Popmusik
Álvaro Soler: «Früher war die Musik noch ehrlicher»

Die Single «El Mismo Sol» des spanischen Popsängers Álvaro Soler war einer der grössten Sommerhits des letzten Jahres. Nächsten Freitag kommt der 25-jährige Deutsch-Spanier nach Basel.

Céline Feller
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Álvaro Solers Auftritt am Freitag im Rhypark ist sein dritter in Basel.

Álvaro Solers Auftritt am Freitag im Rhypark ist sein dritter in Basel.

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Herr Soler, Ihre Mutter ist Spanierin, Ihr Vater Deutscher, Sie sind in Barcelona und in Berlin aufgewachsen. Fühlen Sie sich denn nun als Spanier oder als Deutscher?

Álvaro Soler: Als Heimat würde ich eher Barcelona bezeichnen, auch wenn ich seit einem Jahr in Berlin wohne. Ich bin auch im Geiste eher Spanier, obschon ich ein paar deutsche Charakterzüge habe. Ich bin sehr stur und ein Perfektionist.

Das heisst, Sie würden Barcelona Berlin vorziehen?

Ich bin momentan öfters in Berlin, weil sich dort ein grosser Teil des Jobs abspielt. Deshalb ist Berlin sehr wichtig für mich. Aber Barcelona ist eine Stadt, in der man sehr schön lebt. Alleine das Meer ist wundervoll. Berlin ist sehr cool, aber das Klima Barcelonas vermisse ich eben schon.

Neben Berlin und Barcelona haben Sie auch in Tokio gelebt. Wie japanisch sind Sie?

Ich war damals zehn Jahre alt, als wir nach Tokio gezogen sind. Die sieben Jahre dort waren eine coole Zeit, aber mittlerweile ist das auch schon acht Jahre her. Ich kann zwar ein bisschen Japanisch und versuche in den japanischen Restaurants auch immer japanisch zu bestellen, mehr aber nicht.

In welcher Sprache denken Sie?

Ich denke Spanisch und Deutsch. Ich zähle beispielsweise auf Deutsch, weil ich die Deutsche Schule besucht habe. Manchmal kommen dann noch englische Worte hinzu. Es gab Zeiten, da haben sich in meinem Kopf alle Sprachen total vermischt, das hat dann ziemlich genervt.

Sie haben aber auch viel lernen können durch die vielen Umzüge.

Klar, man profitiert generell davon, verschiedene Kulturen kennenzulernen, diese Diversität ist sehr cool. Das ist das, was mir total die Augen geöffnet hat. Und jetzt will ich immer weiter lernen.

Inwiefern haben diese verschiedenen Einflüsse Ihrer Musik geholfen?

In der Musik versucht man ja immer, verschiedene Kulturen einzubringen, deshalb hat das sehr viel geholfen.

Kann es sein, dass man Sie bald auf Deutsch singen hört?

Das ist alles offen. Wieso nicht? Aber jetzt mache ich erst mal noch mit spanischer Musik weiter.

Sie haben neben der Musik Industriedesign studiert, sich aber gegen die Arbeit in diesem Bereich entschieden. Wieso?

In der Musik ist es einfach schneller gelaufen. Das Studium habe ich vor zweieinhalb Jahren abgeschlossen und wollte ursprünglich Autodesigner werden. Aber ich wollte nach der Uni erst einmal zwei Jahre Pause machen, mich auf die Musik konzentrieren oder allenfalls nebenher noch als Chauffeur arbeiten, um zu überleben. Aber es hat zum Glück ohne diesen Nebenjob geklappt.

Haben Sie daran geglaubt, dass alles so gut funktioniert?

Dass es so klappt, habe ich mir nicht ausgemalt. Deshalb geniesse ich diese sehr schöne Zeit, und will einfach weiter Musik machen. Vielleicht probiere ich auch noch andere Stilrichtungen aus, mehr Rap oder R’n’B. Und ich möchte auch noch mit verschiedenen Leuten zusammenarbeiten.

Mit Jennifer Lopez duften Sie bereits einen Song aufnehmen. Mit wem würden sie als Nächstes gerne zusammen arbeiten?

Mit Enrique Iglesias fände ich es witzig, etwas zu machen, oder mit Elton John oder Phil Colins. Die Musik dieser zwei habe ich früher immer gehört. Von ihnen könnte ich noch viel lernen, weil ihre Musik so wahr war. Früher war die Musik einfach ehrlicher.

Wären Sie lieber vor 30 Jahren Musiker gewesen?

Ich weiss nicht, ob es funktioniert hätte, wenn ich es vor 30 Jahren probiert hätte. Ich bin ja auch dank den digitalen Medien so weit gekommen. Ohne sie wäre es schwieriger gewesen.

Wie sieht Ihr Leben abseits der Musik aus?

Ich zeichne sehr gerne Autos und mache gerne Sport. Wenn ich kann, gehe ich im Sommer Windsurfen und im Winter Ski oder Snowboard fahren.

Und wie sieht es mit Fussball aus? Sie sind ja offenbar Barcelona-Fan.

Ich bin kein richtig krasser Fan, ich sterbe nicht, wenn ich ein Spiel verpasse. Aber ich schaue mir die Spiele schon an, vor allem die in der Champions League.

Sie sind halber Katalane. Was sagen Sie zur möglichen Abspaltung Kataloniens vom Rest Spaniens?

Ich bin überhaupt nicht dafür, dass sich Katalonien abspaltet. Ich bin, wie ich es in meinen Liedern singe, dafür, dass alle einfach friedlich zusammenleben. Zum Glück mache ich Musik und muss mich nicht um solche politischen Entscheide kümmern.

Mit ebendieser Musik kommen Sie am Freitag nach Basel. Auf was freuen Sie sich am meisten?

Die Leute hier sind sehr cool. Das gibt bei den Konzerten immer eine sehr schöne Atmosphäre, weil sie einfach ganz genau zuhören, und dich erst dann beurteilen. Das ist sehr intim.

Was gefällt Ihnen sonst an Basel? Haben Sie sich bei den letzten Aufenthalten etwas angesehen?

Ja, ich war bei einer dieser grossen Brücken, die ist sehr schön. Vor allem diese Häuser, die ganz nah am Wasser gebaut sind, das mag ich sehr gerne.

El Mismo Sol – Live Konzert von Álvaro Soler; Freitag, den 22.01.2016 um 20 Uhr im Rhypark Basel

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