Schriftsteller

Basel soll einen Platz nach Hermann Hesse benennen – in die Quere kommt die Geschlechterfrage

Im Zimmer 49 des Basler Hotel Krafft schrieb Hermann Hesse «Der Steppenwolf». (Archivbild)

Im Zimmer 49 des Basler Hotel Krafft schrieb Hermann Hesse «Der Steppenwolf». (Archivbild)

Eine Petition will den berühmten Schriftsteller und Nobelpreisträger ehren. Doch einen Hermann-Hesse-Platz gibt es wohl erst, wenn gleichzeitig mindestens ein Platz nach einer Frau benannt werden kann.

Läge Basel in den USA, würde der Flughafen schon längst «Hermann Hesse-Airport» heissen – das schrieben drei Hesse-Freunde in einer Petition an die Basler Behörden. Ihr primäres Ziel: Ein Platz oder eine Strasse soll nach dem Schriftsteller benannt werden. Damit soll der legendäre Autor als
Abkömmling Basels etabliert werden – am besten noch vor dem Dezember 2021, wenn sich die Nobelpreis-Verleihung an Hesse zum 75. Mal jährt.

Eigentlich stiessen die Petitionsschreiber mit dem Anliegen auf offene Ohren da Hesse tatsächlich starke Verbindungen nach Basel hat. Doch es gibt eine Komplikation: nämlich eine Art Frauenquote. Vor der Petitionskommission sagte die für Benennungen zuständige
Nomenklaturkommission, der Fokus liege in Zukunft auf weiblichen Persönlichkeiten, weil diese unterdotiert seien.  Innerhalb der Kommission sei abgemacht worden, dass beim nächsten Männernamen mindestens ein Frauenname vorgeschlagen werde.

Umbenannt wird nicht – wegen den Anwohnern

Also wird Hermann Hesse erst für einen Platz  vorgeschlagen, wenn gleichzeitig eine Frau, «oder besser zwei» empfohlen werden können, bestätigt Paul Haffner, Präsident der Nomenklaturkommission. Entscheiden über die Vorschläge muss am Ende der Vorsteher des Justiz- und Sicherheitsdepartements, also Baschi Dürr (FDP).

Um einen Platz nach einer Person zu benennen, muss dieser zunächst mal gebaut werden. Denn: «Umbenennungen vermeiden wir in aller Regel, da sie für Anwohner und Firmen mit viel Aufwand verbunden sind», sagt Haffner. In Frage kommen neue Plätze auf dem Lysbüchel-, respektive Volta-Nord-Areal und am Walkeweg in der Nähe der S-Bahnhaltestelle Dreispitz, wo gerade gebaut wird. Für eine Einweihung zum Nobelpreis-Jubiläum im Dezember nächsten Jahres wird es aber wohl nicht reichen.

Hermann Hesse ist neben Carl Spitteler erst der zweite Schweizer, der den Literatur-Nobelpreis erhielt. Seine Werke sind die am zweitmeisten verkauften deutschsprachigen Bücher der Welt.

Im Basler Hotel Krafft am Rhein schrieb er an seinen bekanntesten Roman – «Der Steppenwolf». Zuvor hatte er bereits mehrmals jeweils mehrere Jahre in Basel gelebt und die Baslerin Mia Bernoulli geheiratet. Seine zweite Frau, Ruth Wenger, war ebenfalls Baslerin. Hesse besass auch das Basler Bürgerrecht. Das Komitee schreibt in der Petition: «Hermann Hesses globale Wirkung entstammt im Kern der Ideen, Menschen und Institutionen der Stadt Basel.»

Eingereicht wurde das Anliegen von einer Dreiergruppe aus Richard Herland, der Hesses «Steppenwolf» verfilmt hat, Helen Liebendörfer, Autorin diverser Bücher über Hesse, und Willy Surbeck, Ex-Geschäftsführer von  «Telebasel».

Surbeck hat keine Kritik für die Frauenquoten-Einwände übrig. «Dass unser Anliegen so positiv aufgenommen ist, ist ein Schritt in die richtige Richtung», sagt er. «Für uns ist vor allem wichtig, dass Hermann Hesses Verbindungen zu Basel präsenter werden.» Basel sei immer ein Handelsplatz von Ideen
gewesen, was Hesse stark beeinflusst habe.  Hesses Verbindung zu Basel sei wohl deswegen so unbeachtet, weil er den zweiten Teil seines Lebens, als er berühmter war, vor allem im Tessin verbracht hat.

Kommission könnte ihre Meinung noch ändern

Neben der Platzbenennung machten die Petitionäre alternativ sieben Vorschläge, um den Schriftsteller zu ehren. Zum Beispiel eine Tafel an markanten Punkten der Stadt oder die Umbenennung des Lesesaals der Unibibliothek. Sogar die Petitionskommission schrieb, sie sei erstaunt, dass Hermann Hesse bisher in der Stadt so wenig Beachtung gefunden habe.

Ohnehin ist es aber möglich, dass sich die Meinung der Nomenklaturkommission noch ändert. «Sollte der Grosse Rat die Petition unterstützen, gäbe dies dem Anliegen wohl ein Gewicht, das die Geschlechterfrage übersteigt», sagt Präsident Haffner.

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