Renault Twin'Run
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Der Renault 5 Turbo, ach, was war das in den 80er Jahren ein schräges Gerät! Der Twin'Run soll daran erinnern.

Peter Ruch
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Renault

Monte Carlo, Formel-1-Grand-Prix: es sind alle, alle da, die wichtig sind in der Auto-Branche (ausser jene, die gerade am Concorso d'Eleganza in Villa d'Este sind). Renault hat da quasi Heimspiel, und Renault mag den grossen Auftritt in Monaco. Aber mit was, bitt'schön? Captur vielleicht? Nein danke. Es musste also etwas her, was die Massen verzückt, also bastelte man etwas Hübsches. Und wenn dies Teil dann auch gleich noch eine Hommage ist an den legendären R5 Turbo - umso besser.
Der Renault 5 Turbo, vorgestellt 1980 und in zwei Serien bis 1986 gebaut, war: herrlich. Ein Renault 5, aber 22 Zentimeter breiter als das Basismodell. Nur zwei Sitze anstatt fünf, denn hinter den beiden vorderen Passagieren war ein 1,4-Liter-Turbo eingebaut, der 160 PS schaffte - und im Gegensatz zum frontgetriebenen 5er die Hinterräder antrieb. Wobei: der R5 Turbo war ziemlich schwierig zu fahren, ein böser Blick auf das Gaspedal, und schon drehte sich das Ding. Was die Geschichte mit dem Frontantrieb dann wieder relativierte... Ein grossartiger Verkaufserfolg war der R5 Turbo nie, was auch daran lag, dass er damals so viel kostete wie eine S-Klasse von Mercedes. Im Rennsport hatte das Mittelmotor-Gerät auch einige Erfolge zu verbuchen, Monte Carlo 1981, Korsika 1982 und Korsika 1985: immer war Jean Ragnotti am Steuer.
Auch in puncto Aerodynamik profitiert der Twin’Run von der reichhaltigen Renault-Erfahrung im Motorsport. Als Anleihe aus der Formel 1 verfügt die Studie über einen Diffusor am Heck. Dieser dient nicht allein der Optik, sondern kanalisiert den Luftstrom unter dem Wagenboden. Dadurch entsteht ein Unterdruck, der das Fahrzeug förmlich an die Fahrbahn saugt. Dies verhindert, dass bei hohen Geschwindigkeiten zu viel Auftrieb am Heck entsteht. Für zusätzliche Fahrstabilität und Traktion an der Hinterachse sorgt der Dachspoiler.
Direkt vom Rennsport abgeleitet ist auch das Fahrwerk des Twin’Run. Vorder- und Hinterräder werden an doppelten Dreieckslenkern mit hoch belastbaren Lenkerachsen aus Aluminium geführt. Hinzu kommen Rennsport-Federbeine rundum. Querstabilisatoren mit 2,2 Zentimeter Durchmesser vorne und 2,5 Zentimeter Durchmesser hinten gewährleisten, dass sich das Fahrzeug auch in schnell gefahrenen Kurven kaum zur Seite neigt. Die 18-Zoll-Räder mit Zentralverschluss ermöglichen den Einbau gross dimensionierter Bremsen: Vorne kommen innenbelüftete Bremsscheiben mit 356 Millimeter Durchmesser und 6-Kolben-Bremssätteln zum Einsatz. Hinten verzögern Scheibenbremsen im 328-Millimeter-Format mit 4-Kolben-Sätteln.
Das Mittelmotorkonzept erlaubt eine exzellente Balance: 43 Prozent des Fahrzeuggewichts lasten auf der Vorderachse, 57 Prozent auf der angetriebenen Hinterachse. Um die Gewichtsverteilung zu optimieren, wanderten der Tank, der Kühler und die Hydraulikkomponenten unter die Fronthaube. Das V6-Aggregat bezieht seine Ansaugluft durch schmale Öffnungen in Höhe der hinteren Radhäuser. Luftauslassöffnungen im Heck gewährleisten einen optimalen Temperaturhaushalt. Mit sichtbar im Innenraum verlegten Kühlwasserleitungen aus poliertem Aluminium setzen die Designer zusätzlich ästhetische Akzente. Der Motor selbst ist durch eine Plexiglasscheibe von der Fahrgastzelle abgetrennt.