Beethoven

16 junge Klaviertalente mit dem «Neuen Testament» der Klavierliteratur

Kein nur halbwegs ambitionierter Pianist kommt um Beethoven herum. Hier ein buntes Klavier in Colorado.

Kein nur halbwegs ambitionierter Pianist kommt um Beethoven herum. Hier ein buntes Klavier in Colorado.

Alle 32 Klaviersonaten von Beethoven, aufgeführt in der Reihenfolge ihrer Entstehung: 16 junge Klavier-Talente teilen sich diese Aufgabe.

Sie sind ein Werk-Komplex von olympischen Dimensionen, die 32 Klaviersonaten, die von Beethoven erhalten sind. Sie gelten nach den Worten des Dirigenten und Pianisten Hans von Bülow als «das Neue Testament» der Klavierliteratur (das Alte wäre demnach Bachs «Wohltemperiertes Klavier»).

Kein auch nur halbwegs ambitionierter Pianist kommt darum herum, von den ersten Bemühungen am Konservatorium über die Anforderungen einer Solisten-Karriere bis zur Frage, was man in seinem letzten Konzert spielen möchte: Beethoven steht ganz oben auf der Liste, und seine letzten drei Sonaten werden von bedeutenden Pianisten gegen das Ende ihrer Laufbahn hin nicht selten in mystische ­Dimensionen hoch stilisiert.

Konzerte, Festivals und Beistand in Karriere-Fragen

Bei der «Swiss Foundation for Young Musicians» sind wir am anderen Ende der Karriere-­Leiter: Diese seit 2012 in Basel bestehende Stiftung hat sich die Förderung junger Musiker, die vorzugsweise in Basel studieren oder studierten, auf die Fahnen geschrieben. Alle zwei Wochen veranstaltet sie ein Mittags­konzert in ihren Räumen in der Spalenvorstadt, organisiert ­Festivals und hilft den jungen Talenten in Karriere-­Fragen.

Normalerweise geht mit diesen Aktivitäten auch eine Förderung der zeitgenössischen Musik einher. Das ist im Beethoven-Jahr anders: «Ein Fest für Ludwig» hat sich die Stiftung für diesen Herbst auf die Fahnen geschrieben. Im September gab es einen Auftakt mit Kammermusikkonzerten, in denen Beethovens Werke modernen Komponisten gegenüber gestellt wurden.

In der kommenden Woche steht der Jubilar unangefochten im Zentrum: 16 Pianisten und Pianistinnen teilen sich die ­Totale aller Beethoven-Klaviersonaten, alle in Basel studierend oder schon mit einem Diplom unserer Musikhochschule in der Tasche. Gespielt wird In einer alten Industriehalle im Kleinbasel – auch ein Anliegen der Stiftung, dass mit ungewohnten Räumlichkeiten neue Hörerschichten gewonnen werden können.

Die Romantik hat unser Beethoven-Bild geprägt: Der Künstler, der einsam und in titanischen Höhen nur für die Perfektionierung seiner Musik lebt. Und auch aus Beethovens Zeit gibt es zahlreiche Quellen, die durchaus glaubwürdig berichten, dass er ein aufbrausender, launischer Mensch gewesen sein muss, dass er oft recht ungepflegt in der Gesellschaft auftauchte, dass er sein Personal schikanierte, und dass er je älter und tauber er wurde ein Misanthrop war.

Vom ersten Tag als kleine Sensation aufgenommen

Aber auch Beethoven war mal ein junger Mann. Als er nach Wien kam, wo er praktisch vom ersten Tag als kleine Sensation in die Zirkel vergnügungssüchtigen Gesellschaft der aristokratisch geprägten Salons aufgenommen wurde, war er 22 Jahre alt und eine durchaus stattliche männliche Erscheinung.

Und vor allem war Beet­hoven als Pianist bereits eine feste Grösse, und noch etwas kam ihm entgegen, was ihn ­sogleich in den Stand eines Superstars aufsteigen liess: Er war ein begnadeter Improvisator. Wir können leider nur erahnen, wie Beethoven sein Publikum in den Bann zog, denn was er schliesslich an Klaviermusik veröffentlichen liess, waren formal durchdachte und ausgefeilte Kompositionen.

Nur hin und wieder mögen wir flüchtig erahnen, wie genial Beethoven am Klavier agieren konnte: «quasi una fantasia» untertitelte er zwei seiner Sonaten, darunter die berühmte «Mondscheinsonate», in deren scheinbar ziellos mäandrierendem Kopfsatz wir vielleicht eine Reflexion des improvisierenden Beethoven hören können.

Und wer darf sie nun am 14. Oktober spielen, diese «Mondscheinsonate»? Benedek Horváth heisst der Pianist, ein Ungar, der in Basel sein Solistendiplom erworben hat, und unterdessen einige Auftritte in Europa und den USA vorweisen kann. Zum Beispiel hat er soeben eine sehr gelungene CD mit dem ersten Klavierkonzert von Franz Liszt zusammen mit dem Sinfonie­orchester Basel veröffentlicht.

Horváth wird es auch sein, der im ersten Konzert die früheste von Beethovens Klaviersonaten, das f-Moll-Werk op. 2/1, aufführen und damit diese ambitionierte Totale eröffnen wird. Und mit insgesamt vier Auftritten, darunter gerade auch mit der «Pathétique», ist der international zweifellos bekannteste dieser 16 Pianisten auch der heimliche Star unter ihnen.

Aber es gibt noch andere klingende Namen: die «Waldstein», die «Sturmsonate», die grosse «Hammerklaviersonate» oder die mythischen letzten drei. Aber das Schöne an diesem Konzept ist ja, dass man nicht die Rosinen heraus picken kann: Man spielt stur in der Reihenfolge der Entstehungszeit, und es mag – nur zum Beispiel – sehr aufschlussreich sein, nach der vir­tuosen «Appassionata» der lyrischen Versponnenheit in der selten gespielten Fis-Dur-Sonate op. 78 nachzuspüren.

«Ein Fest für Ludwig» – sämtliche 32 Klaviersonaten von Beethoven in chronologischer Reihenfolge. 11.-18. Oktober, Oetlingerstrasse 156, Basel.
www.foryoungmusicians.ch

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