Weihnachten
Alleine feiern? Nicht in der Region Basel – Trotz Corona sind diese Projekte für Einsame da

Für Alleinstehende sind die Feiertage jeweils eine schwierige Zeit. Obwohl viele Anläse wegen der Pandemie abgesagt werden mussten, gibt es dennoch einige Institutionen in den beiden Basel, die sich engagieren.

Silvana Schreier
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Damit niemand alleine feiern muss: Die Landeskirchen und das Rote Kreuz engagieren sich auch über die Festtage. (Symbolbild)

Damit niemand alleine feiern muss: Die Landeskirchen und das Rote Kreuz engagieren sich auch über die Festtage. (Symbolbild)

KEYSTONE/LUKAS LEHMANN

Schon bald wieder sitzen Familien um ihren Weihnachtsbaum, geniessen gemeinsam das traditionelle Weihnachtsmenü und erfreuen einander mit hübsch verpackten Geschenken – ein Höhepunkt im Jahreskalender. Für Alleinstehende hingegen sind die Feiertage jedes Jahr eine Herausforderung – auch ohne Coronapandemie.

Das Virus macht ihre Situation nun noch schwieriger. Die traditionelle Kundenweihnacht des Cevi Region Basel im Kleinbasel ist abgesagt. Sämtliche Restaurants und Bars bleiben geschlossen. Und die Kirchen konzentrieren sich auf die noch erlaubten Weihnachtsgottesdienste. Feiern und Weihnachtsessen fallen dieses Jahr aus.

Niemand gibt gerne zu, alleine zu sein

Rahel Egli organisierte vergangenes Jahr gemeinsam mit ihrem Mann und einem weiteren Ehepaar eine Weihnachtsfeier für Menschen ohne Familienanschluss in der Gellertkirche. Rund 40 Personen nahmen daran teil. 2020 hätte die Idee wiederholt werden sollen. Wegen der Pandemie entschieden sich die vier Organisatoren für ein anderes Konzept: «Wir suchten Gastgeber und Gäste», erklärt Egli. Erstere öffnen ihre Stube für Gäste, die sonst alleine Weihnachten gefeiert hätten. Als Anreiz könnten die Gastgeber gar ein von den beiden Ehepaaren vorgekochtes 3-Gänge-Menu beziehen.

Laut Egli fanden sich aber nur zwei Gäste, die an zwei Gastgeber vermittelt wurden. Die Anmeldefrist ist mittlerweile abgelaufen. «Die Hemmschwelle für einsame Menschen ist extrem hoch. Schon letztes Jahr an unserer Weihnachtsfeier sagten viele, es hätte sie viel Überwindung gekostet, zu kommen.» Schliesslich gebe auch niemand gerne zu, alleine zu sein. Egli erklärt: «Ich bin mir sicher, es gibt noch viel mehr Einsame.»

Eine Stunde plaudern am Telefon

Um diejenigen, die ihre eigene Stube lieber nicht verlassen möchten, versucht sich das Rote Kreuz Basel-Stadt zu kümmern. Am vergangenem Samstag ist der telefonische Besuchsdienst angelaufen – «für alle Menschen, die sich nach sozialen Kontakten sehnen und in Basel, Bettingen oder Riehen zu Hause sind», teilt die Organisation mit. Wer sich ein einstündiges Telefongespräch wünscht, kann seinen Terminwunsch per SMS oder Sprachmitteilung unter 077 441 99 38 kundtun. Ein freiwilliger Helfer oder eine Helferin übernimmt schliesslich das Gespräch.

Mathias Kippe vom Roten Kreuz Basel sagt, das Angebot sei bereits auf Nachfrage gestossen. «Wir rechnen damit, dass sich über die Feiertage noch mehr Menschen melden, da die Einsamkeit meist dann am stärksten spürbar ist», so Kippe. Der telefonische Besuchsdienst, der vom Basler Gesundheitsdepartement finanziell unterstützt wird, läuft noch bis Ende Januar 2021.

Weihnachten in sechs verschiedenen Kirchen feiern

Wem an Heiligabend bereits die Decke auf den Kopf fällt, der könnte vom Angebot der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt profitieren. «Wir sahen uns vor die Frage gestellt, wie wir verhindern können, dass die Kirche ausgerechnet an Weihnachten viele Menschen auf ähnliche Art und Weise abweisen muss, wie es in der Weihnachtsgeschichte Maria und Josef widerfahren ist», erklärt Pfarrer und Kirchenratspräsident Lukas Kundert.

«Wiehnacht uff dr Gass» heisst nun der coronakonforme Anlass am 24. Dezember von 17.30 bis 20 Uhr, wie die Kirche mitteilt. Im Münster, in der Elisabethen-, der Leonhards-, der Theodor-, der Peters- und der christkatholischen Predigerkirche gibt es jeweils viertelstündige Andachten. Wer also durch die Stadt spaziert, kann gleich an mehreren kleinen Weihnachtsfeiern teilnehmen. Zudem ist während der «Wiehnacht uff dr Gass» die Benutzung der Fähren Leu und Vogel Gryff kostenlos.

Gleichzeitig öffnen auch die Kirchen in den Aussenquartieren ihre Türen: In Riehen und Bettingen finden Gottesdienste statt, die Tituskirche auf dem Bruderholz veranstaltet einen Weihnachtsparcours für Familien und in der Thomaskirche können Besuchende Sterne bemalen und am Weihnachtsbaum aufhängen.

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