Neuanschaffung
Alte Trams sollen ersetzt werden: Die BLT beschafft 25 neue Niederflurtrams

Ersetzt werden Fahrzeuge aus den Jahren 1978 bis 1981. Das neue Tram muss mehr Niederflur bieten als der «Tango».

Christian Mensch
Merken
Drucken
Teilen
BLT

BLT

Kenneth Nars

Die Baselland Transport AG (BLT) will in den nächsten Jahren ihre alten Trams ersetzen und in einer ersten Tranche 25 neue beschaffen. Die ersten Fahrzeuge sollen im Herbst 2023 geliefert werden, die letzten zwei Jahre später. Weitere 15 Fahrzeuge sollen zum gleichen Preis bis Ende 2028 nachbestellt werden. Die entsprechende Ausschreibung haben die Verkehrsbetriebe vergangene Woche gestartet. Aus dem Betrieb genommen werden dafür die letzten Schindler-Trams, die in den Jahren 1978 bis 1981 in Betrieb genommen wurden.

BLT-Chef will möglichst einheitlichen Tram-Park

Die letzten zwei Grossaufträge, die von den BLT vergeben wurden, gingen an Stadler Rail. Ab 2011 beschafften die BLT den «Tango» für die Tramstrecken 10, 11 und 17. Im vergangenen Jahr erhielt der Thurgauer Zug- und Trambauer für 54 Millionen Franken erneut den Zuschlag und kann zehn Züge für die auf 1-Meter-Spur umgerüstete Waldenburgerbahn (WB) liefern.

Andreas Büttiker

Andreas Büttiker

Kenneth Nars

Da BLT-Direktor Andreas Büttiker darauf setzt, mit einem möglichst einheitlichen Fahrzeugpark unterwegs zu sein, dürfte Stadler Rail auch bei der neuen Ausschreibung mit guten Chancen unterwegs sein. Den gleichen «Tango», wie bereits auf den Schienen der Region Basel unterwegs ist, kann das Unternehmen aber nicht anbieten. Denn erstmals verlangen auch die BLT einen durchgängigen Niederfluranteil von über 75 Prozent, wie aus der Ausschreibung hervorgeht. Einen 100-Prozent-Niederflur «Tango» hat Stadler zwar 2017 ins dänische Aarhus verkauft. Allerdings handelt es sich von der Konstruktion her um einen anderen Tramtypus, den Stadler aus Marketingüberlegungen jedoch ebenfalls «Tango» nennt.

Tram-Typen in Basel Beim Hochflurtram (links) liegt die Vorderkante 55 cm, beim Combino und Tango je nur 15 bis 20 cm über der Strasse. Dafür haben sie keinen Sicherheitsbügel (linkes Bild vor dem Knie der Dame), der ein Fallgatter auslöst.
7 Bilder
Tango der Linie 10 an der Tramhaltstelle in Botmingen
Ein Flexity-Tram auf einer Testfahrt im Dezember 2014
Flexity-Tram der BVB
Ein verkürztes Flexity mit nur fünf Teilen
Ein Blick unter das Flexity-Tram zeigt den homogenen Unterbau mit Lochblech-Abdeckung.
Ein Tango der BLT und ein Combino der BVB

Tram-Typen in Basel Beim Hochflurtram (links) liegt die Vorderkante 55 cm, beim Combino und Tango je nur 15 bis 20 cm über der Strasse. Dafür haben sie keinen Sicherheitsbügel (linkes Bild vor dem Knie der Dame), der ein Fallgatter auslöst.

bz Basellandschaftliche Zeitung

Büttiker sagt auf Anfrage, seit der letzten Ausschreibung vor 13 Jahren hätten sich die Trams mit Innovationen weiterentwickelt. Es sei nun nicht mehr nötig, in der Mitte des Fahrzeugs ein klassisches Drehgestell einzusetzen. Ganz mag Büttiker aber nicht auf die Linie der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) einschwenken, die bereits mit dem «Combino» und anschliessend mit dem «Flexity» auf Drehgestelle verzichteten, um 100-Prozent-Niederflur anbieten zu können. Büttiker sagt: «Für uns ist aber nach wie vor wichtig, dass das erste und letzte Drehgestell des neuen Trams ein klassisches Drehgestell mit grossen Rädern aufweist.» Dies ermögliche eine deutliche bessere Laufruhe. Auch der Schienen- und Radverschleiss sei nachweisbar geringer. Dies bedeutet in der Umsetzung, dass auch die neuen 45-Meter-Trams der BLT ganz vorne und ganz hinten nicht niederflurig sein werden.

«Autonomer Betrieb» der Fahrzeuge ist ein Thema

In der Ausschreibung werden der offerierte Preis wie die Qualität des Produkts mit je 40 Prozent gewichtet. Mit 20 Prozent gewertet wird, ob die Lieferbedingungen für die Nachbestellung bis in acht Jahren eingehalten werden können. Die eigentliche Innovation soll jedoch im Bereich des «autonomen Betriebs» erzielt werden. So sind die Anbieter aufgefordert, zwei Optionsstufen aufzuzeigen, wie eine schrittweise Einführung eines automatisierten Fahrbetriebs möglich sei. Dieses Ziel verfolgt die BLT auch bei der umgebauten WB. Im September 2019 hat die BLT ihre Strategie an einem Verkehrskongress vorgestellt – ihr Technologiepartner war Stadler Rail.