Euro-Airport
Als die Concorde die Basler begeisterte

Vor 30 Jahren, im Mai 1986, landete eine Concorde von British Airways auf dem Euro-Airport und brachte Baslerinnen un Basler zum Staunen.

Jürgen Schelling
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Zur Feier des 40-jährigen Bestehens von Basel-Mulhouse konnten zahlreiche Schaulustige am 8.Mai 1986 die Concorde neben einer alten DC-3 der Swissair bestaunen. KEYSTONE

Zur Feier des 40-jährigen Bestehens von Basel-Mulhouse konnten zahlreiche Schaulustige am 8.Mai 1986 die Concorde neben einer alten DC-3 der Swissair bestaunen. KEYSTONE

KEYSTONE

Es ist ein herrlicher Frühlingstag, dieser 8. Mai 1986 vor 30 Jahren. Rings um den Euro-Airport stauen sich bereits seit dem Morgen die Autos. Die bevorstehende aviatische Sensation hat sich in der Region rasend herumgesprochen: Eine Concorde landet. Grund für den Abstecher ist das Jubiläum «40 Jahre Flughafen Basel-Mulhouse», das an diesem Tag gefeiert wird. Deshalb schickt British Airways nicht die übliche Boeing, um die Gäste ihres normalen Linienflugs nach London-Heathrow zu befördern, sondern zur grossen Überraschung aller eine Concorde. Die Zuschauer sind begeistert, als sich die Maschine am strahlend blauen Himmel im Anflug mit ihrer markanten Silhouette zeigt. Kurz darauf setzt sie auf der Landebahn auf. Tausende Zuschauer aus Basel und der gesamten Region haben sich am Zaun entlang der Runway aufgereiht, um die Landung und die aussergewöhnliche Geräuschkulisse möglichst hautnah mitzubekommen.

Die Zaungäste beobachten anschliessend, wie die britische Concorde unter lautem Getöse ihrer vier Turbinen aufs Vorfeld rollt und ihre Passagiere ausspuckt. Allerdings ist dies nicht der erste Aufenthalt einer Concorde in Basel-Mulhouse. Bereits im April 1979 landete eine Concorde. Damals ist es eine Maschine der Air France, die als aviatischer Ehrengast bei der Zeremonie zur Pistenverlängerung dabei ist.

Im April 1979 ist das Wetter aber deutlich schlechter als an diesem strahlenden Maitag 1986, deshalb konnte sieben Jahre zuvor die Concorde nach dem Start nicht lange beobachtet werden, bevor sie im Grau des Himmels verschwand. Der Start am Mittag des 8. Mai 1986 ist hingegen ein absolutes Spektakel: Mit ohrenbetäubendem Lärm aus ihren vier Turbinen hebt die Concorde ab, zieht das Fahrwerk ein und verschwindet dann in Richtung Westen am Himmel.

Sie kommt gleich nochmals

Diejenigen Basler, die diesen Termin verpasst haben, müssen sich nicht grämen: Gut sieben Wochen später, am 26. Juni 1986, landet die gleiche britische Concorde mit der Kennung G-BOAC erneut in Basel. Diesmal sind britische Tourismusfachleute an Bord, die von Vertretern beider Basel willkommen geheissen werden. Da vor diesem Concorde-Besuch keine grosse Werbung gemacht wird, kommt der Verkehr rings um den Euro-Airport auch nicht zum Erliegen. Insgesamt sind die Concordes von Air France und British Airways im Laufe ihrer 26-jährigen Dienstzeit gut ein Dutzend Mal am Euro-Airport zu bewundern, allerdings sind dies durchweg Sonderflüge.

Nie war ein Airliner schneller

Das Gemeinschaftsprojekt der französischen Aerospatiale und der britischen British Aircraft Corporation ist der einzige Airliner mit Überschallgeschwindigkeit. Mehr als doppelte Schallgeschwindigkeit, umgerechnet 2405 Kilometer in der Stunde, erreicht die Concorde. Überschall wird wegen der Lärmbelastung für die Bevölkerung aber nur über dem Meer geflogen. Deshalb kommen die Passagiere des London-Flugs am Euro-Airport an diesem Maitag 1986 nicht in den Genuss eines Überschallflugs. Auf der Strecke nach London wird bis auf ein winziges Stück über den Ärmelkanal immer über Land geflogen, deshalb bleibt es beim Unterschall-Tempo.

Angesichts der exorbitanten Flugleistungen und ihres hohen Prestiges wollen in dieser Zeit viele Firmen mithilfe der Concorde auf sich aufmerksam machen. Den Vogel schiesst ein amerikanischer Brausekonzern ab. Er lässt 1996 heimlich eine Air-France-Concorde am Flughafen Paris-Orly in den Farben seines neuen Getränkedosen-Designs anmalen. Der Rumpf und das Seitenleitwerk sind nun tiefblau. Im Rahmen grosser Events wird dieses Exemplar auf zehn Flughäfen in Europa und dem Mittleren Osten der Presse vorgestellt. Die Maschine ist nun aber eigentlich ein Etikettenschwindel. Denn die Reibungshitze bei Überschall ist so hoch, dass die Aussenhaut der Maschine möglichst hell sein muss, um nicht zu heiss zu werden. Dazu dient die weisse Lackierung. Durch die stärkere Erwärmung des Rumpfs aufgrund der dunklen Farbe darf sie deshalb keine doppelte Schallgeschwindigkeit mehr fliegen. Die Tragflächen müssen ohnehin weiss bleiben, da sie sonst zu sehr erhitzt würden.

Sogar der Hersteller und die Flugsicherheitsbehörden müssen zu dieser Sonderlackierung ihr Okay geben. Nach zwei Wochen PR-Tour kommt die blaue Farbe wieder ab. Die Concorde darf nun ganz in Weiss wieder ohne Speed-limit durch die Luft rauschen.

Triebwerke vom Atom-Bomber

Das Flugtraining der Crews findet wegen der infernalischen Geräuschkulisse an möglichst abgelegenen Airports statt. Denn ein Flugzeug, das beim Starten und Landen quasi ein akustisches Erdbeben auslöst, ist als Gast nicht gerade beliebt. Zumal die vier Olympus-593-Triebwerke von Turbinen abgeleitet sind, die sonst die Avro Vulcan antreiben. Das ist ein extrem lauter Langstreckenbomber, der Atomwaffen transportieren kann.

Absturz beschleunigt das Ende

Nahe des Pariser Flughafens Charles-de-Gaulle kommt es am 25. Juli 2000 zum tragischen Absturz einer Air-France-Concorde, verursacht durch ein Metallteil auf der Runway, das beim Überrollen einen Concorde-Reifen platzen lässt. Dessen Trümmer schleudern gegen die Fläche und verursachen ein Treibstoffleck. Die Bilder der brennenden Maschine gehen um die Welt. 113 Menschen sterben. Nach Sicherheitsmodifikationen für alle Maschinen gibt es ein Jahr später ein kurzes Comeback. Bereits 2003 gehen die Concorde von British Airways und Air France aber aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit endgültig in den Ruhestand.

Vor 30 Jahren aber sind die Basler einfach nur begeistert von dem exotischen Vogel. Mancher ist vermutlich dennoch froh, dass es angesichts der Geräuschkulisse nie zu einem Linienverkehr am Euro-Airport nahe der Stadt gekommen ist.

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