnet. Einen Anblick, den auch Haldimann in ruhigeren Minuten gerne geniesst.

Schon seit 1998 ist der Koch in der Basler Gastronomie tätig. In diesen 16 Jahren hat er sowohl im preiswerten als auch im kostspieligen Sektor gearbeitet, und wagte dazwischen mit eigenen Kreationen immer wieder einen Spagat. Von dieser Praxis soll nun auch sein eigener Betrieb profitieren: «Wir haben verschiedene Angebote für Gäste, die gerne einmal ein aufwendiges 4-Gänge-Menü geniessen, aber auch für Leute mit weniger Budget oder solche, die nur bei einem Feierabendbier die Aussicht geniessen wollen», erklärt Haldimann das Konzept. Er versteht sich als Gastgeber und nicht als Patron. Und vor allen Dingen nicht als einfacher «Anbieter».

Auch Kultur soll in der Kulturbeiz nicht einfach zum Konsum angeboten werden: «Kultur kann auch einfach heissen, dass Leute sich miteinander auseinandersetzen und mit Ideen experimentieren». Eine Auffassung, die auch zwei Stockwerke tiefer, in der Kulturunterkunft «Nachthafen» geteilt wird. Dort sind die Experimente allerdings nicht kulinarischer Art. Es ist eine Art Jugendherberge. «Aber viel mehr als das», betonen die Initianten.

Angst vor der Überbauung

Als die jungen Kulturschaffenden Nora Born, Marianne Papst und Fritz Rösli im März die Räumlichkeiten im Malzsilo bezogen, wussten sie, dass der Nachthafen nicht eine gewöhnliche Unterkunft werden würde. Eher ein kreativer Ort, eine Unterkunft für alle Formen von Kultur. So ist der loftartige Raum mit verschiedenen Betten und Möbeln auch frei gestaltbar.

Bisher ist bereits eine Theatergruppe und eine Geburtstags-Gesellschaft in den Nachthafen eingekehrt und zahlreiche Besuche stehen bereits an: «Die Unterkunft kann als Backstage-Raum für Festivals, als Proberaum für Kunstprojekte oder als Durchführungsort für Kulturworkshops dienen», sinnieren Born und Papst über die Zukunftsaussichten ihres Vorhabens. Im Malzsilo haben sie dafür ihr ideales Zuhause gefunden.

Mit den verschiedenen Kulturprojekten auf dem Warteck-Gelände, wie dem Sud oder dem Atelier Druckwerk, fände bereits eine gute nachbarschaftliche Zusammenarbeit statt: «Natürlich muss sich alles noch ein wenig einspielen, aber wir nehmen den Ort als sehr kreativ wahr», meint Born.

Ein Charme, den das Quartier verlieren könnte, sollten die Altbauwohnungen im Burgweg einer Überbauung Platz machen. Das befürchten zumindest die Bewohner der Strasse und des Warteck-Geländes . Der Verein «Lebendiger Burgweg» versucht nun mit einer Petition, den Kanton Basel-Stadt zum Kauf und Schutz der Liegenschaften zu bewegen (bz berichtete). Bis klar ist, ob sie damit erfolgreich sein werden, versuchen die Bewohner der ehemaligen Warteck-Brauerei mit ihren diversen Projekten ihren eigenen Beitrag zu einem lebendigen Burgweg zu leisten.

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