Basel

Andrea Vasella versteht die Kritik an seinem Bruder Daniel nicht

Die Brüder Vasella bei einem Anlass an der ETH vor über zehn Jahren.Archiv ETH

Die Brüder Vasella bei einem Anlass an der ETH vor über zehn Jahren.Archiv ETH

Der Brunder von Daniel Vasella versteht die Empörung an dessen Mutlitmillionen-Gehalt nicht. Die Kritiker wüssten offensichtlich nicht, welche Leistungen sein Bruder erbracht habe und erbringe, sagt Andrea Vasella, der Chemieprofessor ist.

Seine horrenden Millionen-Gehälter werden seit Jahren heftig kritisiert. Die Vorwürfe haben Daniel Vasella (bald 60) zugesetzt. Er war es leid, in der Schweiz ein «Symbol für alles Negative» zu sein.

Nach seinem Ausscheiden als Novartis-Verwaltungsratspräsident zügelte er im März mit seiner Frau von Risch (ZG) in die USA, gemäss unbestätigten Hinweisen nach Arizona.

«Was meinen Bruder an Amerika anzieht, ist das Unternehmertum, und eine Kultur, die primär auf Leistung und nicht auf Nivellierung ausgerichtet ist», sagt Andrea Vasella (70), bis 2008 Professor für Organische Chemie an der ETH in Zürich.

Wegen seiner Geldbezüge kam Daniel Vasella letzte Woche einmal mehr in die Schlagzeilen. Novartis gab bekannt, dass der ehemalige VR-Präsident für «gewisse Übergangsleistungen» bis Ende Oktober mit rund fünf Millionen Franken entlöhnt werde.

Zudem erhalte er bis 2016 als Berater von Novartis pro Tag 25 000 Dollar, mindestens eine Viertelmillion Dollar pro Jahr. Diese Bezüge bezeichneten selbst Wirtschaftskapitäne wie Rolf Soiron (VR-Präsident von Lonza und Holcim) oder der Schweizer Gewerbedirektor Hans-Ulrich Bigler als unglücklich oder überrissen.

In diesen Kanon mag Bruder Andrea Vasella nicht einstimmen: «Ich verstehe die Einseitigkeit der Empörung gegen den Verdienst meines Bruders nicht.»

Auch die Art, wie die Presse diese Empörung schüre, passt ihm nicht. Bevor man einen Verdienst und seinen Empfänger kritisiere, solle man die Leistungen – Art und Umfang – kennen, für die er ausgerichtet werde, fordert er.

Insbesondere, wenn die dafür erforderten Qualifikationen ungewöhnlicher Art seien und nur wenige die Voraussetzungen dafür mitbrächten. Die Kritiker wüssten offensichtlich nicht, welche Leistungen sein Bruder erbracht habe und erbringe.

Es gebe Leistungen, bei denen das Verhältnis zum Lohn besonders schwer abzuschätzen sei: «Man muss Vergleiche anstellen, und diese können sich bei einer global agierenden Firma nicht auf die Schweiz und das nationale Lohnniveau beschränken», sagt der Chemieprofessor. Ähnlich hat Daniel Vasella seine hohen Löhne auch schon begründet.

Immerhin versteht Andrea Vasella, dass man die sehr hohen Entlöhnungen «als stossend» empfinden könne.

Dann sollte seiner Meinung nach aber das internationale Niveau kritisiert werden und nicht ein Lohnempfänger, der im internationalen Rahmen «eine aussergewöhnliche Leistung» erbringe.

Er findet, man solle «auf alle hochkarätigen Leistungsträger der Schweiz» stolz sein. Und kritisiert erneut «die einseitigen Verurteilungen» durch den Journalismus.

Tatsache bleibt, dass an Daniel Vasella das Image eines geldorientierten Managers klebt, der auch nach seinem Ausscheiden am Lohntropf von Novartis hängt. Persönliche Spendenaktionen von ihm sind kaum bekannt.

Auch dieses Bild will Andrea Vasella korrigieren: «Man vergisst, dass Daniel Arzt ist und sich aus echtem Mitgefühl immer und auch privat für Menschen in Not eingesetzt hat.» Dass er dies nicht an die grosse Glocke hänge, könne man als Fehler betrachten. «Ich schätze es als Ausdruck eines vornehmen Stils», sagt er.

Informationen über Spenden des Ex-Novartis-Chefs fehlen. Bekannt ist, dass er mit seiner Frau Anne-Laurence und Tochter Emilia in der Stiftung «Aldava» sitzt. Sie hat sich «die Linderung von Not von Kindern im In- und Ausland» zum Ziel gesetzt. Vasella bestätigte bislang einzig, dass die Familie in Mali ein Spital und eine Schule finanziert.

Wäre es für seine Reputation hilfreich, wenn er mehr über seine Spenden informieren würde? «Nein», sagt der Basler Reputations-Berater Walter P. von Wartburg. Daniel Vasella sei heute weltweit der Inbegriff einer teuren Marke.

Wer seine Dienste beanspruche, wisse, dass dies viel Geld koste, sagt von Wartburg, bis 1999 Novartis-Kommunikationschef. Als jemand, der einen Konzern wie Novartis erfolgreich aufgebaut habe, könne Vasella heute als Berater ohne weiteres Tagespauschalen von 25 000 Dollar fordern.

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