Boom
Asiatische Läden breiten sich in der Stadt aus

Nicht nur bei Asiaten werden die zahlreichen Basler Asien-Läden immer beliebter – auch auffallend viele Baselbieter streifen durch die Regale.

Andreas Maurer
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Kurz vor Silvester stürmen die Schweizer die Läden. Ganz anders verhalten sich die Chinesen in Basel. Heute hat ihr neues Jahr begonnen. Es steht im Zeichen des Metall-Hasen. An den beiden Tagen zuvor waren die beiden grossen und die vielen kleinen Basler Läden mit asiatischem Angebot aber nicht stärker besucht als sonst. «Die meisten Chinesen bereiten Neujahr lange im Voraus vor», berichtet der Kassier des A-Chau-Ladens beim Basler Bahnhof.

Die meisten Chinesen in Basel decken sich mindestens fünf Tage im Voraus ein. «Am letzten Samstag hatten wir deswegen etwa 20 bis 30 Prozent mehr Kunden», berichtet Iao Tao vom New Asia Market beim Wettsteinplatz. Vor allem Süssigkeiten werden dann in rauen Mengen gekauft. «Sie bringen Glück – besonders die roten», erklärt der Kassier diese chinesische Tradition.

Umgangssprache: nur chinesisch

Die Mitarbeiter der beiden grossen Basler Asien-Läden reagieren zuerst abweisend auf den Besuch der bz. Fast alle Angestellten sprechen nur wenige Brocken Deutsch. Die Läden liegen zwar im Herzen Basels, gesprochen werden aber hauptsächlich asiatische Sprachen. «Kein Deutsch», heisst es anfangs wortkarg. Gelungene Integration klingt anders. Mit der Zeit tauen die angesprochenen Asiaten aber auf. Sie werden gesprächig und drücken dem zuerst unwillkommenen Gast am Schluss sogar noch zwei asiatische Süssgetränke als Abschiedsgeschenk in die Hand.

Sie berichten, dass vor allem die Gemüsetage gut besucht seien. Jeweils montags und mittwochs wird frische Ware eingeflogen. Eine Brasilianerin aus Liestal fährt deswegen zweimal pro Woche zum Laden beim Bahnhof. Hier findet sie Gemüse, das man sonst nirgends kaufen kann. Zum Beispiel Okra – grüne Schoten eines Malvengewächses. «Dieses Gemüse unterschätzen viele Schweizer. Denn wenn man Okra nicht richtig zubereitet, wird es schleimig», weiss die Einkäuferin. Sie freut sich über die aufstrebenden Asien-Läden: «Es ist gut, dass immer mehr Schweizer nach Thailand reisen: Sie kehren mit Hunger auf diese Produkte zurück.»

Tanja Grandits regt den Appetit an

Auf den Appetit nach Asiatischem kann man aber auch in der Region Basel kommen. Davon berichtet Katharina Schlup aus Diepflingen. Im A-Chau-Laden sucht sie asiatische Pflaumensosse. Ihr Mann habe diese Zutat in einem Kurs der Spitzenköchin Tanja Grandits vom Restaurant Stucki schätzen gelernt. Schlup ist ratlos: Die Pflaumensosse ist ausgegangen. Der New Asia Market ist nun ihre letzte Hoffnung. Hier ist ein weiterer Baselbieter anzutreffen: Sandro Rugel aus Pfeffingen. Er kauft japanische Rise Cracker – fett- und cholesterinarme Snacks: «Das Angebot ist sehr nah an originalen fernöstlichen Läden. Nur die Preise sind an Schweizer Niveau angepasst», sagt Rugel.

Der 2002 eröffnete New Asia Market ist der florierendste der Basler Asien-Läden. Er hat stetig ausgebaut. Heute beschäftigt er rund 50 Mitarbeiter. Am Eingang wacht ein Buddha im Dunst von Räucherstäbchen. Dieser vermischt sich mit dem strengen Geruch asiatischer Lebensmittel. Für einen Mann aus Sri Lanka ist das ein Hochgenuss: «Der Geruch im Laden löst in mir starke Heimatgefühle aus – schon nur deswegen kaufe ich gerne hier ein.»

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